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Der Bundestag hat das Spritpreis-Paket der Merz-Regierung beschlossen. Tankstellen dürfen nur einmal am Tag erhöhen. Doch reicht das? Die Zweifel bleiben.
Seit vier Wochen treibt der Iran-Krieg die Spritpreise in Deutschland in die Höhe – und ein Ende der Belastung ist nicht in Sicht. Besonders Pendler, Handwerker und Transportunternehmen spüren die steigenden Kosten an der Zapfsäule unmittelbar. Doch die Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) steuert dagegen und hat am heutigen Donnerstag (26. März) im Bundestag mit Regierungsmehrheit das Spritpreis-Paket beschließen lassen: Tankstellen sollen Preise demnach künftig nur noch einmal täglich erhöhen dürfen, das Kartellamt soll gestärkt werden.
Wollen mit ihrer Koalition die Spritpreise wieder billiger bekommen: Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) im Bundestag.
Doch ob die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vorgeschlagenen Maßnahmen wirklich Entlastung bringen, bleibt fraglich – auch das vermeintliche Vorbild Österreich, das ein ähnliches Modell bereits kennt, verzeichnet laut EU-Kommission-Daten einen der stärksten Preisanstiege in ganz Europa.
Beschlossen: Bundestag verabschiedet Reiches Spritpreis-Paket – Neue Regeln ab Ostern?
Der Kern des heute im Bundestag beschlossenen Spritpreis-Pakets sieht vor, dass Tankstellen die Spritpreise künftig nur noch einmal täglich erhöhen dürfen – ausschließlich um zwölf Uhr mittags. Gesenkt werden dürfen die Preise hingegen jederzeit. Zusätzlich soll das Bundeskartellamt gestärkt werden: Mineralölkonzerne werden verpflichtet, Preiserhöhungen sachlich zu begründen. Bei Verstößen drohen Bußgelder. Außerdem soll das Kartellrecht nach dem Willen von Wirtschaftsministerin Reiche verschärft werden, um einfacher gegen marktbeherrschende Konzerne vorzugehen. Stimmen Bundestag und Bundesrat zu, könnten die Regeln noch vor Ostern in Kraft treten.
Doch Zweifel an der Wirksamkeit werden laut. Der ADAC warnt ausdrücklich davor, das Modell zu beschließen: Die Neuregelung könnte dazu führen, dass „Konzerne die Preise direkt vor der dann einzigen Möglichkeit der Anpassung höher ansetzen“, sagte eine Verbandssprecherin der Bild-Zeitung.
Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte in der Regierungsbefragung zur Spritpreisbremse am Mittwoch eingeräumt, dass die geplanten Maßnahmen nicht ausreichen werden: „Dies alles wird nicht ausreichen, um die Preise so zu dämpfen, dass sie wieder verträglich werden für die Verbraucherinnen und Verbraucher.“ Als das „beste Mittel“ bezeichnete Merz eine Beendigung des Krieges im Iran.
Dennoch werden weitere Maßnahmen diskutiert. Wie die Deutsche Presse-Agentur meldet, spricht sich die Mehrheit der Länder-Verkehrsminister bereits wegen des starken Anstiegs der Spritpreise für die Prüfung einer Übergewinnsteuer für Energiekonzerne aus. Doch bei Kanzler Merz stößt der Alternativvorschlag eher auf Skepsis, da es „nicht rechtssicher definierbar“ sei, „was ein Übergewinn ist und wie man ihn dann besteuert“, berichtete der Bayerische Rundfunk. Einer Erhöhung der Pendlerpauschale gegenüber zeigte er sich hingegen offen – schränkte jedoch ein: „Wir können nicht jede Preisentwicklung durch steuerliche Maßnahmen oder durch Maßnahmen aus dem Bundeshaushalt heraus ausgleichen.“
Trotz Spritpreis-Bremse: Merz-Regierung streitet über Pendlersteuer und Übergewinnsteuer
SPD-Fraktionsvize Armand Zorn drängt auf weitergehende Schritte. Er fordert neben einer Anhebung der Pendlerpauschale auch eine befristete Senkung der Energiesteuer. „Wir halten außerdem die Einführung eines Preisdeckels für Benzin und Diesel für sinnvoll“, sagte Zorn der Deutschen Presse-Agentur. Auch Modelle wie in Luxemburg oder Belgien, wo der Staat Höchstpreise festlegt, seien denkbar. Zudem sprach er sich für eine Wiedereinführung der Übergewinnsteuer aus. Eine Taskforce soll diese Punkte am Freitag besprechen.
Aus den Reihen der Union meldete sich unterdessen CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt zu Wort. Er hält es für vertretbar, dass Autofahrer vorübergehend mehr zahlen: „Ich glaube, man kann den Autofahrern schon zumuten, für eine begrenzte Zeit zum Beispiel 20 Euro, 25 Euro mehr für die Tankfüllung zu zahlen“, sagte er der Bild. Für Handwerker und Gewerbetreibende, die beruflich viel unterwegs sind, sei die Lage jedoch „natürlich eine Riesenherausforderung.“ (Quellen: dpa, Bayerischer Rundfunk, Bild) (jenko)