Werder steht defensiv stabil

Stabilität als oberstes Gebot: Warum das hart erkämpfte 1:1 in Stuttgart zeigt, dass Werder unter Thioune gereift ist

Warum Werder Bremens hart erkämpftes 1:1 beim VfB Stuttgart zeigt, dass der SVW unter Daniel Thioune gereift ist. Der DeichStube-Nachbericht.

Ob nun beim ersten Abklatschen nach dem Schlusspfiff, während des kurzen Gangs über den Platz oder auch später, tief in den Katakomben des Stuttgarter Stadions: Daniel Thioune blickte am späten Sonntagnachmittag in viele zufriedene Gesichter. Einige davon sprachen dem Cheftrainer des SV Werder Bremen sogar ihre Glückwünsche aus, womit dieser im ersten Moment gar nicht so recht umzugehen wusste. „Nach einem Unentschieden stellt man sich grundsätzlich die Frage, ob man sich gratulieren lassen darf, muss oder kann“, sagte Thioune, der nach dem 1:1 beim VfB Stuttgart dann aber doch schnell eine Antwort für sich gefunden hatte: Er durfte. „Dieses Mal nehme ich die Glückwünsche gerne mit“, strahlte der 51-Jährige. Mit seiner Mannschaft hatte er gegen die Schwaben nicht nur einen enorm wichtigen Punkt im Kampf gegen den Abstieg geholt, sondern darüber hinaus auch einen Entwicklungsschritt nachgewiesen.

Unter Coach Daniel Thioune hat sich der SV Werder Bremen in der Defensive merklich stabilisiert.

Werder Bremen holt beim 1:1 gegen VfB Stuttgart erstmals einen Punkt gegen ein Top-Fünf-Team

Erstmals in der laufenden Saison – im inzwischen achten Anlauf – war es den Bremern gelungen, gegen eines der Top-Fünf-Teams der Liga zu punkten, nachdem es zuvor nur Niederlagen und ein krachendes Torverhältnis von 1:20 gesetzt hatte. Deutlicher geht’s nicht. Natürlich hübscht das Remis gegen den DFB-Pokal-Finalisten und Champions-League-Aspiranten VfB Stuttgart die Bilanz nicht erheblich auf, doch zeigt es, dass sich bei Werder Bremen unter Thioune etwas bewegt hat. Hin zum Guten.

„Ich glaube, dass wir Schritte in die richtige Richtung gemacht haben“, sagte Mittelfeldmotor Senne Lynen nach dem Spiel – und hielt fest: „Wir haben auf dem Platz inzwischen ein stabileres Gefühl, und das brauchst du einfach, wenn du gegen Topteams etwas holen willst.“ Stabilität. Dieses Wort fiel am Sonntag in mehreren Bremer Spielanalysen – Daniel Thioune, so viel lässt sich inzwischen sagen, hat sie in erfolgsversprechender Dosis nach Bremen zurückgebracht. Auch, weil er mit seiner Ansprache Gehör findet und als Typ den Nerv der Mannschaft trifft.

Werder Bremens Coach Daniel Thioune nach Remis gegen VfB Stuttgart: „Wollen offensiv noch mehr stattfinden“

„Sein Plan ist immer gut, wie er mit uns Spielern redet, gibt uns ein positives Gefühl“, berichtete Lynen. Und weiter: „Der Trainer hat von Anfang an den Druck von uns genommen und uns seine Ideen relativ einfach und deutlich erklärt.“ Fazit des Belgiers: „Er hat den Turnaround geschafft.“ Spielerisch sieht das bisher zwar nicht immer schön aus, aber es erhöht eben die Wahrscheinlichkeit auf Punkte, um in der Bundesliga überleben zu können. Zur Erinnerung: Um nichts anderes ging es mehr, als Thioune das Traineramt im Februar von Horst Steffen übernahm. „Wenn man unten steht, muss man zusehen, sich schadlos zu halten, auch wenn wir offensiv natürlich noch mehr stattfinden wollen“, sagte der Coach des SV Werder Bremen, dessen Team seit Wochen die wenigsten Torabschlüsse in der Bundesliga zulässt. Inzwischen seien Haltung und Einstellung der Mannschaft sogar „so gut entwickelt“, dass es auch mal gegen einen Gegner wie Stuttgart etwas geben kann, der wahrlich nicht der Bremer Kragenweite entspricht.

Nach dem frühen 1:0 durch Lebensversicherung Jens Stage (18.) reichte es wegen des Ausgleichs von Ermedin Demirovic (61.) zwar nicht zur ganz großen Überraschung, was die Bremer Stimmung nach dem Schlusspfiff aber nicht allzu sehr trübte. Werder Bremens Sportchef Clemens Fritz hielt fest: „Stuttgart hat eine sehr hohe individuelle Qualität und hohe Geschwindigkeit. Deshalb Riesenkompliment an unsere Jungs. Sie haben sich voll reingehauen und bis zum Schluss gekämpft. Wir können mit dem Punkt gut leben, denn wir haben uns als Gemeinschaft gegen die Stärke des Gegners gestemmt.“

Werder Bremens Coach Daniel Thioune bestätigt Verbleib bei Klassenerhalt: „Gekommen, um zu bleiben“

Am kommenden Samstag, während des Heimspiels gegen den FC Augsburg (15.30 Uhr, DeichStube-Liveticker), soll nun der nächste, womöglich entscheidende Schritt hin zum Klassenerhalt folgen. „Wir müssen das Spiel gewinnen, dann ist es vorbei“, sagte Linksverteidiger Olivier Deman. Rein rechnerisch müsste Werder Bremen zwar noch den Auftritt des FC St. Pauli am Sonntag gegen Mainz 05 abwarten, emotional dürfte ein Heimsieg der Rettung aber gleichkommen. Dass Thioune im Falle des abgewendeten Abstiegs Trainer bleibt, ist vertraglich klar fixiert. „Ich bin gekommen, um zu bleiben, und mein Vertrag ist so ausgerichtet, dass ich im Erfolgsfall auch nach dem 1. Juli noch am Spielfeldrand stehen darf“, sagte er. Ideen für die Zukunft hat der Trainer bereits.

„Vielleicht gibt man mir dann etwas mehr die Chance, Fußball spielen zu lassen, denn ausschließlich zum Verteidigen bin ich nicht gekommen“, sagte er mit einem Schmunzeln, wohlwissend, dass am Samstag gegen Augsburg zunächst die Stabilität wieder Vorrang haben wird. „Ich wünsche mir sehr, dass es schon am Wochenende mit der Rettung klappt“, versicherte Daniel Thioune. Nach dem Schlusspfiff würde der Coach des SV Werder Bremen liebend gerne wieder Glückwünsche von vielen zufriedenen Gesichtern entgegennehmen. (dco)

Rubriklistenbild: © IMAGO / DeFodi / nordphoto

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