Tagebuch zum Werder-Trainingslager in Südafrika
Daniels Deich-Safari: Ninjas vor der roten Ampel
Johannesburg - Im ersten Moment ist nicht ganz klar, was die beiden Männer wollen. Komplett identisch angezogen sind sie, als sie die große Kreuzung betreten und sich vor den wartenden Autos aufbauen. Rote Schirmmütze, hellblaues Hemd, helle Stoffhose. Beim Lärm der laufenden Motoren werfen sie sich einen schnellen Blick zu, routiniert wirkt das, wie tausendmal gemacht.
Dann fangen sie an zu tanzen. Gut sieht das aus, synchron und nach Lebensfreude, was die kleine Aufführung auf dem porösen Asphalt, direkt vor der roten Ampel, aber erst recht skurril wirken lässt. Denn allzu gut kann es ihnen im Leben nicht gehen. Sie tanzen, weil sie danach Geld durch die Seitenfenster der Autos einsammeln wollen. Niemand kurbelt die Scheibe runter. Davon raten die Einheimischen ab, zu gefährlich. Die Johannesburger kennen ihre Rotphasen und ignorieren die Bittsteller so gut es geht, obwohl das Angebot äußerst vielfältig ist.
Kleine Basare auf Beton
An einer Kreuzung also der Tanz – laut unserem Fahrer „K.G.“ eine Besonderheit des Wochenendes –, an anderen dann Verkäufer, Dienstleister und Werbetreibende. Eine DVD erstehen? Scheibe waschen lassen? Flyer entgegennehmen? Geht hier theoretisch alles. Kleine Basare auf Beton sind es, bei Grün sofort wieder verschwunden, um an der nächsten Kreuzung wie aus dem Nichts von Neuem zu entstehen.
Die Kreativität der Menschen, die im dichten Verkehr irgendwie versuchen an schnelles und sei es noch so kleines Geld zu kommen, ist dabei beachtlich. Rote Ampel, stadtauswärts auf dem Weg zum Löwenpark, plötzlich dieser Mann, nah dran an der Motorhaube. Er lächelt, hebt ein großes Pappschild vor seinen Körper. Schwarze Schrift, weißer Grund: „My wife is kidnapped by ninjas. Please help with R5 to learn kung-fu.“ Der ist ziemlich gut. Kurz darauf springt die Ampel auf Grün.
Daniels Deich-Safari:
Teil 1: Ein Dachschaden und ein Tipp für untenrum
Teil 2: „That small boy is the boss?“
Teil 3: „Harter Job für Middndööörp“
Teil 4: Erst Feuer vom Himmel, dann flüssige Luft
Teil 5: Heißes Eis aus Fleisch
Teil 7: Die Mauern von Johannesburg
Teil 8: Fußball mal anders - Willkommen im Tollhaus!
Fotostrecke: Werders Township-Tour in Johannesburg



