3:3-Remis gegen Leverkusen

Werder atmet durch, hat aber weiterhin viel Arbeit vor sich: „So ein Erfolgserlebnis hat bisher noch gefehlt“

Werder Bremen sorgt beim 3:3 gegen Bayer Leverkusen endlich für ein ersehntes Erfolgserlebnis. Doch welchen Wert hat die Partie? So schätzt der Club das Remis ein.

Bremen – Es war Horst Steffen zum Abschluss der Medienrunde am Samstagnachmittag deutlich anzumerken, dass der Tag den Cheftrainer des SV Werder Bremen geschlaucht hatte. Zunächst das nervenaufreibende Spiel samt spätem, umjubeltem 3:3-Ausgleich gegen Bayer 04 Leverkusen, danach ein langer Medien-Marathon – Steffen wirkte merklich erschöpft. Dazu dürften auch die kräftezehrenden vergangenen Wochen und Monate seit seiner Amtsübernahme am Osterdeich beigetragen haben. Es ist keine Übertreibung zu sagen: Obwohl die Saison gerade erst begonnen hat und erst zwei Partien in der Bundesliga absolviert sind, kommt die anstehende Länderspielpause dem gesamten Verein sehr gelegen. „Mir wird die kurze Pause guttun, da bin ich mir relativ sicher. Es war relativ viel in den letzten Wochen, seitdem ich hier bin, deshalb werde ich am kommenden Wochenende auch mal etwas durchschnaufen können“, betonte Steffen.

Ein Unentschieden, das sich eher wie ein Sieg anfühlt: Werder Bremen feiert das 3:3 gegen Bayer Leverkusen im ersten Saison-Heimspiel vor den Fans in der Ostkurve.

Werder Bremen schafft 3:3-Unentschieden gegen Bayer Leverkusen - in Unterzahl und nach Zwei-Tore-Rückstand

Bislang war das nicht möglich. „Die letzten Wochen mit dem Pokal-Aus, dem Spiel in Frankfurt, den vielen Verletzten und dem Transfermarkt waren nicht einfach für uns“, gestand auch Sportchef Clemens Fritz. Auch ihm war anzumerken, dass die Ereignisse Spuren hinterlassen haben. Umso wichtiger war es, dass die Mannschaft des SV Werder Bremen in Unterzahl einen 1:3-Rückstand gegen Bayer Leverkusen noch in einen Punktgewinn verwandelte. „Mit einem Punkt zu Hause gegen einen Champions-League-Aspiranten können wir, glaube ich, ganz zufrieden sein. Dieses Ergebnis tut uns natürlich gut“, so Fritz.

Das war mit Abpfiff nicht nur bei der Mannschaft, sondern auch auf den Rängen spürbar. Die Werder-Welt brauchte nach vielen Rückschlägen dringend wieder ein Erfolgserlebnis – selbst wenn es „nur“ ein Unentschieden war. Dass dieses nach Gelb-Rot für Niklas Stark in Unterzahl zustande kam und die Bremer durch Treffer von Patrik Schick (5./64.) und Malik Tillman (35.) schon mit 1:3 hinten lagen, machte den Punkt noch wertvoller. Romano Schmid hatte zuvor per Elfmeter auf 1:2 verkürzt (44.), ehe die späten Treffer von Neuzugang Isaac Schmidt (76.) und Youngster Karim Coulibaly (90.+4) das Stadion endgültig zum Beben brachten.

Erfolgserlebnis gegen Bayer 04 Leverkusen tut Werder Bremen gut - aber es wartet noch viel Arbeit

„Es fühlt sich eher wie ein Sieg an. Durch die Ergebnisse, die wir vorher hatten, ist dieses Spiel eher eine Erlösung, dass wir uns diesen Punkt erspielen und erkämpfen konnten“, erklärte Steffen. Dass der 18-jährige Coulibaly bei seiner Startelf-Premiere zunächst mit einem folgenschweren Fehlpass das frühe 0:1 einleitete und am Ende doch noch zum gefeierten Torschützen avancierte, machte den Nachmittag aus Sicht des SV Werder Bremen perfekt. „So ein Erfolgserlebnis hat bisher noch gefehlt, und jetzt können wir damit weiterarbeiten. Für die Jungs wird es ein guter Impuls sein, weiter akribisch an sich zu arbeiten. Das hat allen gut getan“, betonte Steffen.

Gleichzeitig wurde deutlich: Trotz des Spektakels gegen Bayer 04 Leverkusen liegt noch viel Arbeit vor Werder. „Wir haben weiterhin noch Schritte zu tun. Wir müssen weniger Fehler machen“, stellte Steffen klar. Auch Schmid mahnte: „Es wird noch ein bisschen Zeit brauchen, bis alles zu 100 Prozent greift.“ Durch den personellen Umbruch und die vielen Verletzten musste Werder Bremen zuletzt gleich mehrere Youngster ins kalte Wasser werfen – ein gefestigtes Bild gibt die Mannschaft daher noch nicht ab. Umso wichtiger ist der Teamgeist. „Wichtig ist, dass wir Moral und Mentalität bewiesen haben und dass wir es schaffen, alle Jungs zu involvieren und stark aussehen zu lassen“, sagte Schmid. Steffen ergänzte: „Das zeigt die Stärke der Jungs und kann sicherlich auch eine breite Brust geben.“

Werder Bremen hofft nach Ende des Transferfensters auf „Erleichterung für jeden Einzelnen“

Nach den jüngsten Dämpfern dürfte die Partie auch das zuletzt merklich unruhiger gewordene Umfeld etwas beruhigen. Im Team stellt man sich dennoch auf eine lange und harte Saison ein. „Es wird dieses Jahr eine harte Aufgabe werden“, sagte Werder Bremens Mittelfeldspieler Leonardo Bittencourt. „Wir haben viel Arbeit vor uns und werden am Ende alles dafür tun, dass es reicht, die Liga zu halten.“ Für einen Club, der zuletzt zwei Mal in Folge nur knapp am europäischen Geschäft gescheitert ist, sind das erstaunlich bescheidene Ziele, die nicht gerade von einer Weiterentwicklung künden, im Gegenteil. Dass es möglicherweise doch für mehr als nur den Ligaverbleib reichen könnte, zeigte das Spiel gegen Bayer Leverkusen andererseits aber auch.

Nun liegt es an den Verantwortlichen, in den letzten Stunden des Transferfensters – es schließt am Montag um 20 Uhr – mindestens noch die dringend benötigte Verstärkung im Sturm zu verpflichten. Zusammen mit der Rückkehr mehrerer verletzter Stammkräfte im Laufe des Septembers (Marco Friedl, Jens Stage, Amos Pieper) könnte die Saison dann richtig Fahrt aufnehmen. Steffen setzt jedenfalls darauf, dass das Ende des Transfermarkts noch einmal einen positiven Schub bringt: „Ich glaube, wenn das Transferfenster geschlossen ist, wird das auch eine Erleichterung für jeden Einzelnen bringen, da wir dann wissen, wie die Gruppe final aussieht. Dann gibt es keine Fragezeichen mehr.“ Eines ist schon jetzt klar: Auf Werder Bremen wartet weiterhin viel Arbeit. Doch mit dem 3:3 gegen Bayer 04 Leverkusen ist die Mannschaft endgültig in der Bundesliga-Saison angekommen und hat endlich auch wieder positiv für Schlagzeilen gesorgt. (bvo)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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