4:1-Kantersieg zum Jahresabschluss
Vier Tore für eine beflügelte Fantasie: Werder verabschiedet sich perfekt aus dem Jahr 2024 und lädt zu Europa-Träumen ein
Der SV Werder Bremen hat sich mit dem 4:1-Sieg gegen Union Berlin perfekt aus dem Jahr 2024 verabschiedet - und lässt die Fans so von Europa träumen. Der Nachbericht zum Spiel.
Bremen – Die Fans in der Ostkurve hatten ihren Nummer-1-Hit des Tages schnell gefunden. „Werder Bremen international“ schallte es schon vor dem Abpfiff durch das Weserstadion und auch Minuten danach wurde der Arm in Arm tanzenden Mannschaft der Traum von Europa gesanglich aufgetischt. Der 4:1-Sieg gegen den 1. FC Union Berlin beflügelt die Fantasie, weil sich Werder mit 25 Punkten nach 15 Spieltagen auf Tuchfühlung zu den Topclubs der Liga befindet. Peter Niemeyer, Leiter Profifußball der Grün-Weißen, ließ sich trotzdem partout nicht locken. „Ich hoffe, dass wir schnell die 40 Punkte holen“, betonte der 41-Jährige einmal mehr. „Das heißt nicht, dass wir nicht ambitioniert sind. Aber wenn man ein Ziel ausgibt, sollte man das erstmal erreichen, bevor man andere Ziele steckt.“ Ob dieses dann aber Europa heißen dürfte, wurde Niemeyer prompt gefragt – was ihn zu einem Lächeln animierte. Und zum geschickten Ausweichmanöver: „Das können wir uns dann überlegen.“
Werder Bremens Derrick Köhn nach Sieg gegen Union Berlin: „Hoffen, dass es im Jahr 2025 so weitergeht“
Einige Bremer Profis waren da schon etwas forscher. Derrick Köhn zum Beispiel. Der Flügelspieler hatte mit zwei Torvorlagen einen großen Anteil am Bremer Sieg gehabt, auch sonst viele gute Angriffe im Zusammenspiel mit Romano Schmid initiiert. Und als eben jener Köhn orakeln sollte, was für Werder Bremen in dieser Saison noch möglich ist, sagt er zunächst kurz und knapp: „Ich hoffe: viel.“ Und weiter: „Wir denken von Spiel zu Spiel. Wir versuchen einfach, jedes Spiel zu gewinnen. So eine Hinrunde hinzulegen, ist sehr, sehr schön. Wir hoffen, dass es im Jahr 2025 so weitergeht.“ Ganz ähnlich argumentierte Stürmer Marco Grüll, der mit seinem Doppelpack (13./17.) den Weg zum finalen Heimtriumph des Jahres geebnet hatte. „Natürlich haben wir jetzt einen Lauf, aber wir wollen nach der Winterpause so weitermachen“, unterstrich der Österreicher. „Es liegt an uns. Wir müssen wieder so in die Spiele gehen wie zuletzt. Wir müssen weiter unsere Chancen nutzen, effizient sein und hinten gut stehen – dann kann es auch so weitergehen.“
Gegen über weite Strecken fehlerhaft agierende Berliner leistete sich Werder Bremen nur kurz Schwächephasen. So hatte die Elf von Trainer Ole Werner aus recht heiterem Himmel das 1:2 durch Andras Schäfer (23.) kassiert und danach eine knappe Viertelstunde lang etwas die Kontrolle über das Geschehen verloren. „Das Tor fangen wir uns in einer Phase, in der wir ein bisschen zu locker gespielt und uns auf dem 2:0 ausgeruht haben. Das darf uns nicht passieren und haben wir in der Halbzeit angesprochen“, erklärte Angreifer Marvin Ducksch später. Auch im zweiten Abschnitt hakte es zwar hier und da, doch da Mitchell Weiser unmittelbar vor dem Pausenpfiff auf 3:1 erhöht hatte, sah es früh nach einem idealen Startschuss für die Weihnachtsfeiertage aus. Und als Jens Stage dann seinen schon siebten Saisontreffer hinterherschob (87.), war endgültig alles klar. „Das war wieder von vorne bis hinten eine reife und erwachsene Leistung“, urteilte denn auch Ducksch. „Wir haben hochverdient gewonnen.“
Werder Bremen macht wieder richtig Spaß - ein Kommentar zum grün-weißen Jahr 2024!
Werder Bremens Peter Niemeyer über Eurpa-Träume: „Ein bisschen Demut tut uns aber auch gut“
Peter Niemeyer gefiel das Gesehene sogar so sehr, dass er im ersten Überschwang erklärte: „Ich würde sagen, dass die Hinrunde perfekt war.“ Ein paar Augenblicke später kassierte er die Aussage zumindest teilweise wieder ein: „Perfektion ist nie da, man kann sich immer weiterentwickeln, aber es war schon eine sehr stabile Hinrunde.“ Und eigentlich ist diese ja auch noch gar nicht zu Ende. Zwei Partien stehen im neuen Jahr noch an, ehe wirklich Halbzeit ist. Am 12. Januar muss Werder Bremen nach Leipzig, kurz darauf schaut der 1. FC Heidenheim an der Weser vorbei. Da können also durchaus weitere Punkte aufs Konto kommen, um die Zwischenbilanz noch gefälliger aussehen zu lassen. Die Bremer Profis erwecken in diesen Wochen nachhaltig den Eindruck, diese Chancen nicht einfach so verstreichen zu lassen. Irgendwo am Horizont schimmert dann eben doch das internationale Geschäft. „Ich finde es nicht verkehrt, wenn Spieler auch mal ein bisschen forscher sind“, erklärte Peter Niemeyer, meinte aber auch: „Ein bisschen Demut tut uns aber auch gut.“
Werder Bremens Trainer Ole Werner freut sich auf die Winterpause, aber ...
Clemens Fritz weiß ebenfalls, dass noch ein weiter Weg in dieser Spielzeit zurückzulegen ist und die Zukunft nicht zum Selbstläufer wird. Stattdessen werde es auch weiterhin viel Arbeit und hohes Engagement benötigen, meinte Werder Bremens Geschäftsführer Fußball. „Aber wir haben ein Trainerteam, dass der Mannschaft einen klaren Plan vorgibt und wir haben eine Mannschaft, die sehr hungrig und gewillt ist und absolut über die Gemeinschaft kommt“, sagte der 43-Jährige am ARD-Mikrofon. „Das ist das, was uns auszeichnet und was wir in den nächsten Wochen und Monaten brauchen.“ So wie am Samstag gegen Union Berlin. „Ich bin mit der Leistung sehr zufrieden und dass wir so einen erfolgreichen Jahresabschluss erleben konnten“, sagte Chefcoach Ole Werner. „Jetzt freuen wir uns auf die Winterpause, auch wenn sie aus sportlicher Sicht nicht kommen müsste. Wir nutzen sie aber, um Kraft zu tanken, um im neuen Jahr wieder an die aktuelle Form anzuknüpfen.“ Die Fans würde es freuen, sie würden nur zu gern noch länger von Europa träumen dürfen. (mbü)