Test-Kapazitäten werden erhöht
Neue PCR-Test-Regelung: Zu wenig? Laborverband weist Kritik zurück
Bestimmte Personengruppen sollen bald bei Corona PCR-Tests eine Priorisierung erhalten mit der neuen Teststrategie. Laut Laborverband sind aber genug Tests da.
Berlin/Hannover – Wer hat recht, wer hat Unrecht? Rund um die neue PCR-Test-Regelung ist jetzt eine große Debatte entbrannt. Die Kapazität der hochwertigen Corona-Tests ist nach Ansicht von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und den Gesundheitsministern der Länder arg ausgereizt. Deswegen wurde eine Priorisierung der PCR-Tests beschlossen. Zugleich werden die Testkapazitäten ausgebaut. Für die medizinischen Labore in Deutschland ist dieser Schritt jedoch nicht nachvollziehbar.
PCR Test Regelung in Deutschland: Kapazität wird erhöht – Corona-Beschluss für Experte nicht nachvollziehbar
„Da erwarte ich von einem amtierenden Gesundheitsminister schon eine Antwort, wie das gehen soll“, sagte Michael Müller, Vorsitzender des Verbands Akkreditierter Labore in der Medizin (ALM), dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ in Bezug auf den beschlossenen Ausbau der PCR-Testkapazitäten. Der Verband beäugt den Beschluss zur neuen PCR-Test-Regelung kritisch.
„Wir können die Kapazitäten nicht beliebig von heute auf morgen ausbauen“, merkt Müller an. Ein solch großer Schritt würde nämlich „zeitnahe“ Gespräche sowie eine „klare Aussage“ über den tatsächlichen Bedarf an PCR-Tests zum Erkennen vom Coronavirus beziehungsweise der Omikron-Variante erfordern.
Bundesregierung in der Kritik: Politik soll „Rahmenbedingungen“ für mehr PCR-Testkapazitäten schaffen
De facto hätten die zuständigen Labore bereits seit Ende Oktober 2021 zusätzliche Kapazitäten für 500.000 PCR-Testungen geschaffen. „Obwohl die Politik sich dafür häufig selbst lobt, haben das die Labore in Eigenverantwortung getan“, äußert Müller seine Kritik an der neu formierten Bundesregierung um Kanzler Olaf Scholz (SPD).
Wenn die Politik mehr PCR-Testkapazitäten fordert, muss sie auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen und für eine finanzielle Absicherung sorgen für den Fall, dass diese nicht gebraucht werden.
Und auch aktuell werde die Grundsicherung hinsichtlich der PCR-Testkapazitäten noch von den Laboren allein getragen. Doch zeigt sich der ALM-Vorsitzende nicht nur kritisch aufgelegt. Denn „eine Priorisierung der PCR-Tests ist richtig und sinnvoll“, begrüßt Müller diesen Schritt im Kampf gegen die Pandemie.
Omikron führt zu Priorisierung von PCR-Tests – dabei ist Höhepunkt der Welle noch nicht einmal erreicht
Für Müller ist es „zwingend angebracht“, die Corona-Teststrategie am Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz auszurichten. „Dabei geht es in erster Linie um die medizinische Relevanz.“ Heißt beispielsweise, ob Menschen tatsächlich Symptome einer Omikron-Infektion aufweisen.
Darüber hinaus sei es aber auch wichtig, Kapazitäten für Mitarbeitende in Krankenhäusern oder der Pflege vorzuhalten. Der Grund für die Priorisierung bei PCR-Test leuchtet ein und wurde bereits von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) skizziert. Es wird in den kommenden Wochen schlichtweg „ein deutlicher Anstieg von Testungen, positiven Fällen und einer höheren Auslastung der Labore“ erwartet.
Lauterbach hatte für den Februar 2022 bereits mehrere 100.000 Corona-Fälle prognostiziert – pro Tag. Und auch Daniela Behrens (SPD), Gesundheitsminsterin in Niedersachsen, sieht den Höhepunkt der Omikron-Welle noch längst nicht erreicht.
„Es braucht nicht jeder ohne Symptome täglich einen PCR-Test“: Neue Corona-Test-Strategie verabschiedet
Dementsprechend wird mit einer deutlich höheren Auslastung der Corona-Testkapazitäten gerechnet. Schließlich müssen sich allein die Berufsgruppen, die der kritischen Infrastruktur angehören, hinsichtlich einer möglichen Omikron-Infektion vergewissern. Das große Ziel ist es, den Betrieb in Bereichen wie Kliniken, Krankenhäusern, aber auch bei Rettungsdiensten oder den Strom- und Energieversorgern aufrechtzuerhalten. Und damit nicht ein großes Unternehmen wie Eon zum äußersten Mittel greifen muss*.
Hierfür würde es auch auf ein taktisch kluges Testverhalten ankommen. Das bisherige wird von Müller infrage gestellt. „Es braucht nicht jeder ohne Symptome täglich einen PCR-Test“, heißt es vom ALM-Vorsitzenden. In dieser Hinsicht sei auch vielmehr die Selbstverantwortung eines jeden Einzelnen gerfragt. Der Appell: Impfen lassen, im besten Fall die Boosterimpfung abholen.
Antigentests als Alternative zu PCR-Tests: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ohne Bedenken
Die Test-Thematik ist damit aber noch nicht vom Tisch. Für Dreifach Geimpfte, die keiner vulnerablen Gruppe angehören, „reicht unter Umständen bei unkompliziertem oder mildem Verlauf zunächst auch ein qualitativ hochwertiger Antigentest“. Auf diesen Corona-Test hatte auch bereits Karl Lauterbach verwiesen, der hier keinen allzu großen qualitativen Unterschied zum PCR-Test sieht.
Befindet auch Müller, dem die Antigentests „zu schlecht geredet“ worden sind. Dabei seien sie „gut“ und würden bei richtiger Verwendung Corona-Infektionen ebenfalls zuverlässig nachweisen. Und wie steht Deutschland nur im internationalen Vergleich hinsichtlich vermeintlich geringerer PCR-Testkapazitäten dar? Auch hierzu weiß sich der ALM-Vorsitzende zu äußern.
PCR-Tests zum Nachweis von Omikron: Deutschland mit einer Kapazität von bis zu 2,5 Millionen Tests
„Wir sind in Deutschland wirklich gut aufgestellt“, heißt es von Michael Müller. In Anbetracht des medizinisch tatsächlich benötigten Bedarfs sei die gegenwärtige Erwartungshaltung nur „schwer nachzuvollziehen“. Tatsächlich weisen das Robert Koch-Institut (RKI) und ALM rund zwei Millionen PCR-Tests aus, die zuletzt innerhalb eine Woche durchgeführt wurden.
Dies stellt einen Höchststand in der seit gut zwei Jahre andauernden Corona-Krise dar. Von diesen zwei Millionen PCR-Tests war etwa jeder vierte positiv. Demnach waren die Labore zu 86 Prozent ausgelastet. Und für die Januarwoche ab Montag, 17. Januar 2022, wurde eine Kapazität von etwa 2,5 Millionen PCR-Tests gemeldet.
Labor-Mitarbeiter an ihrer Belastungsgrenze: Anzahl der PCR-Tests zur Auswertung steigt rapide an
Was aber bleibt am Ende dieser Debatte rund um Corona-Tests bestehen? „Gute Dinge sollten jetzt nicht schlecht geredet werden“, geht es nach Michael Müller. Denn schon seit Monaten würden die Labor-Mitarbeiter an ihrer Belastungsgrenze arbeiten. Und im Sommer hätte die Labore die PCR-Testkapazitäten stets hochgehalten – trotz geringer Nachfrage. Die aufkommende Kritik sei deshalb nicht verständlich.
Stattdessen wäre ein bisschen mehr Wertschätzung angebracht.
Damit nimmt Müller eine Vielzahl an Menschen in Schutz. Denn der Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) ist der Berufsverband der Akkreditierten Medizinischen Labore in Deutschland, der über 200 medizinische Labore mit 900 Fachärzten vertritt. Hinzukommen rund 500 Naturwissenschaftler sowie etwa 25.000 qualifizierte Mitarbeiter. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.