Gondorf und Eggestein vor dem Tor glücklos
Der Frust der Pechvögel
Bremen - Es war die vierte Minute der Nachspielzeit, als Maximilian Eggestein plötzlich die Chance bekam, den heraufziehenden Diskussionen um Videobeweis und Chancenverwertung die Kraft zu nehmen.
Völlig frei kam Eggestein im Strafraum von Hertha BSC zum Abschluss. Er zog ab, hart, aber nicht sonderlich platziert. Mit dem Schuss überwand Eggestein Hertha-Torwart Thomas Kraft, aber er überwand nicht Jordan Torunarigha, der knapp vor der Linie klärte und so ein Bremer Happy End verhinderte. „Sehr ärgerlich“ fand Eggestein das – und diese Aussage wirkte angesichts dessen, was wohl wirklich in ihm los war, sehr niedlich. Denn Eggestein war in diesem tor-, aber nicht trostlosen Spiel der große Pechvogel gewesen – dicht gefolgt von Jerome Gondorf.
Zwei Pfostentreffer: Jerome Gondorf „extrem gefrustet“
Eggestein war es gewesen, der mit einem schönen Schuss aus der Drehung jenes Tor erzielt hatte, das zunächst bejubelt, dann aber vom Videobeweis seiner Gültigkeit beraubt wurde. Und natürlich wurmte es den jungen Bremer Profi, dass ihm gleich zweimal der Weg auf den Sockel des Matchwinners versperrt worden war. Erst vom Schiedsrichter, dann von Torunarigha. Die letzte Chance, sie wäre „der Lucky Punch gewesen. Und ich glaube, dass das Tor für uns auch hochverdient gewesen wäre“, meinte Eggestein: „Es war einfach Pech, dass da noch einer auf der Linie stand.“
Ja, Pech. Immer wieder Pech. Jerome Gondorf war der andere Bremer, der diesen Begriff bei seiner Analyse des Spiels gleich mehrfach benutzte. Denn Gondorf hatte zweimal den Pfosten getroffen. Es war zum Verzweifeln – und Gondorf „extrem gefrustet“. „Dann brauchst du einfach ab und zu mal das Glück, dass der Pfosten mal einen Zentimeter weiter drüben steht“, sagte er und haderte wortreich mit dem fehlenden Fortune: „Wir haben wieder Kampf, Leidenschaft und auch fußballerische Klasse gezeigt, dann ist es einfach nur schade, dass du das Spielglück nicht auf deiner Seite hast.“
Eggestein fehlt Killerinstinkt bei finaler Chance
Allerdings lässt sich die Bremer Torlosigkeit auch anders erklären. Mit fehlendem Killerinstinkt zum Beispiel. Nicht Gondorf betreffend, aber schon Eggestein bei der finalen Chance. Oder auch Theodor Gebre Selassie bei dessen Kopfball (74.) sowie Zlatko Junuzovic (59.) und Ludwig Augustinsson (23.) für deren ausgesprochen harmlose Schüsse aus besten Positionen. Junuzovic meinte also auch sich selbst, als er kritisierend analysierte: „Die letzte Entschlossenheit fehlt, den Ball über die Linie zu drücken. Wir spielen guten Fußball, wir haben die Chancen, holen schlussendlich aber zu wenig Punkte. Das ist das Bittere.“
Dass ein neuer Stürmer das Problem lösen oder wenigstens abschwächen könnte, denkt Junuzovic vielleicht, gesagt hat er es aber nicht. Und Gondorf verpasste sich ganz bewusst einen Maulkorb. „Ich werde nie irgendwas fordern“, sagte er und kehrte nochmal zu seinem Lieblingssatz zurück. Dass es gegen Hertha nur zum 0:0 reichte, habe „nichts mit Können zu tun“, behauptete er: „Es war einfach nur Pech.“
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