Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies.
Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen
Ein komisches Gefühl war es irgendwie schon, aber es ging ja nicht anders. Wo hätte ich sonst sitzen sollen? Die beiden Sofas mit dem hellen Stoffbezug? Von vier Kollegen besetzt, konzentriert tippend, allesamt den Laptop auf dem Schoß.
Und draußen, im großen Palmengarten mit den feinsäuberlich abgestochenen Rasenkanten? Nur Stehtische, viele Menschen drumherum, dazu Getränke und Fingerfood auf den schneeweißen Tischdecken. Nein, es ging wirklich nicht anders. Mir blieb nur eine Wahl: der Flügel, oder besser gesagt der Hocker davor.
Und so kam es, dass Teile dieses Textes in ganz besonderer Umgebung entstanden sind: in der Residenz des Deutschen Botschafters in Südafrika. Großer Salon, Echtholzparkett, Gemälde an den Wänden, Stuck an der Decke. Ein Raum, durch den einst Nelson Mandela schritt. Und in dem Gott sei Dank dieser Flügel steht.
Botschafter Martin Schäfer – ein gebürtiger Bremer und glühender Werder-Fan – hatte eine Delegation des Bundesligisten zu sich in die Hauptstadt Pretoria eingeladen. Dazu Vertreter aus Politik und Wirtschaft, einige südafrikanische Ex-Profis, Journalisten, Freunde, Landsleute. Ein bunter Abend, gelöste, weil sehr entspannte Atmosphäre – zumindest für die, die nicht arbeiten mussten.
Sah ich etwa aus wie der Hausherr?
Ich hingegen war den Kollegen in der Heimat noch etwas schuldig, einen Text über den Empfang. Also begann ich – Achtung, Spitzenwortwitz! – auf dem schwarzen, dick gepolsterten Hocker sitzend in die Tasten zu hauen. Ein Pianist der Worte, ein Virtuose an der Computer-Tastatur, tipp-tipp, klick-klick – oder, um ehrlich zu sein: Einfach nur ein Typ im weißen Hemd, der in nicht gerade rückenschonender Haltung etwas aufschreibt. Tja. Was soll man machen?
Immerhin: Die beiden Jungs in Fußballtrikots, der eine etwa zwölf Jahre alt, der andere etwas jünger, die plötzlich vor mir auftauchten, muss ich mächtig beeindruckt haben. „Dear Sir, are we allowed to use your toilet?“, fragten sie schüchtern. Ich brauchte einen kleinen Moment. Meine Toilette? Sah ich etwa aus wie der Hausherr, oder was? Nun ja, gibt Schlimmeres. Gönnerhaft beschrieb ich ihnen den Weg.