Horst Steffen setzt wohl auf Fünferkette

Formation gefunden? Werder will die Abwehr auf die Kette kriegen

Der SV Werder Bremen stellt bisher eine der schwächsten Defensiven der Bundesliga - so will Trainer Horst Steffen die Abwehr auf die Kette kriegen!

Bremen – Zuletzt ist eine Menge probiert worden. Erst gab es beim SV Werder Bremen die Viererkette in der Abwehr, dann eine Dreierformation. Regelmäßig verwandelte sich diese im weiteren Verlauf zu einer Fünferreihe, bei der etwa in Person von Marco Grüll der eigentliche Linksaußen tief in die Abwehr rückte. Unmittelbar vor dem Weihnachtsfest, während des dürftigen 0:0 beim FC Augsburg, hatte Trainer Horst Steffen dann erstmals die klassische Fünferkette ausgepackt, bei der es neben drei Innenverteidigern auch zwei feste äußere Defensivakteure gab. Das Projekt funktionierte, Werder stand weitgehend stabil – und probte in dieser Formation zuletzt auch den Ernstfall im tor- und trostlosen Test gegen den FC St. Pauli. Nicht unwahrscheinlich, dass die Bremer auch den Re-Start in der Liga am Wochenende mit dieser taktischen Ausrichtung angehen. Auch das Personal dafür scheint festzustehen.

Marco Friedl (von links), Karim Coulibaly und Amos Pieper (rechts) dürften in den kommenden Spielen die Abwehr-Dreierkette des SV Werder Bremen bilden.

Werder Bremen Horst Steffen über die Fünferkette: „Das ist auf jeden Fall eine Option für die nächsten Spiele“

„Das ist auf jeden Fall eine Option für die nächsten Spiele“, sagt Horst Steffen. „Und dann schauen wir mal, was wir an Ergebnissen haben, um dann eine Bestätigung zu finden, ob wir es so oder doch anders machen.“ Arbeitsreich dürften die nächsten Spieltage fraglos für die Hintermannschaft werden, schließlich heißen die Gegner des SV Werder Bremen binnen weniger Tage TSG Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker), Borussia Dortmund (Dienstag, 20.30 Uhr) und Eintracht Frankfurt (16. Januar, 20.30 Uhr). Mehr Ernstfall geht kaum. Der Bremer Fokus auf die Defensive ist nach bis dato 28 Gegentoren verständlich, geht aber auch zu Lasten der Vorwärtsbewegung – wenngleich dort grundsätzliche Probleme den Wunsch nach regelmäßiger Entlastung während der Spiele erschweren. Was die Wichtigkeit der Stabilität vor dem eigenen Tor aber nur noch mehr unterstreicht. Nicht schön, im Idealfall aber immerhin zweckdienlich.

Wenn nichts Unvorhergesehenes bis zum Wochenende passiert, dürfte Horst Steffen wie beim Test auf St. Pauli in der Abwehrzentrale erneut jenen Profis vertrauen, die auch im bisherigen Verlauf der Hinrunde häufig zum Zuge kamen: Amos Pieper, Karim Coulibaly und Marco Friedl. Letzterer half zwischenzeitig auf der linken Seite aus, war damit nie richtig glücklich und profitiert jetzt ganz persönlich vom Defensivumbau. Der Kapitän des SV Werder Bremen kann wieder in die Mitte und dürfte dort – flankiert von den beiden Kollegen – nach Ansicht vieler Beobachter auch bleiben. An den Seitenlinien der Bremer Aufstellung würden auch gegen die TSG Hoffenheim weiterhin Yukinari Sugawara (rechts) und Isaac Schmidt (links) verteidigen.

Werder Bremens Horst Steffen dürfte in der Dreierkette vorerst auf Amos Pieper, Marco Friedl und Karim Coulibaly setzen

Nebeneffekt dieser Ausrichtung: Horst Steffen ginge dadurch unangenehmen Entscheidungen beim Stammpersonal aus dem Weg. Das Trio Pieper/Friedl/Coulibaly, das im Verlauf der bisherigen Saison viel Lob vom Coach erhalten hat, kann auch weiterhin Teil der Startelf bleiben. Niemand wird mit einem Bankplatz abgestraft. Lediglich Niklas Stark muss sich weiterhin damit anfreunden, aktuell nicht erste Wahl zu sein – bereits gegen St. Pauli lief der 30-Jährige in der zweiten Halbzeit mit den Reservisten auf. Ein deutlicher Fingerzeig. Julian Malatini spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle, und Maximilian Wöber dürfte noch Zeit benötigen, körperlich in den Zustand zu kommen, um ein verlässlicher Faktor zu sein. In Abwesenheit von Felix Agu, der noch immer an seinem Comeback feilt, hat sich gegen die Kiezkicker zudem gezeigt, wie wichtig es für den SV Werder Bremen derzeit ist, dass Yukinari Sugawara verletzungsfrei bleibt. Der Japaner ist ohnehin Dauerbrenner auf der rechten Seite, spielte zuletzt am Millerntor wie die Kollegen aber nur 45 Minuten. Was dazu führte, dass Marco Grüll plötzlich aus Mangel an Alternativen den Stellvertreter gab und sichtlich mit seiner Aufgabe fremdelte.

Das System des SV Werder Bremen ist und bleibt ein Vabanquespiel. Auch fast nach der Hälfte der Saison ist noch immer nicht abschließend geklärt, wie sich Risiken am besten minimieren lassen. Stattdessen bleiben viele offene Fragen. Nicht nur, aber eben auch, wenn es um eine Fünferkette oder andere Defensivausrichtung geht. „Es ist weiterhin so, dass beides möglich ist“, sagt Horst Steffen. „Die Jungs haben für sich auf beides vorbereitet.“ (mbü) Schon gelesen? So sehen Fans das Bundesliga-Spiel Werder Bremen gegen TSG Hoffenheim live im TV und Livestream!

Rubriklistenbild: © IMAGO/Steven Mohr

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