Cannabis-Legalisierung
Psychotherapeuten für Cannabis-Legalisierung und Alkohol-Mindestpreis
Die Bundespsychotherapeutenkammer verlangt schärfere Regeln bei Alkohol. Bei Cannabis wird sich für liberale, doch klare Regularien ausgesprochen.
Berlin – Die Ampel plant die Freigabe von Marihuana schon länger, Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kündigte zuletzt einen Gesetzesentwurf zur Cannabis-Legalisierung für die zweite Jahreshälfte an. Einige Beobachter sorgen sich in diesem Rahmen vor zu laschen Regeln bei der Abgabe. Aus der Ampelkoalition heißt es, Marihuana werde im Zuge der Freigabe nur durch geschultes Personal verkauft. Die Bundespsychotherapeutenkammer spricht sich jetzt ebenfalls für eine Abgabe in lizenzierten Geschäften durch geschultes Personal aus, doch fordert einen grundsätzlich liberalen Kurs bei Cannabis. In einer Stellungnahme nimmt der Verband auch Alkohol ins Visier.
Psychotherapeuten fordern Cannabis-Legalisierung und Mindestpreis für Alkohol
Die Bundespsychotherapeutenkammer in Deutschland fordert klare Regeln im Umgang mit Alkohol und Cannabis in Deutschland. Im Zuge der Cannabis-Legalisierung sind noch viele Fragen ungeklärt. Der Verband spricht sich dennoch für einen liberalen Umgang mit Marihuana und für dessen Legalisierung aus. Die Psychotherapeuten fordern, Cannabis nur in lizenzierten Geschäften abgeben zu lassen – gleiches fordern sie indes auch für Alkohol, wie die dpa berichtet. Der Verband plädiert zudem dafür, Mindestpreise für Alkohol einzuführen.
Auch ein Mindestalter befürwortet die Kammer – für den Kauf aller legalen Drogen. Sie verlangt in diesem Rahmen zudem eine strengere Sanktionierung der Abgabe an Minderjährige, die Psychotherapeuten plädieren ferner für höhere Steuern auf Alkohol. Lizenzierte Abgabestellen legaler Drogen sollten mit „Fachpersonal“ besetzt sein, das auch in Suchtprävention geschult sei. Die Kammer bemängelte, dass legale Drogen überall rund um die Uhr verfügbar seien.
Cannabis-Legalisierung: Bundespsychotherapeutenkammer sieht größere Gefahr in Alkohol als in Marihuana
Die Psychotherapeuten fordern auch im Rahmen der geplanten Cannabis-Legalisierung klare Regeln, kommen jedoch zu einem klaren Urteil, was die Gefahr der Droge im Vergleich zu Alkohol angeht. Die Kammer kommt zu dem Schluss: „Alkohol ist deutlich gefährlicher als Cannabis.“ Fast jeder fünfte in Deutschland würde Alkohol, der potenziell tödlich sei, in gefährlichen Dosen trinken, so die Kammer. Marihuana hingegen gilt laut dem Verband als moderat schädlich. Es ist nicht die erste Stimme, die im Rahmen der Cannabis-Legalisierung zu dieser Einschätzung kommt.
Cannabis-Legalisierung, Alkohol und Drogenpolitik: Kann der Konsum verhindert werden?
Mit Blick auf die Cannabis-Legalisierung und andere Drogen kommen die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zu einem vermutlich pragmatischen Urteil. Man könne den Konsum nicht verhindern, so der Präsident der Kammer, Dietrich Munz laut dpa. Seiner Konklusion nach „sollten Erwachsene wie Jugendliche auch lernen, Drogen so zu nutzen, dass sie ihre Gesundheit nicht gefährden und das Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit gering bleibt.“ Einen wichtigen Schritt sieht die Kammer in einem Werbeverbot für legale Drogen. Sie spricht sich für Regulierung und Prävention sowie eine allgemeine Drogenpolitik aus, die auf „aufgeklärten, kompetenten und eigenverantwortlichen Gebrauch von Drogen“ setze.
Die Bundespsychotherapeutenkammer fordert in diesem Zuge mehr professionelle Angebote im Bereich Früherkennung, Behandlung und Rehabilitation von Suchterkrankungen. Auch der neue Drogenbeauftragte der Ampel, Burkhard Blienert (SPD), plädiert dafür, „alte Denkmuster“ aufzubrechen. Er fordert „Hilfe und Schutz statt Strafe“. Einen erstaunlichen Umschwung der Drogenpolitik hatte es zuletzt in Thailand gegeben: Dort wurde Cannabis teilweise legalisiert und zum Eigenanbau zugelassen – allerdings weiterhin nicht für private Konsumzwecke, sondern nur für den medizinischen Gebrauch.
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