Fan-Geduld schrumpft

„Er genießt maximalen Schutz“: Topp schwächelt erneut – erhält aber Rückendeckung von Werder-Trainer Thioune

Keke Topp muss auch gegen Mainz 05 zur Pause raus, die Geduld der Fans schrumpft. Warum er von Werder Bremens Trainer Daniel Thioune „maximalen Schutz“ bekommt!

Nach 45 Minuten war Schluss. Wie schon in der Vorwoche. Als der SV Werder Bremen im zweiten Durchgang vergeblich versuchte, irgendwie noch die 0:2-Heimniederlage gegen Mainz 05 zu verhindern, saß Keke Topp bereits frisch geduscht und dick eingepackt auf der Bank. Nicht wenige Beobachter hatten erwartet, dass der 21-Jährige dort auch zu Beginn der Partie Platz nehmen würde, doch Chefcoach Daniel Thioune hatte dem Angreifer abermals das Vertrauen geschenkt. Der Ertrag war gering. Topp spielte schwach und fehlerhaft, auf den Rängen schrumpfte hörbar die Geduld mit dem jungen Gnarrenburger. Die Unmutsbekunden hat auch Thioune vernommen – weshalb er sich bei aller berechtigten Kritik am Spieler demonstrativ vor ihn stellt.

Keke Topp zeigte bei der Niederlage des SV Werder Bremen gegen den 1. FSV Mainz 05 erneut eine schwache Leistung - und musste wieder zur Pause raus.

Werder Bremen-Trainer Daniel Thioune stellt sich vor Keke Topp: „Genießt maximalen Schutz - müssen vorsichtig sein“

„Er genießt maximalen Schutz von uns als Verein und mir als Trainer“, betont der 51-Jährige. „Wir müssen wirklich vorsichtig sein, dass wir den Jungen jetzt nicht zu kritisch sehen.“ Aber natürlich weiß auch Thioune, dass der Stürmer des SV Werder Bremen einige Schwächen zeigt. „Er hat einen klaren Arbeitsauftrag bekommen, aber da reicht es nicht aus, einen Dreierkettenspieler zu binden. Das darf er nicht ausschließlich als Qualitätsnachweis sehen, sondern da gehört auch ein bisschen mehr dazu“, meint der frühere Düsseldorfer, der auch erläutert, warum Keke Topp nach einem wenig überzeugenden Auftritt gegen Union Berlin erneut den Zuschlag erhalten hatte. „Ich habe ihn von Beginn an spielen lassen, weil er im Training gezeigt hat, dass er der richtige Partner für das Team gegen Mainz ist. Unser Ziel war es, mit einem physisch starken Spieler die Mainzer Dreierkette zu binden. Das ist uns im Positionsspiel auch ganz gut gelungen, denn wir haben Jens Stage dadurch häufig freibekommen – nur haben wir den Raum mit Jens nicht gefunden.“

Doch das war an diesem Tag nur eines von vielen Problemen beim SV Werder Bremen. Keke Topps Wirkungslosigkeit stach im ersten Abschnitt in Abwesenheit des verletzten Jovan Milosevic jedoch besonders ins Auge. „Uns fehlt Power auf der Neunerposition. Uns fehlt das Personal in der Tiefe, ohne klagen zu wollen“, sagt auch Thioune, der allerdings ebenfalls bekräftigt: „Es lag nicht nur an Keke, dass wir offensiv nicht so scharf waren. Wir waren als Mannschaft nicht gut genug.“

Stürmer Keke Topp fehlt bei Werder Bremen für Entwicklung ein „stabiles Gerüst“ um sich herum

Und trotzdem ist nicht ausgeschlossen, dass Keke Topp nun erst einmal eine schöpferische Pause erhält und in der nächsten Partie beim VfL Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) – zumindest anfangs – die Zuschauerrolle einnimmt. „Keke muss den nächsten Schritt gehen, aber wichtig ist, dass wir den Jungen auch ein bisschen atmen lassen. Und vielleicht ist es jetzt auch angebracht, dass ich ihn als Trainer wieder einen Augenblick mehr atmen lasse“, meint Daniel Thioune vielsagend. „In einem stabilen Gerüst entwickelt sich so ein Spieler deutlich schneller und besser.“ Doch so ein Gerüst gibt es an der Weser eben nicht. Einerseits muss bei Werder Bremen personell ordentlich improvisiert werden, andererseits begünstigt die prekäre Lage im Abstiegskampf nicht gerade einen sorgenfreien Reifeprozess für Talente.

Keke Topp ist immer noch ein sehr junger Spieler, der schon häufig angedeutet hat, wie viel Potenzial er besitzt. Für einen jungen Spieler ist es die größte Herausforderung, dieses Potenzial konstant abzurufen und auch befreit zu sein“, sagt Thioune und zieht einen Vergleich zu einem weiteren Youngster des SV Werder Bremen: „Am Beispiel eines Karim Coulibaly sieht man, wie gut es gelingen kann, weil er sich über die Monate über sehr viele gute Defensivaktionen entwickelt hat. Bei einem Offensivspieler passiert das in erster Linie durch Tore.“ Und daran mangelt es immer wieder. Nicht nur, aber auch Keke Topp. (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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