Belgier in der Mixed Zone

Die Krux mit der Perfektion: Lynen sehnt sich nach blindem Verständnis bei Werder – und einem Anruf des Nationaltrainers

Senne Lynen spricht über die bisherigen spielerischen Defizite bei Werder Bremen, die Stimmung im Team und die Nichtberücksichtigung von sich und Jens Stage in der Nationalmannschaft.

Bremen – Senne Lynen hält seine Sätze am liebsten kurz. Große Monologe sind nicht sein Ding, Medientermine bringt der Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen bevorzugt ähnlich schnörkellos über die Bühne wie seine Zweikämpfe auf dem Platz. Doch am Dienstag holte der Belgier während einer Medienrunde etwas weiter aus, was recht anschaulich verdeutlichte, dass es am Osterdeich aktuell Redebedarf gibt. Auch Lynen findet zwar grundsätzlich Gefallen an den bis dato zwölf Punkten samt Tabellenplatz neun, doch auch er sähe es eigentlich viel lieber, wenn der Ball dabei auch schöner durch die eigenen Reihen kreisen würde. Tut er derzeit aber eben nicht, weshalb das mit dem Wohlbefinden so eine Sache ist. „Wir sind Profis, wollen alles perfekt machen – auch wenn das kaum möglich ist“, sagt der 26-Jährige. „Aber wenn es dann nur okay läuft, sind wir eben auch nicht super zufrieden.“

Knatsch gibt es deshalb nicht, deutliche Worte schon. Wie so oft ist das Wie dabei entscheidend. „Wir sind eine Gruppe, die sehr gut miteinander umgeht. Es sind zwar viele neue Spieler da, aber der Kern der Mannschaft ist schon lange hier. Alles passiert sehr respektvoll“, meint der gebürtige Antwerpener, der betont: „Die Freude am Spiel kommt erst, wenn wir wie in Gladbach das Gefühl haben, dass wir gut gespielt haben. Erst dann ist man als Fußballer richtig zufrieden.“ Und da dieses Ideal momentan ein ordentliches Stück entfernt ist, hängen die Mundwinkel hier und da ein wenig. „Die Stimmung ist gut“, hat Senne Lynen bei Werder Bremen beobachtet, „aber nicht wow“.

Senne Lynen spricht in einer Medienrunde über die sportliche Lage bei Werder Bremen und seine unter Trainer Horst Steffen etwas veränderte Rolle im Mittelfeld.

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Werder Bremen-Profi Senne Lynen erklärt spielerische Defizite im Club und sehnt Anruf seines Nationaltrainers herbei

Der Rechtsfuß weiß genau, woran es noch im Spiel des SV Werder Bremen hapert. „Momentan wissen wir noch nicht blind, wo jemand steht“, meint der Stamm-Sechser, der deshalb aber nicht in Panik gerät. „Der Trainerstab ist neu, viele Spieler sind es auch, da braucht es Zeit, bis die Abläufe klarer werden.“ Nicht nur in der Vorwärtsbewegung, sondern auch bei ihm selbst. Senne Lynen spielt zwar weiterhin unmittelbar vor der Abwehr, aber die besteht nun eben aus einer Viererkette mit zwei zentralen Innenverteidigern im eigenen Rücken. Sein Wirkungskreis ist dadurch wesentlich tiefer angesiedelt als in den Vorjahren. „Für mich ist alles anders, links, rechts, eigentlich 360 Grad um mich herum“, zählt er auf. „Ich sehe es aber positiv, denn es ist eine neue Spielweise, die ich sehr gerne lernen möchte.“

Sein kongenialer Sparringspartner ist und bleibt dabei Jens Stage. Der Däne ist mit seinen drei Saisontreffern schon wieder Werders bester Torschütze, allein deshalb ist der 28-Jährige unverzichtbar. Doch das Duo Lynen/Stage hat sich insgesamt zu einem elementaren Baustein beim SVW entwickelt – fehlt auch nur ein einziger Part des Gespanns, gibt es fast folgerichtig Probleme im Gesamtkonstrukt. International ist der Stellenwert ein anderer, bei ihren jeweiligen Nationalmannschaften spielen die Bremer fast keine Rolle. Beinahe wirkt es so, als würden Senne Lynen und Jens Stage trotz konstanter Leistungen unterschätzt. Ein Wort, das der Belgier allerdings gar nicht gerne hört. „Bei Jens fand ich es letzte Saison schon seltsam. Es ist aber schwierig, die Bundesliga zu unterschätzen. Das fände ich gefährlich und kann ich mir auch nicht wirklich vorstellen“, sagt der frühere U19-Nationalspieler, der um die große Konkurrenzsituation auf beiden Positionen weiß, aber trotzdem einen erlösenden Anruf herbeisehnt. Doch seit dem vergangenen Sommer, als er beinahe durch die Verletzung eines anderen Akteurs nominiert worden wäre, herrscht wieder Funkstille mit Belgiens Coach Rudi Garcia.

Werder Bremen-Profi Senne Lynen wünscht sich bessere Spiele für „das Gefühl: ‚Hey, wir sind wirklich gut‘“

Und somit schwinden auch für einen 26-Jährigen allmählich die Gelegenheiten, im Laufe der Karriere den eigenen großen WM-Traum zu erfüllen. „Er lebt aber noch“, sagt Senne Lynen lächelnd. „Im Fußball kann es immer schnell gehen, es kann viel passieren. Ich war aber auch noch nie bei der Nationalelf dabei, was heißt, dass es noch schwieriger wird. Aber tot ist der Traum nicht und darum arbeite ich hart an mir.“

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In Bremen. Dort wo Werder die Basis für all das bildet, was da noch kommen könnte. Und je erfolgreicher es an der Weser läuft, desto mehr empfehlen sich Lynen und Co. für höhere Aufgaben. Die Ausgangslage kann sich schließlich bei aller derzeitigen Unzufriedenheit über den Spielfluss sehen lassen. Genau deshalb hebt der zweifache Familienvater hervor: „Das heißt auch, dass es noch viel Potenzial gibt, um nach oben zu schauen, wenn wir besser spielen.“ Bis dahin vermeidet Lynen aber den Blick auf die Tabelle. „Das ist zu früh“, sagt der Mittelfeldakteur des SV Werder Bremen. „Seitdem ich hier bin, war in der Bundesliga zwischen Platz fünf und 15 stets alles eng zusammen. Das wird meistens alles erst ab Ende April entschieden.“ Umso wichtiger sei es natürlich, dann noch mit in der Lotterie zu sein. „Im Moment sieht es ganz gut aus, aber wenn man nur zwei Spiele nicht gewinnt, sieht es schon wieder ganz anders aus“, hebt Senne Lynen hervor und fordert: „Deshalb muss es unser Ziel sein, dass wir die nächsten Spiele besser spielen, um das Gefühl zu bekommen: ,Hey, wir sind wirklich gut‘.“ Das Zufriedenheitsgefühl soll schließlich nicht noch weiter leiden. (mbü)

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