DeichStube-Interview
„Ich fühle mich offensichtlich ziemlich wohl hier“: Agu über Vertragsgespräche mit Werder, Förderer Thioune und Abstiegskampf
Profi Felix Agu spricht im DeichStube-Interview über seinen Förderer Daniel Thioune, den Abstiegskampf mit Werder Bremen und seine Zukunft.
Felix Agu hat sein Lachen zurück. Nach seiner schweren Sprunggelenksverletzung und einer kleineren Blessur ist der nigerianische Nationalspieler wieder fit und will Werder Bremen im Saisonendspurt dabei helfen, den Klassenerhalt unter Dach und Fach zu bringen. Im DeichStube-Interview spricht der gebürtige Osnabrücker über Vertragsgespräche mit Werder und die Gründe für die schwierige Saison. Außerdem verrät der 26-Jährige, wie er in der Kabine für Trainer Daniel Thioune warb und was er über die Kritik von Mitchell Weiser denkt.
Werder Bremen-Profi Felix Agu ärgert sich über Gegentor gegen RB Leipzig und spricht über seine Fitness
Felix Agu, wie sehr ärgert Sie die Szene vor dem Gegentor zum 0:2 gegen Leipzig, als Sie eigentlich gut den Ball erobern, dann aber ins Straucheln kommen, und ihn so unglücklich in die Füße von Torschütze Romulo befördern?
Ich habe mich sehr darüber geärgert. Ich war mir vielleicht einen Tick zu sicher, wollte den Ball gar nicht mit einem Kontakt wegschießen, sondern einmal mitnehmen und dann rausspielen. Das war bitter und ein sehr ungünstiger Zeitpunkt im Spiel, aber sowas gehört leider dazu.
Für Sie war es der erste Startelf-Einsatz nach Ihrer Verletzung. Mit welchem Gefühl sind Sie aus dem Spiel gegangen?
Insgesamt haben wir gerade in der ersten Halbzeit ein gutes Spiel gemacht, haben gut verteidigt. Darüber hinaus haben wir uns mehr Chancen erspielt, deshalb nehmen wir viel Positives mit. Persönlich fand ich meine Leistung in der ersten Halbzeit ganz gut, in der zweiten Halbzeit dann nicht mehr so.
Und wie geht es Ihnen gesundheitlich? Können Sie schon wieder 100 Prozent geben?
Ausdauertechnisch sicherlich noch nicht. Es gibt immer ein paar kleine Wehwehchen, die man mitschleppt, aber insgesamt fühle ich mich sehr gut.
Verletzungen sind bei Werder ein Dauerthema in dieser Saison. Auch Sie hat es schon zweimal erwischt. Wurden Sie nach Ihrer Syndesmosebandverletzung im Spiel gegen St. Pauli zu früh wieder eingesetzt? Danach stand direkt die nächste Pause an…
Zu früh eigentlich nicht. Ich habe ja davor auch gegen die Bayern gespielt. Wenn was passiert, kann man im Nachhinein immer leicht sagen: „Okay, vielleicht war es ein bisschen zu früh, vielleicht hätte ich mir einen Tag mehr Ruhe gönnen sollen.“ Aber in dem Moment hat es sich gut angefühlt, deshalb finde ich nicht, dass das falsch gesteuert war. Wenn man als Spieler spürt, dass man ein gutes Spiel gemacht hat, dann will man den Schwung mitnehmen und der Mannschaft in einer schwierigen Situation helfen.
Werder Bremen-Profi Felix Agu hat auf seinen Förderer Daniel Thioune als neuen Coach gehofft: „Er ist ein super Trainer“
Wie sehr haben Sie sich gefreut, dass in Daniel Thioune ein alter Förderer von Ihnen nach Bremen gekommen ist – und wie haben Sie davon erfahren?
Als feststand, dass Horst Steffen entlassen wird, bin ich die Tage danach viel durch die Kabine gegangen und habe immer gesagt: Die sollen Daniel Thioune holen (lacht). Ich dachte mir, der würde sehr gut zu uns passen. Er ist ein super Trainer, der vielleicht noch nicht in der Bundesliga den größten Namen hat, sodass er direkt als erste Wahl auf der Liste steht. Aber ich war mir sehr sicher, dass Daniel genau die richtige Lösung für Werder sein kann. Dann habe ich einfach gehofft, und als die Gerüchte aufkamen, habe ich ihm auch direkt geschrieben und gefragt: „Wie sieht es aus?“
Wie hat er reagiert?
Er meinte: „Wir sprechen.“ Am nächsten Tag stand er bei uns in der Kabine, und da war ich sehr glücklich.
Sportchef Clemens Fritz hat Sie aber nicht nach Ihrer Meinung gefragt?
Nein. Aber als die Gerüchte aufkamen, habe ich natürlich gesagt, dass Daniel ein super Trainer ist – auch ungefragt (lacht).
Was zeichnet Ihre Beziehung zu Thioune aus?
Daniel kennt mich, seit ich 14 bin. Da war er schon U17-Trainer in Osnabrück, dort habe ich ihn als Trainer kennengelernt – zusammen mit Merlin Polzin, der heute HSV-Cheftrainer ist. Daniel hat mich einfach schon damals sehr gefördert, obwohl nicht unbedingt abzusehen war, dass ich den Sprung zum Profi schaffe, weil ich ein Spätentwickler war. Aber er hat immer etwas in mir gesehen und dann auch mit dafür gesorgt, dass ich weiter übernommen werde – in die U19 und zu den Profis. Wir haben so viel zusammen erlebt, da wächst so eine Beziehung. Ich finde, er geht seinen erfolgreichen Weg als Trainer nicht umsonst. Seine gute Arbeit zahlt sich auch für ihn aus.
Felix Agu spricht mit Werder Bremen über die Zukunft und eine mögliche Vertragsverlängerung
Ihr Vertrag bei Werder läuft noch ein Jahr – bis Sommer 2027. Gab es schon Gespräche über eine mögliche Verlängerung?
Ja, es gab schon einen Austausch, aber noch nicht richtig konkret.
Was heißt das?
Wir haben gesprochen, aber noch nichts darüber hinaus.
Hat der Verein denn signalisiert, dass er gerne mit Ihnen weiterarbeiten würde?
Ja, das schon.
Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?
Ich weiß es noch nicht. Ich fühle mich offensichtlich ziemlich wohl hier. Zum Ende der Saison bin ich sechs Jahre bei Werder. So lange bleibt man ja nicht ohne Grund. Deshalb bin ich relativ entspannt, warte erstmal auf das Ende der Saison und setze mich dann noch mal mit den Verantwortlichen zusammen.
Felix Agu glaubt fest an Klassenerhalt mit Werder Bremen: Köln- und HSV-Spiele können „größten Boost verschaffen“
Würden Sie denn im Falle eines Abstiegs nochmal mit Werder in die 2. Liga gehen?
Wenn es so kommen sollte, habe ich einen Vertrag für die 2. Liga. Aber einen Abstieg wollen wir natürlich um jeden Preis vermeiden.
Was stimmt Sie zuversichtlich, dass Werder den Klassenerhalt schafft?
Dass wir es in der eigenen Hand haben. Ich finde, dass wir in den letzten Spielen sehr viel angeboten haben. Das stimmt mich positiv, dass wir noch genug Punkte holen, mindestens drei Mannschaften hinter uns lassen und hoffentlich nicht mehr allzu lange zittern müssen.
Sind Siege gegen direkte Konkurrenten wie Köln und den HSV dafür aus Ihrer Sicht Pflicht?
Das sind auf jeden Fall Sechs-Punkte-Spiele, die uns den größten Boost verschaffen können. Es sind für den Kopf wichtige Partien. Beim Derby haben wir auch noch etwas wiedergutzumachen. Jetzt konzentrieren wir uns aber erstmal auf Köln, die wollen wir auch schlagen. Aber auch danach gibt es noch Punkte zu holen. Keine Mannschaft, außer vielleicht die Bayern, ist unschlagbar. Deshalb sehe ich uns auch in den Spielen danach nicht chancenlos.
Wie sehr freuen Sie sich über die Rückkehr von Victor Boniface – und glauben Sie, dass er für Werder noch wichtig werden kann im Saisonendspurt?
Es freut mich sehr, ihn wieder hier zu sehen, weil ich mich gut mit ihm verstehe. Ich denke, dass er noch ein bisschen Zeit braucht, um wieder in den Rhythmus zu kommen. Aber wir wissen alle um seine Qualität. Er hat es in Spielen vielleicht nur aufblitzen lassen, aber im Training sieht man es immer wieder. Wenn er sich fallen lässt, aufdreht, Pässe spielt, mit was für einem Timing, mit was für einem Auge! Das ist einfach eine absolute Qualität! Er war nicht ohne Grund in Leverkusens Meistermannschaft eine tragende Säule. Wenn Victor auch nur ansatzweise an das Level rankommt, dann kann er uns helfen. Wie viel es in dieser Saison noch sein wird, ist die Frage. Es geht darum, dass er wieder in den Fitnesszustand kommt, um uns eine gewisse Zeit auf dem Platz helfen zu können.
Felix Agu im DeichStube-Interview über Mitchell Weisers Kritik an Werder Bremen: „Das Thema bleibt bei ihm und Clemens Fritz“
Daniel Thioune hat gesagt, Boniface könnte gegen Teams auf Augenhöhe ein Faktor werden.
Ja, das glaube ich auch. Und zwar in Spielen, in denen wir vielleicht die etwas dominantere Mannschaft sind, wenn es darum geht, den Gegner aufzuspielen, dann sind seine Qualitäten gefragt.
Wie haben Sie die öffentliche Kritik von Mitchell Weiser an der sportlichen Führung um Clemens Fritz aufgefasst? Weiser hatte einige Entscheidungen der Verantwortlichen im vergangenen Sommer als „ein bisschen fahrlässig“ bezeichnet?
Ich habe die Aussagen nach dem Leipzig-Spiel gelesen. Für mich ist das Mitchs Thema. Das bleibt bei ihm und bei Clemens.
Teilen Sie denn seine Meinung, dass der Verein lange auf einem guten Weg war, im vergangenen Sommer dann aber zu viele falsche Entscheidungen getroffen hat?
Man kann im Nachhinein immer sagen, welche Entscheidung eher richtig und welche nicht richtig war. Aber ich sage, wenn sie mit der richtigen Überzeugung getroffen wurde, dann steht man dazu. Wenn man alle 18 Bundesligamannschaften durchgeht, findet man garantiert bei jeder Fehler in der Transferplanung. Auch mit Verletzungen kannst du nicht planen. Deshalb lasse ich das lieber andere beurteilen.
Werder Bremen-Profi Felix Agu im DeichStube-Interview über Abstiegskampf, Verletzungen und Kader-Umbruch
Sorgen Aussagen wie von Weiser in der Kabine für Unruhe?
Nein, das denke ich nicht. Das war an dem Tag kurz Thema, aber danach nicht mehr.
Wie erklären Sie sich diese schwierige Werder-Saison, nachdem es vorher jahrelang fast nur bergauf ging?
Dieses Jahr war das erste, in dem wir relativ viele Veränderungen hatten. Davor gab es die letzten drei Jahre sehr, sehr wenig Bewegung. Dann ist so ein Verlauf vielleicht erwartbarer. Auch so ein Verletzungspech wie in dieser Saison hatten wir davor nicht. Allein Mitch ist bisher die ganze Saison raus. Der hat letztes Jahr 15 Scorerpunkte gemacht. Alles auf die Verletzungen zu schieben, ist zwar zu einfach, aber es ist im Fußball häufig so, dass sich alles ein bisschen schwerer spielt, wenn du erstmal in einen Negativstrudel gerätst.
Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht, dass sich der Verein bewusst von älteren Spielern getrennt hat, um jungen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs mehr Raum zu geben?
Wenn wir am Ende souverän die Klasse halten und beispielsweise ein „Couli“ (Karim Coulibaly, Anm. d. Red.), der mit etlichen Vereinen in Verbindung gebracht wird, im Sommer für x-Millionen Euro wechselt, sagen wir vielleicht nach der Saison: Alles richtig gemacht, weil der Verein eine Finanzspritze bekommt und wieder neu investieren kann. Es geht darum, den Abstieg zu verhindern, die Saison gut zu Ende spielen. Danach kann alles aufgearbeitet werden. (mwi)
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