Harmlose Werder-Offensive
Kopf- oder Qualitätsproblem? Werder Bremen rätselt über Tor-Krise und andauernde Harmlosigkeit
Werder Bremen hat in sieben der letzten elf Bundesliga-Spiele kein Tor erzielt - auch gegen den SC Freiburg blieb die Offensive harmlos! Doch woran liegt das!?
Es war eine Aktion, die sinnbildlich für die vergangenen Wochen rund um den SV Werder Bremen stand. Als Justin Njinmah in der 13. Spielminute zum Fallrückzieher ansetzte, hatten so manche Fans der Grün-Weißen den Torschrei bereits auf den Lippen. Stattdessen klingelte es 17 Sekunden später – allerdings im Kasten der Gäste. Der traumhafte Schlenzer des Ex-Bremers Jan-Niklas Beste sollte schlussendlich der entscheidende Treffer an diesem Samstagnachmittag bei Werders 0:1-Niederlage gegen den SC Freiburg bleiben. Und das, obwohl die Bremer – wie schon vor zehn Tagen gegen Hoffenheim (0:2) – erneut über 40 Minuten in Überzahl agierten. Ein Treffer gelang dem Team von Neu-Cheftrainer Daniel Thioune allerdings erneut nicht. Es ist bereits das siebte Spiel aus den vergangenen elf Partien, in denen offensiv bei Werder die Null steht. Das wirft die Frage auf, ob es nur am aktuell fehlenden Selbstvertrauen liegt, oder ob es doch eher ein Qualitätsproblem gibt.
Werder Bremens Jens Stage über Torlosigkeit: „Am Ende des Tages ist es wieder eine Frage der Qualität“
„Es ist eine Kombination aus beidem. Es beginnt aber erst einmal im Kopf“, sagt Daniel Thioune. „Die Kreativität hat uns gefehlt, die Abschlüsse waren da, aber nicht in der Konsequenz, wie ich sie mir gewünscht hätte. Wir haben aus sehr viel sehr wenig gemacht“, fasst der Übungsleiter des SV Werder Bremen zusammen. Über 40 Flanken segelten von den Bremern in den Strafraum des SC Freiburg, wirklich zwingend wurde es – abgesehen vom Abschluss von Samuel Mbangula (66.) – allerdings kaum. „Am Ende des Tages ist es wieder eine Frage der Qualität“, meint Mittelfeldspieler Jens Stage, der bereits nach der Hoffenheim-Partie den Finger in die Wunde gelegt hatte. Sich selbst nimmt der Däne, der mit sechs Treffern weiterhin Werders Top-Torschütze der Saison ist, dabei ausdrücklich nicht aus: „Ich muss auch noch mehr Tore machen. Ich muss mehr Qualität in das letzte Drittel bringen.“
Mit 22 erzielten Treffern nach 21 Spieltagen stellt Werder Bremen die viertschlechteste Offensive der Liga. In Freiburg hatten die Bremer – auch bedingt durch die lange Überzahl – wie bereits in den vergangenen Spielen am Ende mehr Ballbesitz und mehr Torschüsse. Zählbares sprang allerdings erneut nicht heraus. „Wir spielen hin und her, aber einfach nicht zwingend genug. Wir müssen wieder zielstrebiger werden“, fordert Sportchef Clemens Fritz, betont jedoch zugleich: „Ich sehe eine gute Qualität in unserer Mannschaft. Für mich spielt bei uns der Kopf eine größere Rolle als die Qualität.“ Auch Daniel Thioune meint nach der Pleite beim SC Freiburg: „Die Jungs haben in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass sie es besser können, und daran werde ich sie wieder erinnern.“
Ob nun eher ein Kopf- oder Qualitätsproblem entscheidend für die Offensivmisere des SV Werder Bremen ist, hat laut Kapitän Marco Friedl nur zweitrangige Relevanz. Denn egal wie, Werder benötigt dringend wieder Treffer, um sich aus dem Negativstrudel zu befreien. „Jens hat auch ein Stück weit recht, wenn er sagt, dass uns einfach die Kaltschnäuzigkeit und der Killerinstinkt vorne, aber auch hinten fehlen“, so der Österreicher. Gleichzeitig wollte Friedl nicht verneinen, dass das fehlende Selbstvertrauen Einfluss auf die mangelnde Konsequenz im Abschluss hat. „Wir haben kein Selbstvertrauen. Wir brauchen auch mal ein Spiel, in dem wir schlecht spielen und einfach ein Dreckstor schießen.“ Andernfalls könnte es für Werder in dieser Saison mit dem Klassenerhalt ziemlich hart werden, wie der Kapitän nach der Partie beim SC Freiburg deutlich macht: „Wenn wir die Dinger vorne nicht machen, dann werden wir es in diesem Jahr nicht schaffen. Da müssen wir so klar sein. Wir müssen weitermachen, aber es muss eine Veränderung her, ansonsten werden wir am Ende unser blaues Wunder erleben.“ (bvo/mbü)
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