Vor Werder-Heimspiel gegen FC Bayern
Thioune und Filbry werben vor FC-Bayern-Spiel um Gunst der Fans, Werder-Kapitän Friedl appelliert ans Team
Vor dem Heimspiel des SV Werder Bremen gegen den FC Bayern München appelliert Marco Friedl ans Team - und die Verantwortlichen an die Fans!
Jahr für Jahr ploppen sie auf, die bösen Statistiken der Vergangenheit. Und natürlich macht Sebastian Prödls legendärer Vergleich mit einem Zahnarzt-Besuch wieder die Runde, wenn der SV Werder Bremen auf den FC Bayern München (live im TV) trifft. Gerade jetzt werden dabei vielerorts besonders starke Schmerzen prognostiziert, häufig geht es nur noch um die Höhe der Niederlage. Zu groß erscheint im Februar 2026 die Diskrepanz zwischen dem Rekordmeister und den kriselnden Norddeutschen, die seit elf Spielen nicht mehr gewonnen haben. Obendrein gab es für die Bremer im eigenen Stadion schon seit dem 21. Oktober 2006 keinen Sieg mehr gegen den Branchenprimus. Warum also sollte es ausgerechnet jetzt besser werden? Bei Werder will sich vor dem Duell mit dem FC Bayern an diesem Samstag (15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) verständlicherweise trotzdem niemand kampflos geschlagen geben – wobei genau auf dieser einen Silbe der Fokus liegen soll: Kampf.
Werder Bremens Daniel Thioune: „Es muss unser Ziel sein, dass das hier kein Selbstläufer für den FC Bayern wird“
„Es muss unser Ziel sein, dass das hier kein Selbstläufer für die Bayern wird“, betont Daniel Thioune im Vorfeld des ungleichen Duells. Ähnlich wie der Trainer des SV Werder Bremen will auch Kapitän Marco Friedl aus der Not lieber eine Tugend machen. „Die Bayern sind ja grundsätzlich in ihrer eigenen Liga unterwegs, sodass es nie einen guten oder schlechten Zeitpunkt gibt, um gegen sie zu spielen“, sagt er und verweist als Mutmacher ausgerechnet auf den Erzrivalen von der Elbe. „Die Hamburger haben zuletzt gezeigt, dass man zu Hause gegen die Münchener etwas mitnehmen kann. Ich persönlich freue mich auf das Spiel“, meint der Österreicher, der einst vom FC Bayern München an den Osterdeich wechselte, „auch wenn es entsprechend schwer ist. Aber im Fußball ist alles möglich.“
Der Klammergriff an den Strohhalm ist nachvollziehbar. Wenn da nicht die Sache mit dem Realismus wäre. Andererseits: Wenn intern jegliche Überzeugung an eigene Qualitäten verloren gegangen wären, könnte auch direkt der Spielbetrieb eingestellt werden. So weit kommt es beim SV Werder Bremen natürlich nicht – auch weil der FC Bayern München aktuell zwar nicht der beliebteste Gast ist, doch nach diesem Intermezzo endgültig die Werder-Wochen der Wahrheit eingeläutet werden. Ab Sonntag richtet sich der Blick vorerst ausnahmslos auf direkte Konkurrenten im Tabellenkeller, nacheinander stehen Partien gegen St. Pauli (22. Februar, 17.30 Uhr), Heidenheim (28. Februar, 15.30 Uhr), Union Berlin (8. März, 17.30 Uhr), Mainz 05 (15. März, 15.30 Uhr) und Wolfsburg (21. März, 15.30 Uhr) an. Reichlich Gelegenheiten also, um eine aus dem Ruder gelaufene Saison doch noch entscheidend positiv zu korrigieren.
So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen den FC Bayern München aussehen!
Werder Bremens Daniel Thioune vor dem Spiel gegen den FC Bayern: „Gerade jetzt würde ein Schulterschluss mit den Fans guttun“
Daniel Thioune wird bis zum Auftakt dieses Fünferpacks gegen die „Kiezkicker“ knapp zweieinhalb Wochen im Amt sein. Wenig Zeit, um alles bei Werder Bremen zu revolutionieren, aber genug, um die eigene Handschrift deutlich sichtbarer zu machen. So komisch es klingt: Das Spiel gegen den FC Bayern München ist ein Stück weit Durchgangsstation – und trotzdem von enormem Wert. Vor allem für die Außendarstellung. „Gerade jetzt würde ein Schulterschluss mit den Fans guttun – sowas geht am ehesten darüber, wenn man sehr viel Energie und Leidenschaft auf den Platz bringt, viel arbeitet und alles für den Erfolg tut“, sagt Thioune. „Fehler werden verziehen, wenn man den Eindruck hat, dass alles gegeben wird. Damit müssen wir anfangen, auch wenn die Hürde gegen die Münchener hoch ist.“ Klaus Filbry, Vorsitzender von Werders Geschäftsführung, hatte unter der Woche ebenfalls bereits an den Zusammenhalt appelliert und den Schulterschluss mit dem immer kritischer werdenden Anhang gesucht. „Wir müssen jetzt zusammenstehen, auch mit den Fans“, betonte er im Gespräch mit der DeichStube. „Ich bin mir sicher, dass wir 2021 nicht abgestiegen wären, wenn das Weserstadion aufgrund der Pandemie nicht hätte leer bleiben müssen. Ganz entscheidend ist aber, dass es jedem einzelnen Spieler bewusst ist, worum es jetzt geht.“
Über den Abwehrchef des SV Werder Bremen müssen sich derartige Gedanken nicht gemacht werden. Unter der Woche ergriff Marco Friedl bereits lautstark das Wort, um im Training korrigierende Anweisungen zu geben. Darüber hinaus hat er den Abstieg vor fünf Jahren hautnah miterlebt, möchte sich vergleichbare Leiden unbedingt ersparen und gilt deshalb seit jeher als erster Mahner. „Es nagt schon an einem, denn du willst einfach nicht, dass der Verein dort in der Tabelle steht, wo er gerade ist“, sagt der Innenverteidiger. „Wir können keine Zeit vergeuden und mit einer Fresse herumlaufen, sondern wir müssen uns aufrappeln, als Mannschaft dastehen und dann weitermarschieren. Die direkten Duelle kommen alle noch.“ Gleich nach dem nächsten Zahnarztbesuch. (mbü)
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