Frühes 1:0 gegen Leipzig
Viel mehr als nur ein Tor für Werder: Dinkcis Gänsehautmoment im Weserstadion
Eren Dinkci erfüllt sich seinen Traum vom ersten Tor im Weserstadion. Doch der Moment hat für den Profi des SV Werder Bremen noch eine tiefere Bedeutung.
Der Laufweg perfekt getimt, Ruhe und Übersicht vor dem Tor dann grenzenlos – gerade einmal vier Minuten war das Bundesliga-Spiel zwischen dem SV Werder Bremen und RB Leipzig alt, als Eren Dinkci die Hausherren bereits in Führung brachte, vollkommen überraschend. Erste Chance, erstes Tor? Das war in den vergangenen Monaten wahrlich alles andere als Werder-like, schon gar nicht gegen ein Spitzenteam wie Leipzig. Was den Moment am Samstagnachmittag auf den zweiten Blick aber noch viel besonderer machte, war die spezielle Geschichte hinter dem Treffer, der für Dinkci – so viel steht fest – sehr viel mehr war als nur irgendein Tor in einem Fußballspiel.
„Es war sehr emotional für mich. Ich habe es nie verheimlicht, dass es schon immer ein Traum von mir war, hier zu treffen“, sagt der 24-Jährige, der im Dezember 2001 in Bremen geboren wurde und seit der Kindheit glühender Werder-Fan ist. Über den ATSV Sebaldsbrück und den SC Borgfeld führte Dinkcis Weg 2019 schließlich an den Osterdeich, erst in Werders U19, dann in die U23 – und bis in die Bundesliga. Direkt beim Profi-Debüt, 2020 als Joker in Mainz, das erste Tor mit dem ersten Ballkontakt. Schon das ein ganz besonderer Dinkci-Moment, der in Sachen Emotionalität am Samstagnachmittag aber noch einmal deutlich überboten wurde.
Werder-Bremen-Profi Eren Dinkci erfüllt sich Traum vom Weserstadion-Tor - und denkt beim Jubel an seine kranke Freundin Cinja
„Auch ich bin ein Fußballromantiker und bekomme Gänsehaut, wenn ein Junge wie Eren in seinem ersten Heimspiel nach der Rückkehr sein erstes Tor überhaupt im Weserstadion schießt“, sagt Werder Bremens Cheftrainer Daniel Thioune. „Das gibt ihm und seiner Familie sehr viel.“ Denn auch auf dieser Ebene ist das 1:0 gegen Leipzig für Eren Dinkci bedeutsam. Erstes Tor im Weserstadion, Haken dran, Traum erfüllt – Dinkcis Jubel lieferte aber umgehend einen Hinweis darauf, dass er auf dem Rasen etwas ganz anderes im Kopf hatte: seine Partnerin Cinja, die an Leukämie erkrankt ist. Das mit beiden Händen geformte Herz galt ihr.
Beeindruckend offen geht das junge Paar seit dem Frühjahr mit dem Schicksalsschlag um. „Es war ein Riesenschock, weil man nicht damit rechnet, in so jungen Jahren von einer Krebserkrankung betroffen zu sein. Das war einfach nur heftig“, sagte Dinkci im Mai gegenüber der DeichStube. Im Sommer trug dann auch der private Einschnitt zur Rückkehr aus Freiburg nach Bremen bei. Cinja stammt ebenfalls aus der Hansestadt, das Paar wollte wieder näher bei den Familien sein.
Werder Bremen unterstützt Eren Dinkci auch wegen Krebserkrankung von Freundin Cinja: „Wir geben ihm alle Liebe und Wärme“
Daniel Thioune kennt Eren Dinkcis private Situation natürlich, schon mehrfach war sie Thema zwischen Trainer und Stürmer. „Dass wir darüber sprechen, ist völlig normal. Ich wünsche mir, dass es Erens Partnerin schnellstmöglich wieder gut geht, und ich wünsche mir auch, dass es Eren gut geht“, sagt Thioune, der Dinkci versichert, ihn nicht nur als Fußballer vollumfänglich zu unterstützen: „Er ist ein junger Mensch, der sehr viel Verantwortung trägt. Wir geben ihm all die Liebe, Wärme und Unterstützung, die er braucht.“ Und das, so der Wunsch aller Beteiligten, auch länger als nur während der einen Saison, die Dinkci vom SC Freiburg an den SV Werder Bremen ausgeliehen ist.
Der Stürmer sieht seine Zukunft definitiv langfristig in Bremen. Werder wünscht sich das ebenfalls. Erst kürzlich sagte Geschäftsführer Klaus Filbry im Gespräch mit der DeichStube, dass der Verein Eren Dinkcis klares Bekenntnis habe. Der Verein dürfte also zu gegebener Zeit in Freiburg vorfühlen, wie sich aus dem Leihgeschäft im Sommer 2027 ein fester Transfer machen lässt. (dco)
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