Chance des frühen Geldes
Werder winkt Millionenregen – und viel Zeit, um Richtiges damit zu tun
Der SV Werder Bremen steht vor großen Transfer-Erlösen – und das bereits weit vor der neuen Saison. Welche Chancen und Nöte das mit sich bringt.
Noch wartet das Konto auf Zuwachs. Und es steht bislang auch gar nicht fest, wie viel Geld letztlich genau den Besitzer wechseln wird. Doch es verdichten sich die Anzeichen, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis der SV Werder Bremen so richtig Kasse macht. Der kleine, aber feine Haken an der Sache: Als Gegenleistung werden zwei Leistungsträger und Publikumslieblinge den Bundesligisten verlassen. Torhüter Mio Backhaus steht unmittelbar vor einem Transfer zum SC Freiburg, bei dem nach DeichStube-Informationen eine Ablöse in Höhe von 15 Millionen Euro plus etwaiger späterer Bonuszahlungen im Raum steht. Mittelfeldspieler Jens Stage wird derweil intensiv von Bundesliga-Konkurrent TSG Hoffenheim umworben, wo aktuell ein erstes Angebot im Bereich von elf Millionen Euro plus Boni ausgearbeitet wird. Der Däne hat seinen Wechselwunsch bei Werder hinterlegt, der Poker zwischen den Vereinen hat begonnen. Den Bremern winken also die ersehnten hohen Einnahmen, die nicht nur die wirtschaftliche Bilanz aufhübschen, sondern zu einem ungewohnt frühen Zeitpunkt große Chancen bieten.
Werder Bremen darf sich voraussichtlich auf hohe Transfer-Erlöse freuen – und arbeitet an Verstärkungen
Fakt ist: Wie viel Geld die Bremer am Ende auch immer einnehmen – der komplette Betrag wird nicht direkt wieder in den Kauf neuer Spieler fließen. Es geht auch darum, monetäre Verbindlichkeiten der Vergangenheit zu begleichen und sich für die Zukunft zu wappnen. Letzteres gilt aber natürlich auch für den sportlichen Bereich. Untätig waren die Entscheider um Sportchef Clemens Fritz dabei bislang keineswegs. In Kenny Quetant wurde bereits ein Stürmer verpflichtet, Mittelfeldspieler Chuki hat ebenfalls schon unterschrieben und wird nach dem Saisonende in Spanien offiziell an der Weser als Neuzugang präsentiert werden. Zudem wurde Markus Pilawa als neuer Kaderplaner geholt, und auch weitere talentierte Nachwuchskräfte konnten von anderen Clubs losgeeist und vom Werder-Weg überzeugt werden. Das alles garantiert keine rosige Zukunft, verdeutlicht aber, dass bei allem zwingend notwendigen Analysebedarf das Handeln nicht zu kurz kommt. Zeit ist im Profifußball äußerst kostbar. Und Werder Bremen hat nun eine ganze Menge davon.
Millionen-Regen dank Mio Backhaus: Werder Bremen hat plötzlich viel Geld zur Verfügung
Zumal beispielsweise die Backhaus-Lücke recht schnell geschlossen werden kann. Der bisherige Ersatzkeeper Karl Hein wird aufrücken, weil Werder Bremen nach DeichStube-Informationen die bisherige Leihgabe von Arsenal London demnächst fest verpflichtet. Der Nationaltorhüter Estlands hat zwar bislang nur in Ansätzen beim SVW zeigen können, was er kann, weshalb auch er sich erst einmal langfristig auf Bundesliga-Niveau beweisen muss, doch Keeper-Coach Christian Vander hat sich eine Saison lang ein sehr genaues Bild vom 24-Jährigen machen können. Ebenfalls nicht unwichtig: Ein sportlich besserer Schlussmann zu einem ähnlichen Preis müsste erst einmal gefunden werden. In Kombination mit den Backhaus-Einnahmen ergeben die Hein-Ausgaben somit ein lukratives Torhüter-Transfer-Gesamtpaket.
Auch Jens Stage vor Transfer: Hoher sportlicher Verlust, aber große Chance für Werder Bremen
Wesentlich schwieriger dürfte es werden, den drohenden Verlust von Jens Stage aufzufangen. Der 29-Jährige hat zwei Saisons hintereinander jeweils zehn Tore erzielt, ist in puncto Intensität und Zweikampfführung das Bremer Aushängeschild, verfügt über ein außergewöhnliches Kopfballspiel und nimmt obendrein in der Kabine eine zentrale Rolle ein. Kurzum: Stage ist ein absoluter Führungsspieler. Von eben denen muss sich ein Verein wie Werder Bremen allerdings trennen, wenn das dicke Geld verdient werden will. Für Gefühlsduseleien bleibt da wenig Platz. Aber: Werders Grundidee, perspektivisch noch intensiver auf sogenannte Potenzialspieler zu setzen, die sich fußballerisch weiterentwickeln und ihren Marktwert steigern, ist verständlich – sollte aber nicht das einzige Mittel der Wahl sein.
Nicht jede Saison sind unmittelbare Leistungsexplosionen wie die von Mio Backhaus oder Karim Coulibaly zu erwarten, das Beispiel Patrice Covic zeigt, dass die ganz normale Talentreife auch mal etwas länger dauern kann. Um sich diese Zeit aber nehmen zu können, müssen auch andere Parameter stimmen. Die Hanseaten werden deshalb zwingend fertige Profis brauchen, die sofort als Teil der Startelf Akzente setzen und wenig Anlaufzeit benötigen. Diese Herausforderung ist groß, aber nicht unlösbar. Anders als in vielen Jahren zuvor sind die nötigen Mittel dafür bald tatsächlich vorhanden. Sogar schon im Frühjahr. Eine bessere Ausgangslage hat es bei Werder Bremen lange nicht gegeben. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob die Verantwortlichen um Sportchef Clemens Fritz sie gewinnbringend nutzen können. (mbü)
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