Nach Heidenheim-Remis

„Man sollte da jetzt kein Fass aufmachen“: Defensive Defizite trüben den Blick auf eine eigentlich positive Werder-Hinrunde

Zum Haareraufen: Der SV Werder Bremen konnte sein Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim trotz dreifacher Führung und wegen defensiver Unzulänglichkeiten nicht gewinnen.
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Zum Haareraufen: Der SV Werder Bremen konnte sein Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim trotz dreifacher Führung und wegen defensiver Unzulänglichkeiten nicht gewinnen.

Der SV Werder Bremen hat das Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim trotz dreifacher Führung nicht gewinnen können und 3:3 gespielt. Wie die Bremer über die eigene Defensivleistung denken und wie das Hinrundenfazit ausfällt.

Bremen – Patrick Mainka hatte es gewiss nicht böse gemeint. Doch seine Worte taugten ganz gut, um dem leidenden Werder-Herz noch den allerletzten Stich am Mittwochabend zu verpassen. „Drei Mal ist Bremer Recht – aber nicht heute“, meinte der Verteidiger des 1. FC Heidenheim, der früher auch mal für die U23 der Grün-Weißen aufgelaufen war. Drei Tore hatten die Gastgeber geschossen, drei Mal waren sie in Führung gegangen – und am Ende stand doch ein 3:3 auf der Anzeigetafel. Weil die Defensive des SV Werder Bremen erneut Schwächen offenbarte und es so anstelle eines weiteren Glücksgefühls einen mächtigen Dämpfer als Schlussakkord einer eigentlich guten Hinrunde gab. Ole Werner wollte sich die Laune trotzdem nicht gänzlich verhageln lassen.

„Wenn man die vergangenen 17 Partien zusammenfasst, dann kann man der ganzen Mannschaft nur ein Kompliment aussprechen“, betonte Werder Bremens Chefcoach. „Man sieht eine ganz klare Entwicklung. Es war die beste Hinrunde seit 13 Jahren, deshalb hat die Mannschaft einen sehr guten Job gemacht.“ Komplett ohne Einschränkungen kam aber auch der 36-Jährige nicht aus. „Es ist aber so wie immer im Fußball: Das Kurzfristige überwiegt, und das ist heute die Enttäuschung darüber, dass wir nur einen Punkt geholt haben, obwohl sicherlich zwei Zähler mehr möglich gewesen wären.“

Werder Bremen kritisiert Defensiv-Auftritt gegen den 1. FC Heidenheim - will aber „kein Fass aufmachen“

Das war sogar ganz gewiss so. Gerade einmal 45 Sekunden hatte es gedauert, ehe Marco Grüll zur Bremer Führung getroffen hatte. Werder Bremen hatte das Spiel danach unter Kontrolle, verpasste aber den zweiten Treffer. Und weil Milos Veljkovic dann folgenschwer den Ball verlor, trafen die Gäste aus dem Nichts zum Ausgleich (30.). Das hatte zwar für einen spürbaren Bruch im vorher so gefälligen Spiel der Heimelf gesorgt, doch positiv blieb: Werder ließ sich davon nicht umwerfen, sondern zog weiterhin mutig und kreativ seine Angriffe auf und ging im weiteren Verlauf durch Tore von Marvin Ducksch (56.) und erneut Grüll (79.) abermals in Führung. Der Haken an der Sache: Luca Kerber (61.) und Leo Scienza (90.+5) schlugen jeweils noch zurück. Ja, auch der Schiedsrichter war am Ende nicht ganz unbeteiligt, doch im Bremer Lager taten sie gut daran, bei aller Verärgerung zunächst die Schuld bei sich zu suchen. Werder wirkt in diesen Tagen zwar so, als sei das nächste spielerische Level nicht mehr fern, aber eben doch noch weit genug entfernt, um solche Partien souverän über die Bühne zu bringen.

Denn wenn das Gesamtpaket Abwehr nicht funktioniert, fallen individuelle Unzulänglichkeiten mehr ins Gewicht. Gegen den 1. FC Heidenheim offenbarte Milos Veljkovic einige Schwächen, auch Anthony Jung hatte erneut Probleme. Niklas Stark vertrat den gesperrten Kapitän Marco Friedl zwar würdig in der Zentrale der letzten Kette, doch das allein genügte eben nicht, um als Sieger den Platz zu verlassen. „Wir hätten es besser verteidigen müssen, vor allem in der Konterabsicherung und insgesamt hätten wir aufmerksamer sein müssen“, prangerte Stark an, nahm einer größeren Defensiv-Diskussion aber direkt den Wind aus den Segeln: „Man sollte da jetzt kein Fass aufmachen. Wir müssen einfach daran arbeiten und dann wird das.“

Werder Bremen hadert mit eigener Defensivleistung gegen Heidenheim: „Bei den Gegentoren waren wir einfach zu sorglos“

Auffällig ist trotzdem: Es hakt irgendwo. So gut der Dezember mit nur einem Gegentor in vier Pflichtpartien für Werder Bremen lief, so schwierig gestaltet sich die Situation derzeit. In nur zwei Begegnungen jubelten die Kontrahenten nämlich gleich sieben Mal. Doch das eine exakte Problem, das behoben werden muss, scheint es nicht zu geben. „Ich glaube gar nicht, dass es nur die defensive Ordnung ist. Wir haben in Leipzig darüber gesprochen, dass es das Verhalten bei Ballbesitz war. Dieses Mal sind es sicher andere Szenen gewesen – außer beim 1:1, wo es einen viel zu einfachen Ballverlust im Aufbau gab“, erklärte Ole Werner und unterstrich: „Wir bekommen generell gerade zu einfach Gegentore aus ganz unterschiedlichen Situationen.“ Auch Peter Niemeyer begab sich auf Ursachenforschung, warum gegen den FCH dreifach ein Vorsprung nicht genügte. „Wir waren ein bisschen zu nachlässig und haben den einen Fehler zu viel gemacht“, bemängelte er. „Bei den Gegentoren waren wir einfach zu sorglos.“

Und so wurden es zum Ende der Hinrunde eben nicht 28, sondern „nur“ 26 Punkte. Im Gesamtklassement beschert das Werder Rang neun. Die Tabellenregion, in der die internationale Musik spielt, bleibt in Reichweite, die ungeliebte Abstiegszone ist recht angenehme zwölf Punkte entfernt. Nicht die schlechteste Basis für das, was kommen mag. „Natürlich hätten wir nach diesem Spiel gerne zwei Punkte mehr gehabt, aber ansonsten haben wir eine fußballerisch und charakterlich richtig gute Halbserie gespielt“, bilanzierte denn auch Peter Niemeyer. „Darauf lässt sich aufbauen - und jetzt habe ich Bock auf die Rückrunde.“ Diese beginnt schon am Sonntag, wenn der FC Augsburg am Osterdeich zu Gast ist (17.30 Uhr im DeichStube-Liveticker). Eine zügige Chance also, um Kleinigkeiten entscheidend besser zu machen. Oder wie es Werder Bremens Doppelpacker Marco Grüll ausdrückte: „Zufrieden darf man nie sein. Wenn man die Spiele davor gewonnen hat, will man so weitermachen. Das ist uns nicht gelungen. Jetzt wollen wir am Sonntag wieder drei Punkte holen.“ (mbü)

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