Verachtfachung als Lösung?

8000 Euro für Syrien-Rückkehr: CDU-Größen stellen sich hinter Dobrindt-Plan – und rechnen vor

Das BMI erwägt eine drastisch erhöhte Rückkehrprämie. Doch über die Lage im Land besteht keine Einigkeit. Syrer können die Lage kaum selbst prüfen.

Update vom 22. Mai, 17:35 Uhr: Die Union unterstützt Überlegungen der Bundesregierung, syrischen Flüchtlingen deutlich höhere Rückkehrprämien anzubieten. Hintergrund sind Pläne aus dem Bundesinnenministerium von Alexander Dobrindt (CSU), freiwillige Rückkehrer künftig mit pauschal 8000 Euro zu unterstützen. Bisher liegt die durchschnittliche Förderung bei rund 1000 Euro.

Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) bezeichnete die freiwillige Rückkehr gegenüber Focus als „für alle Seiten die beste und auch günstigste Lösung“. Höhere Rückkehrförderungen seien daher sinnvoll. Zugleich forderte Krings, Abschiebungen nach Syrien „deutlich zu erhöhen“. Neben Straftätern müsse die Bundesregierung auch schlecht integrierte Syrer stärker in den Blick nehmen.

Passagiere eines Flugzeugs sitzen vor den Einstieg in einem Polizeifahrzeug auf dem Flughafen Leipzig/Halle.

Auch Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) sprach sich gegenüber dem Nachrichtenmagazin für stärkere finanzielle Anreize aus. Wenn dadurch mehr Syrer freiwillig ausreisten, könne dies „ökonomisch sinnvoll“ sein. Selbst Unterstützungsleistungen „im vierstelligen oder in einzelnen Fällen auch im unteren fünfstelligen Bereich“ könnten angesichts langfristiger Sozialkosten noch ein Gewinn für den Staat sein, sagte Poseck. Gleichzeitig betonte er, freiwillige Rückkehr funktioniere dauerhaft nur dann, wenn „ausreisepflichtige Personen wissen, dass andernfalls auch konsequent abgeschoben wird“.

Unterstützung kommt auch aus Baden-Württemberg. Der dortige Migrationsstaatssekretär Siegfried Lorek (CDU) bezeichnete Rückkehrprämien als „wichtige Instrumente“, die günstiger seien als zwangsweise Rückführungen. Der Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Hans-Eckhard Sommer, hatte zuvor erklärt, die bisherigen Hilfen reichten nicht aus: „Über die Höhe sollte man sprechen.“ Kritik an den Plänen kommt dagegen von den Grünen. Der Bundestagsabgeordnete Max Lucks sprach von einem „abenteuerlichen“ Vorhaben und warnte vor zusätzlicher Belastung der Steuerzahler.

Erstmeldung: Achttausend Euro für die Rückkehr nach Syrien, so lautet ein Vorschlag, den das Bundesinnenministerium derzeit prüft. Die Idee klingt einfach, doch hinter ihr verbirgt sich eine vielschichtige Debatte. Es geht um Sicherheit, Freiwilligkeit und die Frage, ob Deutschland Geflüchteten überhaupt eine realistische Grundlage bietet, um eine solche Entscheidung treffen zu können.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), dessen Ministerium offenbar eine drastische Erhöhung der Rückkehrprämie für Syrer von 1000 auf 8000 Euro prüft.

Das Bundesinnenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) prüft nach FOCUS-Informationen aus Regierungskreisen eine deutlich erhöhte Rückkehrprämie für syrische Flüchtlinge. Statt der bisherigen durchschnittlichen Unterstützung von 1000 Euro sollen künftig pauschal 8000 Euro ausgezahlt werden. Der Wechsel zu einem Einheitsbetrag habe dabei einen praktischen Nebeneffekt, so der Bericht. Anders als bisher, wo der genaue Förderbetrag für jeden Rückkehrer individuell berechnet wird, entfiele der damit verbundene Verwaltungsaufwand.

Eine Sprecherin des Ministeriums erklärte auf Nachfrage gegenüber dem Münchner Merkur von IPPEN.MEDIA: „Es existieren bestehende Programme zur freiwilligen Rückkehr. Die freiwillige Rückkehr ist ein Element der Rückkehrpolitik der Bundesregierung. Zu einer möglichen Weiterentwicklung der Programme gibt es keinerlei Festlegungen oder Entscheidungen.“

BAMF-Präsident Sommer hatte Debatte angestoßen: Freiwillige Rückkehr für Syrer attraktiver machen

Angestoßen hatte die Debatte der Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Hans-Eckhard Sommer. In einem Gespräch mit dem Spiegel hatte er die bisherigen Rückkehrprämien im März als unzureichend bezeichnet. „Das reicht meines Erachtens nicht aus. Über die Höhe sollte man sprechen“, sagte er mit Blick auf die üblichen 1000 Euro pro Erwachsenem. Man müsse „die freiwillige Rückkehr mit Geld attraktiver machen“.

Seit Januar 2025 können syrische Staatsangehörige im Rahmen des Bund-Länder-Programms REAG/GARP gefördert nach Syrien zurückkehren. Das Programm übernimmt Reisekosten, zahlt eine Reisebeihilfe von 200 Euro pro Erwachsenem und 100 Euro pro Minderjährigem sowie eine finanzielle Starthilfe von 1.000 Euro pro Person (höchstens jedoch 4.000 Euro pro Familie). Bis Ende Oktober 2025 wurden laut Innenministerium rund 2.900 Ausreisen über das Programm abgewickelt. Insgesamt verließen zwischen Januar und November 2025 nach Angaben des Ausländerzentralregisters rund 6.500 syrische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger freiwillig Deutschland.

Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels

Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt. In ganz Syrien versammeln sich Menschen, um den Sturz der syrischen Regierung zu feiern.
Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt und hat das Land verlassen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Im ganzen Land versammeln sich Menschen wie hier in der Hauptstadt Damaskus auf den Straßen. Sie feiern den Sturz der syrischen Regierung und das Ende der über 50 Jahre andauernden Herrschaft der Assad-Dynastie.  © dpa/DIA Photo/AP | Ugur Yildirim
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Menschen durchwühlten die Privatwohnung des geflohenen Machthabers Baschar al-Assad.
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Der im Jahr 2000 verstorbene Hafez Assad war der Vater Baschar al-Assads und herrschte von 1970 bis zu seinem Tod über das Land. Bürgerinnen und Bürger strömten auch in den Präsidentenpalast und in eine Privatwohnung des geflohenen Machthabers. © dpa/AP | Hussein Malla
Menschen gehen durch die Hallen des Präsidentenpalastes des syrischen Präsidenten, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Der Präsidentenpalast wird nach dem Sturz Baschar al-Assads in Syrien zu einem Publikumsmagenten. Hunderte Menschen strömten in den Protzbau des Ex-Präsidenten und wandelten durch die Hallen. © Hussein Malla / dpa
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama.
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads.
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads. © dpa/AP | Emrah Gurel
Ein Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt eine riesige Menschenansammlung in Aleppo.
Ein von Maxar zur Verfügung gestelltes Satellitenbild zeigt feiernde Menschen auf den Straßen Aleppos. © dpa/Maxar Technologies/AP | Uncredited
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern.
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee.
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee. © dpa/AP | Emrah Gurel
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien.
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien. © dpa/AP | Omar Albam
Ein Bild von Baschar al-Assad in der Stadt Hama ist durchlöchert von Kugeln.
496721846.jpg © Omar Albam / dpa
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren.
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren. © dpa/AP | Omar Albam
Nachdem syrische Rebellen Hama erob ert haben, fliehen Menschen aus der Stadt.
Nachdem syrische Rebellen Hama erobert haben, fliehen Menschen aus der Stadt. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © Hussein Malla / dpa
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo.
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo. © Anas Alkharboutli / dpa
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist.
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt.
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt. © dpa/IMAGESLIVE via ZUMA Press Wire | Juma Mohammad
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee.
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee. © IMAGO/Rami Alsayed
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt.
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt. © dpa/AP | Omar Albam
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad, Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad, liegt auf einem von Oppositionskämpfern zerstörten Fliesenboden in Aleppo. © dpa/AP | Omar Albam
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama.
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug.
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft.
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz.
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz. © dpa | Andreas Arnold

Warnungen vor der Realität in Syrien: 7 Millionen vertrieben, 90 Prozent in Armut, Infrastruktur zerstört

Wie viele Syrer tatsächlich zur Rückkehr bereit wären, lässt sich schwer einschätzen. Die letzte größere Befragung dazu stammt aus der Zeit vor dem Sturz des Assad-Regimes. Sie ergab, dass 94 Prozent der syrischen Geflüchteten dauerhaft in Deutschland bleiben wollten. Seitdem hat sich die Lage in Syrien grundlegend verändert; ob sich damit auch die Rückkehrbereitschaft verschoben hat, ist allerdings offen. Laut Bundesamt für Migration sind derzeit rund 10.700 Syrerinnen und Syrer in Deutschland ausreisepflichtig, knapp 9.800 davon mit einer Duldung. Abgeschoben wurde nach Syrien zwischen 2012 und 2025 niemand. Im Dezember 2025 wurde erstmals ein verurteilter Straftäter dorthin abgeschoben, drei weitere folgten im Januar 2026.

Die Sicherheitslage in Syrien wird derzeit neu bewertet, ein eindeutiges Bild ergibt sich daraus bisher nicht. Scharfe Kritik an der politischen Debatte kommt vom International Rescue Committee (IRC). Die Hilfsorganisation warnt davor, die Realität vor Ort zu verkennen. Große Teile der syrischen Infrastruktur seien zerstört, rund sieben Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben, über 90 Prozent der Bevölkerung lebten in Armut. Von sicheren Rückkehrbedingungen könne keine Rede sein. Die Bundesregierung stehe in der Pflicht, das Recht auf Asyl zu wahren und internationale Schutzstandards einzuhalten. Jede Rückkehr müsse freiwillig und auf fundierter Informationsgrundlage erfolgen.

BAMF verzeichnet Abwärtstrend bei Konflikten: Wirtschaftliche und humanitäre Lage weiterhin desolat

Doch Syrerinnen und Syrer in Deutschland können sich kaum ein aktuelles Bild der Lage vor Ort verschaffen. Nach geltendem Recht riskieren sie den Verlust ihres Schutzstatus, sobald sie ihr Herkunftsland besuchen. Damit fehlt vielen die Grundlage, eine informierte Rückkehrentscheidung überhaupt treffen zu können. Politiker von SPD, Grünen und Linken haben sich zuletzt dafür ausgesprochen, befristete Heimatbesuche zu ermöglichen, um Rückkehrperspektiven realistisch einschätzen zu können.

Dahingegen hat die Bundesregierung signalisiert, dass der Schutzgrund für einen Großteil der Syrer mit dem Ende des Bürgerkriegs entfallen sei. Über sogenannte Widerrufsverfahren kann das BAMF prüfen, ob sich die Lage im Herkunftsland so grundlegend verändert hat, dass ein einmal gewährter Schutz nicht mehr gerechtfertigt ist. Bislang geschieht das bei Syrern allerdings nur anlassbezogen, etwa nach Straftaten oder eigenmächtigen Heimreisen.

Für eine Ausweitung dieser Prüfungen sei Voraussetzung, „dass die Veränderung der Lage im Herkunftsland erheblich ist und nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft stattfindet“, zitiert die Welt am Sonntag das BAMF. Das jüngste Länderreport der Behörde vom November verzeichne zwar einen „stetigen Abwärtstrend der Gesamtzahl an Konfliktvorfällen“ – die wirtschaftliche und humanitäre Lage im Land sei jedoch „weiterhin desolat“. (Quellen: Bundesamt für Migration, DW, Focus, Mediendienst Integration, IRC, Spiegel, Welt am Sonntag) (tpn)

Rubriklistenbild: © Hendrik Schmidt/dpa

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