Ein Fünftel weniger Lohn

Equal Pay Day 2024 – bis zum 6. März arbeiten Frauen umsonst

Die Gender Pay Gap beschreibt den Lohnunterschied pro Arbeitsstunde zwischen Männern und Frauen. Eine Expertin fordert Maßnahmen gegen die Ungerechtigkeit.

Berlin – Der März ist der Monat der Frauen – in zweifacher Hinsicht. Zu feiern gibt es trotzdem eher wenig. Während der internationale Frauentag am 8. März an die Gleichberechtigung der Geschlechter erinnern soll, zeigt der „Equal Pay Day“ am 6. März, dass wir von dieser immer noch meilenweit – oder besser viele Euros – entfernt sind. Denn statistisch gesehen markiert das Datum den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen in Deutschland im Vergleich zu Männern quasi ohne Bezahlung arbeiten – es sind ganze 66 Tage. Die Gender Pay Gap, die Lohnlücke zwischen dem Verdienst von Männern und Frauen, liegt weiter stabil bei 18 Prozent. Inflation hin, Frauentag her.

Kein Tag zum Feiern: Der 6. März markiert statistisch gesehen den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen in Deutschland ohne Bezahlung arbeiten. Die sogenannte Gender Pay Gap liegt seit Jahren konstant bei 18 Prozent.

Regelrecht umsonst gearbeitet bis zum 6. März: Frauen verdienen weiter deutlich weniger als Männer

Die Tatsache, dass der Equal Pay Day statt wie im Vorjahr auf den 7. März bereits auf den 6. März fällt, bedeutet nicht etwa, dass Frauen mehr verdienen. Der simple Grund: 2024 ist ein Schaltjahr. Die Kluft ist seit 2020 unverändert, die Lohnlücke – allen Versprechen der Bundesregierung, die Gender-Pay-Gap in Deutschland überwinden zu wollen, und dem Entgelttransparenzgesetz zum Trotz – ist unverändert riesig. Auch gehören weniger Frauen zu den sogenannten Besserverdienern mit einem bestimmten Einkommen.

Der unbereinigte Gender Pay Gap, die Lohnlücke zwischen dem Verdienst von Männern und Frauen beträgt bei 30-Jährigen zwar „nur“ acht Prozent, steigt dann jedoch rapide an, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Arbeitnehmerinnen zwischen 57 und 61 Jahren verdienen im Schnitt alarmierende 27 Prozent weniger als Männer– auch ein Grund, warum Frauen wesentlich häufiger von Altersarmut bedroht. Und nur wenige haben Hoffnung, dass sich diese Ungerechtigkeit in absehbarer Zeit ändern wird, wie aktuelle Umfragen ergaben.

Gender Pay Gap: Mehrheit der deutschen Arbeitnehmerinnen ist unzufrieden mit Bezahlung

Laut des „Work needs Women Report“ den die Jobbörse Indeed gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstituts YouGov erstellte, empfinden zwar 57 Prozent der Frauen in Deutschland ihre Bezahlung als ungerecht. Doch nur 13 Prozent der Befragten glauben daran, dass der „Gender Pay Gap“ zeitnah überwunden werden kann.

Gehaltsreport 2024: In diesen zehn Berufen verdient man am meisten

Arzt bei der Arbeit
1. Ärzte: Ganz vorne im Ranking stehen Mediziner. Ihr Bruttomediangehalt beträgt 94.750 Euro. Bereits in den Vorjahren führten Ärzte den Gehaltsreport an. © Uwe Umstätter/IMAGO
Finanzexpertin bei der Arbeit
2. Bank-, Finanz- und Versicherungsexperten: Deutlich abgeschlagen auf Platz zwei stehen die Berufsgruppen Banken und Versicherungen. Ihr durchschnittliches Bruttogehalt beträgt 57.000 Euro.  © IMAGO
Ingenieure bei der Arbeit
3. Ingenieure.jpg © IMAGO
Unternehmensberater bei der Arbeit
4. Unternehmensberater/Consultants: In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach Beratungsleistungen stetig gestiegen. Das macht sich am Gehalt von Consultants bemerkbar. Mit einem Bruttomediangehalt von 54.000 Euro stehen sie auf Platz vier. © IMAGO
ITler bei der Arbeit
5. ITler: Deutschland hat mit einem Mangel an Fachkräften zu kämpfen. Umso lohnender ist die Vergütung für IT-Spezialisten. Mit 54.000 Euro verdienen sie genauso viel wie Unternehmensberater.  © IMAGO
Junge Frau bei der Arbeit im Büro
6. Marketing- und PR-Experten: Mit Werbung lässt sich nicht schlecht Geld verdienen. Durchschnittlich 50.000 Euro brutto verdienen Angestellte in diesem Berufssektor.  © IMAGO
Junge Frau schüttelt Hände ihres Gegenüber bei einem Business-Meeting
7. Personaler: Der Bereich Human Ressources ist vor allem für große Unternehmen sehr wichtig. Im Schnitt werden Personaler mit einem Bruttogehalt von 45.500 Euro vergütet.  © IMAGO
Geschäftsmann telefoniert im Büro
8. Vertriebler: Platz acht im Ranking geht an Sales-Mitarbeiter. Ihr Bruttomediangehalt beträgt 43.000 Euro © Yuri Arcurs /IMAGO
Eine Elektrikerin bei der Arbeit
9. Handwerker.jpg © IMAGO
Krankenschwester fährt eine Frau im Rollstuhl durch den Krankenhausflur
10. Angestellte im Gesundheits- und Sozialwesen.jpg © Unai Huizi/IMAGO

Gender Pay Gap schließen: Mehrheit der deutschen Frauen denkt, es dauert noch über 50 Jahre

Schlimmer noch: Die Mehrheit der Befragten – nämlich 53 Prozent – geht davon aus, dass es noch 50 Jahre dauern wird, bis Männer und Frauen gleichberechtigt entlohnt werden. Und trotz des Gender Pay Gaps von aktuell immer noch 18 Prozent, haben laut der Indeed-Umfrage in Deutschland 45 Prozent aller Frauen noch nie eine Gehaltserhöhung gefordert. Viele, nämlich 29 Prozent, gaben an, sich einfach nicht zu trauen. Auch das Anstreben einer Beförderung ist nur für wenige Frauen in Deutschland (23 Prozent) eine angenehme Erfahrung.

Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap beschreibt den Verdienstabstand pro Stunde zwischen Frauen und Männern. Die Ursachen hierfür können unterschiedlich aussehen: Frauen arbeiten beispielsweise in schlechter bezahlten Berufen oder erreichen seltener Führungspositionen als Männer. Einige Frauen erhalten auch dann von ihrem Arbeitgeber weniger, wenn Tätigkeit, Bildungsweg und Erwerbsbiografie vergleichbar mit denen der männlichen Kollegen sind. Dabei unterscheidet man zwischen dem bereinigten und dem unbereinigten Gender Pay Gap.

Das Thema Verdienstungleichheit hat aber weitere Dimensionen: Frauen nehmen zum einen seltener am Erwerbsleben teil als Männer und arbeiten darüber hinaus häufiger in Teilzeit. Dies schmälert die finanziellen Möglichkeiten und verstärkt Verdienstungleichheit weiter.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Gender Pay Gap meets Gen Z: Jüngere Frauen nehmen Ungleichheit stärker wahr

Während nur 31 Prozent der älteren Arbeitnehmerinnen die geschlechtsspezifische Gehaltslücke wahrnehmen, sind es laut der Indeed-Umfrage bei Jüngeren, etwa der Generation Z und den Millennials (25-34 Jahre), fast die Hälfte (49 Prozent). Ute Neher, Arbeitsmarktexpertin bei Indeed, kommentiert: „Wir beobachten eine Generation junger Frauen, die mit dem Bewusstsein einer geschlechterungerechten Bezahlung aufgewachsen ist.“

Unter anderem der Fachkräftemangel zwingt Unternehmen, ihre Strategien zu überdenken. Dieses Umdenken ist entscheidend, um die strukturellen Hürden zu überwinden, die Frauen in ihrer beruflichen Entwicklung einschränken.

Ute Neher, Senior Recruitment Evangelist bei Indeed

Die Umfrage zeigt auch, dass fast die Hälfte der Frauen in Deutschland (49 Prozent) glaubt, dass Männer bessere Karrierechancen haben. Als größte Karrierehindernisse werden Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen (47 Prozent) sowie Sexismus und Vorurteile (40 Prozent) genannt. Etwa ein Viertel der Frauen (24 Prozent) berichtet von Erfahrungen mit Belästigung am Arbeitsplatz.

Expertin mahnt: „Nicht hinnehmbar“ – Maßnahmen von Unternehmen und Politik notwendig

„Die Ergebnisse unserer Studie zeigen deutlich, dass wir auf zwei Ebenen ansetzen müssen, um die Gender Pay Gap zu schließen“, erklärt HR-Expertin Neher. Es seien strukturelle Veränderungen in Unternehmen und Politik notwendig, um mehr Transparenz bei Gehältern und eine konsequente Umsetzung von Gesetzen zur Entgeltgleichheit zu schaffen: „Es ist nicht hinnehmbar, dass nur 20 Prozent der Stellenanzeigen in Deutschland Gehaltsangaben enthalten.“

Zum anderen läge es jedoch an jeder einzelnen Frau, sich für eine gerechte Bezahlung einzusetzen: „Unsere Studie zeigt, dass 83 Prozent der geforderten Gehaltserhöhungen in Deutschland bewilligt werden. Frauen sollten daher den Mut haben, ihren eigenen Wert zu erkennen und eine angemessene Bezahlung einzufordern“. Es sei zwar noch ein langer Weg, die Gender Pay Gap zu schließen. „Aber ich bin überzeugt, dass wir es schaffen können, wenn wir alle – Frauen, Männer, Unternehmen und Politik – an einem Strang ziehen. Denn letztendlich profitieren wir alle von einer gerechteren Arbeitswelt“, so Neher.

Für den „Work needs Women Report“ hat Indeed gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov über 14.600 Frauen zwischen 18 und 65 Jahren in elf Ländern, darunter USA, Kanada, UK, Deutschland und Frankreich, befragt. 1377 der Teilnehmerinnen kamen aus Deutschland. 

Rubriklistenbild: © Imago/Pond5 Images

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