Werder-Trainer spricht Klartext
„Wir bezahlen wie ein Abstiegskandidat“: Ole Werner lobt Werder Bremens Saison und schwört sein Team auf den Europa-Endspurt ein
Ole Werner spricht Klartext: Der Trainer des SV Werder Bremen lobt die bisherige Saison der Mannschaft und schwört sie auf den Europa-Endspurt ein.
Bremen – Die Schublade, in der Ole Werner steckt, ist längst zusammengezimmert worden. Der Trainer des SV Werder Bremen ist nordisch-kühl, verhältnismäßig emotionslos und abgebrüht. Punkt. Aus. Fertig. Auch deshalb muss er sich nach gewonnenen Bundesliga-Spielen noch immer regelmäßig Fragen stellen lassen, wie es denn passieren konnte, dass er an der Seitenlinie mit den Fäusten in der Luft und kleinen Sprints Tore bejubelt. Nun ja. Schublade ist eben Schublade. Wie leidenschaftlich der 36-Jährige beim Thema Fußball insgesamt zu Werke geht, war einmal mehr am Mittwoch zu sehen. Während einer Medienrunde sprühte er nicht nur vor Witz, sondern redete seine Mannschaft vor dem Liga-Endspurt samt Kampf um Europa mächtig stark.
„Wir haben aus den letzten sieben Spielen 16 Punkte geholt. Dass dann auch mal ein Spiel dabei ist, in dem du den Ball nicht über die Linie bringst und solch eine erste Halbzeit spielst, mit der du nicht zufrieden bist – welche Mannschaft hat das nicht?!“, fragte Ole Werner fordernd mit Blick auf das jüngste 0:0 gegen den FC St. Pauli. Geschmeckt hatte das Resultat niemandem im Lager des SV Werder Bremen, doch spätestens nach der montäglichen Analyse war der Ärger über die vergebenen zwei Punkte verflogen. Stattdessen richtete sich der Blick wieder nach vorne, auf die große Chance, die der Tabellenachte noch hat. „Die Mannschaft leistet über jetzt 31 Spieltage eine hervorragende Arbeit und kann mit Rückenwind in die letzten Spiele gehen“, betonte Werner.
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Werder Bremen im Kampf um Europa - „obwohl wir bezahlen wie ein Abstiegskandidat“
Nach diesen Worten war Werder Bremens Chefcoach erst so richtig ins Rollen gekommen. Lässig wischte er Überlegungen beiseite, dass die Bremer Profis nach Wochen, in denen es fast um nichts mehr ging, nun plötzlich wieder etwas zu verlieren hätten – und deshalb mit einer veränderten Drucksituation zurechtkommen müssten. „Zu verlieren hat man etwas, wenn man schon was hat. Noch haben wir es ja nicht“, hob Werner hervor. „Wichtig ist für uns zu wissen, welche Möglichkeiten wir haben, aber auch, dass wir sie uns selbst erspielt haben. Wir befinden uns in einer sehr guten Ausgangsposition, können drei Spieltage vor Schluss darüber sprechen, in einem Wettbewerb um die internationalen Plätze zu stehen – obwohl wir hier drei Jahre bezahlen wie ein Abstiegskandidat.“
Schon häufiger hat der Mann aus Schleswig-Holstein auf die wirtschaftlichen Nachteile der Grün-Weißen im Ligavergleich hingewiesen, so deutlich wie an diesem Tag waren seine Sätze selten. „Wir streiten uns mit Mannschaften um diese Plätze, die uns vor der Saison in vielen Bereichen deutlich überlegen waren, was die Voraussetzungen angeht“, unterstrich Ole Werner. „Dieses Team schafft es, als geschlossene Mannschaft, die an ihre Stärken glaubt und hart arbeitet, mit diesen anderen Mannschaften über 31 Spieltage mitzuhalten. Und hoffentlich tut sie das auch über 34 Spieltage.“ Das öffentliche Lob für den Kader taugt fraglos auch als Bestätigung für seine eigene Arbeit. In der Kritik stand und steht der Trainer bei einigen Fans immer wieder, doch dass seine Schützlinge offenbar mehr zu leisten imstande sind als gedacht, ist zweifelsfrei der Handschrift des Trainerteams geschuldet.
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Werder Bremen-Trainer Ole Werner will bis zum letzten Spieltag um Europa spielen: „Wäre doch geil“
Das Erfolgsgeheimnis dieser Qualitätssteigerung formulierte Ole Werner wie folgt: „Wir gehen auf den Platz, um Spiele zu gewinnen und beschäftigen uns in der Vorbereitung nicht damit, ob der Gegner einen großen oder kleinen Namen hat oder wo er gerade in der Tabelle steht. Deshalb funktioniert es so gut. Nach 31 Spieltagen ist das kein Zufall, sondern eine Riesenleistung.“ Eine, die stolz machen und beflügeln soll. „Ich sehe eine tolle Chance für uns, die uns nicht in den Schoß gelegt wurde, sondern für die wir richtig viel investieren mussten“, sagte Werner und meinte damit logischerweise nicht die finanzielle Komponente. „Deshalb habe ich einfach nur Bock auf diese letzten Spiele und nullkommanull das Gefühl, dass man etwas zu verlieren hat. Wir versuchen es hinzukriegen, dass es bis zum letzten Spieltag um etwas geht – das wäre doch geil und mehr als viele der Mannschaft vor sowie an dem einen oder anderen Punkt der Saison zugetraut hätten.“ Für den Übungsleiter des SV Werder Bremen ist deshalb schon jetzt klar: „Wir sind in einer Situation, nach der ich in der Sommerpause auf keinen Fall dasitzen und denken werde, dass die Mannschaft keinen guten Job gemacht hat. Dafür hat sie einfach schon wieder zu viel Gutes geleistet.“
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Auch zuletzt, als es spielerisch mitunter hakte. Genau deshalb wurde sich nach dem Spiel gegen St. Pauli allerorts über die erste Hälfte geärgert. Und auch beim vorherigen Sieg gegen Bochum hatte es mitunter im Getriebe gehakt, doch Sorgen bereitet das dem Trainer des SV Werder Bremen nicht. „Mit dem Spiel gegen Bochum bin ich alles andere als unzufrieden gewesen. Wenn einer ein Bochum-Spiel aus dieser Saison findet, in dem der Gegner wahnsinnig gut aussah, dann möge er mir das bitte zuschicken“, meinte er pointiert. „Ich lerne auch gern noch dazu. Da muss man aber weit eintauchen ins Archiv, fürchte ich.“ Und Ole Werner schob noch einen weiteren lockeren Spruch hinterher: „Aber morgen ist ja Feiertag – da kann man die Zeit nutzen und sich dann bei mir melden: ole.werner@werder.de.“ (mbü)
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