„Das ist ein Überlebenskampf“
Kohfeldts stummer Schrei nach Spielern
Bremen - Die Pressekonferenz war vorbei – und wie immer stellte sich Florian Kohfeldt noch den Fragen der Bremer Journalisten. Doch es dauerte nicht lange, da übernahm der Werder-Coach das Kommando und redete sich dabei sogar ein bisschen in Rage.
Nicht nur das 0:0 gegen Hertha BSC war ihm auf den Magen geschlagen, sondern auch die Stimmungslage in und um seinen Club: „Das ist ein Überlebenskampf, auf den wir alles ausrichten müssen. Das will ich spüren.“
Kohfeldt nahm dabei auf den ersten Blick den Club und die Stadt in die Pflicht. Die Mannschaft sparte er bei dieser Kritik ganz bewusst aus. Dort seien die Sinne absolut geschärft. „Den Jungs kann ich keinen Vorwurf machen“, sagte der Coach. Wohl wissend, dass seine Worte durchaus brisant sein könnten: „Ich weiß, dass ich mich da auf sehr dünnem Eis bewege.“
Will Kohfeldt die Vereinsoberen wachrütteln?
Worum geht es ihm genau? „Ich habe das Gefühl, dass sich in der Stadt so etwas ausgebreitet hat, dass wir wieder guten Fußball spielen, so wie er zu Werder passt. Und dabei wird verdrängt, dass wir 16. sind“, sagte der 35-Jährige. Als Kritik an den Fans wollte er das aber auch nicht verstanden wissen.
„Die Unterstützung war wieder super“, hob Kohfeldt hervor. Die Mitarbeiter rund um das Team kann er eigentlich auch nicht meinen, auf die hat er direkten Einfluss. Bleibt nur der Verdacht, dass Kohfeldt die Vereinsoberen wachrütteln will – die Geschäftsführung und vor allem den Aufsichtsrat. Es dürfte ums Geld gehen.
Kohfeldt: „Werde ihn nicht bitten, das Portemonnaie aufzumachen“
Werder braucht Verstärkungen – vorne und hinten. Lamine Sane und Luca Caldirola werden wohl gehen. Da muss Ersatz her. Und auch für den verletzten Fin Bartels wird eine Alternative gesucht. Bislang vergeblich. „Wir sind da im engen Austausch“, sagt Kohfeldt zu dem Thema und meint Sportchef Frank Baumann: „Ich werde ihn nicht bitten, das Portemonnaie aufzumachen.“ Dabei grinste Kohfeldt. Natürlich hätte er nichts gegen neue Spieler, nur öffentlich fordern wird der junge Trainer das nicht.
Kohfeldt wählt den indirekten Weg, weist mit drastischen Worten daraufhin, dass trotz guter Leistungen längst nicht alles gut ist. „Meine Kernbotschaft ist: Die Situation ist richtig gefährlich. Es werden immer weniger Spiele. Ich warne davor, sich der Situation nicht bewusst zu sein. Der Mai ist nicht mehr weit.“ Bis Mittwoch hat Werder noch Zeit, sich zu verstärken. Dann endet die Transferphase. Billig wird das nicht. Ein Abstieg wäre aber sicherlich noch teurer.
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