Kritik an SVW-Verantwortlichen
Veränderter Name, gleiches Ziel: Werders Petitions-Zwist geht in die nächste Runde
Der Petitions-Zwist rund um den SV Werder Bremen geht in die nächste Runde. Die Initiatoren üben weiter Druck auf die Club-Führung aus, stehen aber auch großen Herausforderungen gegenüber.
Seit einigen Wochen sorgt eine Online-Petition mit dem Titel „Genug ist Genug! Außerordentliche Mitgliederversammlung zur Bewertung der Amtsführung von C. Fritz“ für Aufsehen rund um den SV Werder Bremen. Mehr als 7.600 Unterschriften sind inzwischen zusammengekommen – damit wurde das Ziel von zehn Prozent der rund 70.000 Werder-Mitglieder erreicht. Zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wird es dennoch vorerst nicht kommen. Das hatte Werders Präsident Hubertus Hess-Grunewald bereits vor drei Wochen klargestellt. Unter anderem sei aufgrund zahlreicher anonymer Unterschriften nicht sichergestellt, dass es sich bei den Teilnehmern ausschließlich um Vereinsmitglieder handelt. Dass die Einberufung einer solchen Versammlung ohnehin nicht automatisch bedeutet, dass dort mittelbar oder unmittelbar über die Abberufung eines Geschäftsführers – in diesem Fall Sportchef Clemens Fritz – entschieden werden könnte, ist inzwischen auch den Initiatoren bewusst. Von ihrem Ziel, zentrale Vereinsthemen zu diskutieren, Antworten auf kritische Fragen zu erhalten und öffentlichen Druck auf die handelnden Personen auszuüben, sind sie jedoch nicht abgerückt.
Werder Bremen-Fans machen weiter: Aus Online-Petition wird „Mitgliederinitiative“ - Kritik an sportlicher Führung
Im Gegenteil: Aus der Online-Petition ist mittlerweile eine „Mitgliederinitiative“ geworden. „Zentrales Ziel der Initiative bleibt die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Dort sollen sowohl die sportliche Führung als auch die Amtsführung des Präsidenten kritisch hinterfragt werden“, sagt Initiator Pascal, der seinen Nachnamen weiterhin nicht öffentlich sehen möchte, gegenüber der DeichStube. Auch strukturelle Themen – etwa der Ablauf des Wahlausschusses im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit den Fällen der bei Werder Bremen ausgebooteten Aufsichtsräte Dirk Wintermann und Ulrike Hiller – sollen dort aufgearbeitet werden.
Um dieses Vorhaben voranzutreiben, hat die Initiative nicht nur einen eigenen Instagram-Account eingerichtet, über den sie regelmäßig informiert, sondern auch einen auf Vereinsrecht spezialisierten Sportanwalt aus Frankfurt eingeschaltet. Zur Finanzierung wurde vor zwei Wochen eine Spendenaktion gestartet. Der aktuelle Stand lag am Donnerstagnachmittag bei 2.956 Euro. Das Minderheitenrecht auf Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung juristisch durchzusetzen, ist derzeit jedoch nicht geplant. „Zunächst wird es keinen Gang vor Gericht geben, da es in dieser Größenordnung bislang keinen vergleichbaren Präzedenzfall beziehungsweise keine entsprechenden Vergleichsurteile gibt“, erklärt der Initiator. Deshalb sei nicht absehbar, ob ein Eilverfahren möglich wäre – vielmehr bestehe das Risiko eines mehrjährigen Verfahrens. Vom Tisch ist das Thema damit aber nicht.
Werder Bremen-Fan-Initiative muss massiven Aufwand betreiben: Werden 7000 Unterschriften in Papierform eingereicht?
„Wir werden den Antrag stellen, dass uns Werder die Datensätze aller Mitglieder übermittelt“, sagt Pascal. Die Initiative plant, einen eigenen Datenschutzbeauftragten zu benennen, um sämtliche rechtlichen Vorgaben einzuhalten. Der organisatorische Aufwand wäre dennoch erheblich. Selbst wenn der Verein die Daten herausgeben würde – wofür er voraussichtlich zunächst die Zustimmung der Mitglieder einholen müsste –, könnte der Antrag auf Abstimmung zwar per E-Mail versendet werden, die Rückmeldungen müssten jedoch postalisch erfolgen. Der Grund: Die erforderlichen 7.000 Unterschriften müssten am Ende in Papierform in der Geschäftsstelle eingereicht werden. Ein Vorgang dieser Größenordnung wäre bislang wohl einmalig – und entsprechend zeitintensiv.
Zum aktuellen Stand der Initiative und der Kommunikation mit dem Initiator äußert sich Werder Bremens Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Hubertus Hess-Grunewald auf DeichStube-Nachfrage wie folgt: „Sowohl ich als auch unser Leiter Recht, Henning Hofmann, standen mehrfach telefonisch und schriftlich im Kontakt mit dem Initiator und haben seine Fragen umfassend beantwortet. Eine konkrete Forderung wurde dabei bislang nicht an uns herangetragen. In dem Austausch wurden stattdessen wiederholt unsere satzungsrechtlichen Vorgaben infrage gestellt und zur Disposition gestellt. Dafür sehen wir keinen Grund.“
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Werder Bremen will Fan-Initiative nicht selbst weiter verbreiten - Hubertus Hess-Grunewald gibt Erklärung ab
Zudem steht im November ohnehin die nächste turnusmäßige Mitgliederversammlung an, bei der unter anderem auch die Wahl des Präsidenten zur Tagesordnung gehört. Des Weiteren betont Hess-Grunewald: „Um kurzfristig einen konstruktiven Austausch zu ermöglichen, haben wir zusätzlich einen formfreien Mitgliederdialog mit den Verantwortlichen von Werder Bremen angeboten. Dieses Angebot wurde vom Initiator leider nicht angenommen.“ Stattdessen gibt es von Seiten der Initiative einen anderen angestrebten Lösungsvorschlag, der den Bremern kommende Woche formell übermittelt werden soll: „Alternativ geben wir dem Verein weiterhin die Möglichkeit, selbst alle Mitglieder mit unserem Antrag auf Abstimmung über eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu informieren.“
Ein Vorgehen, das für Hubertus Hess-Grunewald nicht infrage kommt, wie er deutlich macht: „Selbstverständlich kann jedes Mitglied für eigene Anliegen werben und andere Mitglieder direkt ansprechen. Daraus entsteht jedoch kein Anspruch darauf, dass der Verein individuelle Positionen verbreitet oder im Namen eines einzelnen Mitglieds die gesamte Mitgliedschaft informiert“, so der Präsident des SV Werder Bremen. „Man stelle sich vor, dieses Vorgehen würde künftig als Maßstab dienen und der Verein würde jede Einzelmeinung zu einer Einzelfrage an die gesamte Mitgliedschaft kommunizieren. Das kann nicht sinnvoll sein und liegt auch nicht im Interesse der großen Mehrheit unserer knapp 70.000 Mitglieder.“ (bvo/dco)
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