Werder siegt 1:0 gegen Mainz
„Vor ein paar Monaten wäre hinten noch einer reingefallen“: Werder gewinnt plötzlich auch die Spiele, die eigentlich verloren gehen
Der SV Werder Bremen hat mit viel Dusel das Auswärtsspiel gegen den FSV Mainz 05 gewonnen (1:0). Was diese Partie über die aktuelle Bremer Top-Form aussagt und warum die Grün-Weißen plötzlich auch solche Spiele gewinnen, in denen die Leistung größtenteils durchwachsen war. Der Nachbericht zum Spiel.
Mainz – Einer nach dem anderen kam in Richtung Kabine gelaufen. Bester Laune zwar, aber auch stets mit der gleichen Reaktion im Gesicht: Kurz wurden die Wangen aufgeblasen, ehe die Luft mit einem erleichternden Seufzer wieder energisch weggepustet wurde. Diese 90 Minuten plus Nachspielzeit beim FSV Mainz 05 waren wahrlich nichts für schwache Nerven gewesen, beim SV Werder Bremen haderten sie hinterher nicht zu Unrecht mit ihrer Leistung – freuten sich aber diebisch über ihren 1:0-Auswärtserfolg. Es war der dritte Sieg in Serie. Noch immer sind die Grün-Weißen im Kalenderjahr 2024 in der Bundesliga ungeschlagen, zum zweiten Mal blieben sie jetzt schon ohne Gegentor. Besser hätte das Geschenk zum 125. Vereinsgeburtstag kaum ausfallen können. Werder reitet weiter auf einer ungeahnten Erfolgswelle.
Werder Bremens Marvin Ducksch nach Erfolg gegen Mainz 05: „Es war ein dreckiger Sieg“
Unheimlich kommt der jüngste Trend Werder Bremens Marco Friedl zwar nicht vor, sein Vokabular fiel dennoch ausnahmsweise etwas drastischer aus: „Ich bin seit sechs Jahren hier und habe auch viel Scheiße durchlebt“, setzte der Kapitän an. „Ich weiß nicht, ob ich schon mal drei Siege in Folge mit Werder hatte. Deshalb fühlt es sich unfassbar gut an.“ Wenig überraschend strahlte der Innenverteidiger über das ganze Gesicht, als er diese Worte sprach. Auch Marvin Ducksch kam aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus, nachdem er kurz zuvor nach seiner Auswechslung noch völlig hibbelig vor der Trainerbank herumgetigert war. „Es war ein dreckiger Sieg. Riesenkompliment an die Jungs, was sie da hinten alles wegverteidigt haben“, lobte der 29-Jährige. „Wir wussten, dass es ein schwieriges Spiel wird mit vielen Flanken in die Box. Das haben die Jungs hinten hervorragend gemacht.“ Und so stand trotz etlicher Drangphasen des FSV Mainz 05 tatsächlich die Null. „Am Ende ist es egal, wie wir das Spiel gewonnen haben. Da zählen die drei Punkte, und die nehmen wir mit“, hob Ducksch, der bereits nach zwei Minuten den entscheidenden Treffer erzielt hatte, hervor. „Wir wissen selbst, dass es kein gutes Spiel von uns war. Trotzdem können wir auf die Mentalität und den Einsatz aufbauen.“
Genau dieser Charakter des Teams war es auch, der Werder Bremens Chefcoach Ole Werner besonders imponierte. „Wir haben nicht unsere spielerischen Lösungen gefunden, was für meine Begriffe extrem viel damit zu tun hatte, wie Mainz angelaufen ist“, hatte der 35-Jährige beobachtet. „Was wir trotzdem einfach gut gemacht haben, ist, dass wir als Mannschaft überragend verteidigt haben. Dafür, dass Mainz so dominant war, haben sie relativ wenig klare Chancen gehabt. Wir haben trotz des ganzen Stresses und der wenigen Ballkontrolle in der Organisation gut funktioniert, immer noch einen Fuß drin gehabt.“
Werder Bremens Niklas Stark mahnt nach Sieg gegen den FSV Mainz 05: „Dürfen es nur nicht zur Gewohnheit werden lassen“
Die Bremer wissen also selbst, dass sie spielerisch aktuell nicht immer überzeugen. Doch wo sie dann in der Vergangenheit auch die guten Ergebnisse haben vermissen lassen, springen plötzlich dreifache Punktgewinne heraus. Unisono waren sich die Profis des SV Werder Bremen hinterher einig, dass sie genau solch eine Partie noch vor gar nicht allzu langer Zeit mit zumindest einem Gegentreffer beendet hätten. Vielleicht sogar mit einer Niederlage.
„Ich habe mit Romano gerade genau darüber gesprochen“, sagte Niklas Stark, nachdem er abgekämpft und schweißnass vom Rasen kam. „Wir haben es uns erarbeitet, dass wir auch nach so einem Spiel mal drei Punkte mitnehmen. Wir dürfen es nur nicht zur Gewohnheit werden lassen. Wenn wir so jede Woche spielen, dann schwinden die Kräfte ein bisschen.“ Auch Marco Friedl unkte: „Vor ein paar Monaten wäre hinten sicherlich noch einer reingefallen.“ Und der Kapitän ergänzte: „Im Moment haben wir uns das Glück erarbeitet. Das tut natürlich gut, aber wir können uns nicht darauf ausruhen, dass es Woche für Woche so läuft.“
Werder Bremen raus aus dem Absteigskampf? Marco Friedl: „Wollen so schnell wie möglich die 35, 40 Punkte vollmachen“
Schon in ein paar Tagen dürfte es erneut knifflig werden. Werder Bremen trifft zum zweiten Mal in dieser Saison auf den 1. FC Heidenheim – eben jener Aufsteiger, gegen den es in der Hinrunde ein ganz böses Erwachen und eine nachhallende 2:4-Schlappe gab. Ein solcher Auftritt darf und soll sich partout nicht wiederholen, allein schon deshalb nicht, weil am kommenden Samstag (15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) im Wohninvest Weserstadion der 125. Vereinsgeburtstag erst so richtig zelebriert werden soll. Und vielleicht wird dann plötzlich noch weiter nach oben geschaut als nach unten – schließlich ist der Abstand zum internationalen Geschäft wesentlich knapper als auf den Relegationsrang. Doch solche Phantastereien sind nichts für Ole Werner.
„Wir müssen bei uns bleiben, so wie wir es die ganze Zeit getan haben“, forderte er. „Wir müssen auf die Arbeit und Prozesse gucken. Und darauf, dass wir die Jungs gut vorbereiten, uns weiterentwickeln, nicht zurücklehnen, sondern einfach dranbleiben.“ Und vielleicht hat Werner damit genau das Erfolgsrezept umrissen, das Werder Bremen aktuell so stark macht. Denn: „So haben wir es auch getan, als die Ergebnisse mal nicht da waren. Und so tun wir es jetzt noch immer. Alles andere kann uns egal sein.“ Oder wie es Marco Friedl ausdrückte: „Wir wollen so schnell wie möglich die 35, 40 Punkte vollmachen und noch mehr Abstand auf die unteren Plätze bekommen. Dann schauen wir, was passiert.“ Im Moment, so ungewohnt es sich auch immer noch anfühlt, kann das offenbar eine ganze Menge sein. (mbü)