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20 Jahre nach der Übergabe der Meisterschale: Was machen eigentlich die Double-Helden des SV Werder Bremen heute? Die DeichStube hat nachgeforscht und klärt auf.
Bremen – Heute auf den Tag genau vor 20 Jahren war es soweit: Der SV Werder Bremen bekam am 15. Mai 2004 die Meisterschale überreicht! Im Anschluss an das Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen (2:6) nahm Kapitän Frank Baumann das gute Stück aus den Händen von Bundestrainer Rudi Völler entgegen. Zwei Wochen später folgte dann noch der Triumph im DFB-Pokal gegen Alemannia Aachen. Die DeichStube hat sich angeschaut, was die Bremer Double-Helden heute so treiben. Los geht‘s mit der Startelf, die damals gegen Leverkusen auf dem Platz stand. In einem weiteren Teil folgt der restliche Kader.
Fußball-Rentner und Trainer: Was die Double-Helden des SV Werder Bremen heute machen
Andreas Reinke Der Torhüter befand sich bereits im Herbst seiner Karriere, 35 Jahre war der Mann aus Krakow am See alt, als er bei Werder Bremen noch einmal zu ganz großer Form auflief. Mit Kaiserslautern war Reinke bereits Pokalsieger (1996) und Meister (1998) geworden, nun schnappte er sich beide Titel in einer Saison – und verpasste dabei nicht eine einzige Partie. In der Liga blieb er sogar satte 13 Mal ohne Gegentor. Drei Jahre später beendete Reinke seine Laufbahn, wanderte 2016 mit seiner Familie nach Spanien aus und lebt dort als Fußball-Rentner vor den Toren Murcias.
Paul Stalteri Ein wenig flog der Kanadier immer unterm Radar, dabei war er viele Jahre eine feste Größe am Osterdeich. Auch in der Double-Saison war er ein Fixpunkt auf der rechten Abwehrseite des SV Werder Bremen, musste lediglich eine Begegnung aufgrund einer Gelbsperre auslassen. Der vielseitig einsetzbare Arbeiter war lange Zeit Rekordnationalspieler seines Heimatlandes, wurde dort zudem zweimal zum Fußballer des Jahres gekürt – unter anderem 2004. 13 Jahre später wurde er in die „Soccer Hall of Fame“ der Nordamerikaner aufgenommen. Nach seiner Karriere kümmerte sich Stalteri beim kanadischen Verband um verschiedene Nachwuchsteams, nun gehört der 46-Jährige dem erweiterten Trainerstab der A-Nationalmannschaft an.
Mladen Krstajic Eigentlich hatte der Serbe für ziemlich schlechte Nachrichten gesorgt, denn ähnlich wie Teamkollege Ailton kündigte auch der Innenverteidiger frühzeitig seinen Wechsel vom SV Werder Bremen zum Ligakonkurrenten FC Schalke 04 an. Der Abschied vor dem ablösefreien Transfer wurde aber ordentlich versüßt. Krstajic absolvierte auf dem Weg zum Double 35 Pflichtspiele, in denen er nicht nur energisch verteidigte, sondern auch drei Treffer erzielte. Inzwischen ist der einstige Defensivakteur auf die Trainerbank gewechselt, coachte unter anderem die Nationalmannschaften Serbiens und Bulgariens. Kürzlich feierte Krstajic seinen 50. Geburtstag und wartet nun auf seine nächste sportliche Herausforderung.
Auf Jobsuche und Jugend-Coach: Das machen Werder Bremens Double-Helden heute
Valerien Ismael In der Abwehr ließ Werder Bremen kaum etwas anbrennen, handelte sich auf dem Weg zur Meisterschaft nur 38 Gegentore ein. Das lag vor allem am bestens harmonierenden Gespann Ismael/Krstajic. Letzterer schwärmte noch kürzlich im DeichStube-Interview: „In der Saison waren wir das beste Defensivpaar in Deutschland.“ Und seinem französischen Nebenmann attestierte er: „Sowohl als Athlet als auch als Mensch war er hervorragend.“ Das zeigte Ismael reihenweise während seiner Zeit an der Weser. In 38 Pflichtspielen stand er in der Spielzeit 2003/2004 wettbewerbsübergreifend auf dem Rasen, erzielte dabei auch noch fünf Tore. 2005 wechselte er zum FC Bayern München, wo es – auch verletzungsbedingt – nicht mehr ganz so gut lief. Mittlerweile arbeitet Ismael als Trainer, der 48-jährige Straßburger stand zuletzt beim englischen Zweitligisten FC Watford an der Linie, wurde dort aber im März 2024 entlassen.
Christian Schulz Als die Saison in ihre ganz heiße Phase einbog, hatte der Bassumer einen Stammplatz auf der linken Seite sicher. Noch heute sind die Rufe der Fans legendär, als bei Schulz‘ Ballberührungen stets sein Nachname langgezogen durchs Weserstadion hallte. Schon als Zwölfjähriger war der spätere Publikumsliebling zu Werder Bremen gekommen, als 21-Jähriger half er beim Double-Coup mit. Vier Länderspiele absolvierte Schulz im Laufe seiner Karriere, trug auch noch die Trikots von Sturm Graz und Hannover 96. Bei den Niedersachsen trainiert der 41-Jährige heute das U17-Team.
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Lebenslang grün-weiß, Investor und TV-Experte: Die heutigen Jobs der Double-Helden des SV Werder Bremen
Frank Baumann Als Kapitän war der gebürtige Würzburger der Kopf der Double-Mannschaft, fungierte als Bindeglied zwischen Trainer und Team und hatte zudem ein Auge auf das Wohlbefinden des Kaders. Das gute Binnenklima habe jedoch erst entstehen können, weil es im Vorsommer während des UI-Cups eine gehörige Schmach gegen Superfund Pasching gegeben hatte. „Das hat uns noch mehr zusammengeschweißt“, betonte der Vize-Weltmeister von 2002 einst im Interview mit der DeichStube: „Wir haben uns auf dem Platz irgendwann fast blind verstanden.“ 2009 beendete Baumann seine Laufbahn, machte sich als Funktionär an der Weser einen Namen. Noch bekleidet er das Amt des Sportchefs beim SV Werder Bremen, übergibt diesen Posten aber bald an Clemens Fritz und nimmt sich eine Auszeit.
Fabian Ernst Der gebürtige Hannoveraner räumte seine Gegenspieler nicht nur kompromisslos aus dem Weg, sondern hatte auch noch ein feines Füßchen und den Blick für den Nebenmann. Satte elf Tore bereitete Ernst 2003/2004 in der Bundesliga für den SV Werder Bremen vor, zwei Tore erzielte er selbst. 2015 ließ Ernst seine Karriere in der Landesliga ausklingen und sorgte im Januar 2019 noch einmal für Schlagzeilen, als er Miteigentümer des dänischen Zweitligisten Naestved BK wurde, seine Anteile aber einige Zeit später wieder verkaufte. Auch als Investor in ein Start-Up trat der heute 44-Jährige schon in Erscheinung, als er die Idee eines smarten Balls mitverwirklichte, um den Sport noch digitaler zu machen.
Tim Borowski Beim Saisonfinale war das Eigengewächs gesetzt – wobei Borowski auch von einer schweren Kreuzbandverletzung von Krisztian Lisztes profitierte. Wie wichtig er für Werder Bremen war und auch in den Folgejahren sein sollte, zeigte er im Pokalfinale, als er Aachen beim 3:2-Triumph mit zwei Toren fast im Alleingang abschoss. Der gebürtige Neubrandenburger blieb Werder als Teil verschiedener Trainerstäbe erhalten, aktuell ist der 44-Jährige als Experte fester Bestandteil des Streamingsenders DAZN. Während der Europameisterschaft 2024 in Deutschland arbeitet er zudem ebenfalls als Experte beim Streamingdienst MagentaTV.
Double-Helden Micoud, Klasnic und Ailton: Das machen das Offensiv-Trio des SV Werder Bremen heute
Johan Micoud Für viele Fans des SV Werder Bremen ist „Le Chef“ der beste Fußballer, der je das W auf dem Trikot getragen hat. Der einstige französische Nationalspieler glänzte mit einer phänomenalen Ballbehandlung und hievte das Bremer Spiel auf ein neues Level. Wann immer Micoud in Bremen zu Gast ist, liegen ihm die Herzen der Anhängerschaft zu Füßen, damals wie heute wird der Beatles-Klassiker „Hey Jude“ auf seinen Namen umgetextet. Zwischen 2002 und 2006 verzauberte der Mittelfeldstar die Bundesliga, nach dem Karriereende 2008 machte sich Micoud als Weinbauer einen Namen und ist ein anerkannter Experte in seiner Heimat.
Ailton Der „Kugelblitz“ spielte die Saison seines Lebens, holte mit Werder Bremen nicht nur zwei Trophäen, sondern wurde auch noch Torschützenkönig (28 Treffer) sowie Deutschlands Fußballer des Jahres. Und doch war er zwischendurch todtraurig, weil er nach lukrativen Lockrufen bereits seinen Wechsel zu Schalke 04 eingetütet hatte. So gut wie in Bremen ging es dem Brasilianer sportlich nie wieder – geschadet hat es seiner Beliebtheit nicht. „Toni“ ist gern gesehener Gast im Weserstadion und umzu, begeistert die Zuschauer auch im Alter von 50 Jahren noch bei diversen Auftritten der Traditionsmannschaft - und ist bundesweit bekannte Werbefigur. (mbü)