Werder holt zweiten Sieg in Folge
Grün-weißer Stimmungswandel - nach dem Sieg gegen Freiburg wird klar: In Werder Bremens Mannschaft ist viel passiert
Beim SV Werder Bremen läuft es zum Jahresauftakt bisher hervorragend. Die Bremer sind im Tabellenmittelfeld der Bundesliga angekommen und haben zuletzt enorm starke Leistungen gezeigt. Bei den Grün-Weißen wächst gerade etwas zusammen, da sind sich alle Beteiligten einig. Der Nachbericht zum Sieg gegen den SC Freiburg.
Bremen – Lediglich 20 Tage liegen zwischen den beiden Spielen, das sind nicht einmal ganz drei Wochen. Und trotzdem gefühlte Welten. Gut festmachen lässt sich das an der Person Ole Werner. Nach der bitteren 1:3-Testspielpleite hatte der Cheftrainer des SV Werder Bremen am 7. Januar im klirrend kalten Braunschweig noch angesäuert auf die angespannte Personallage innerhalb seines Kaders verwiesen und vor kurz dem Pflichtspielauftakt die dringende Warnung „So reicht es nicht“ ausgesprochen. Am frühen Abend des 27. Januars sagte der gleiche Mann nun: „Wir haben es bis zu diesem Punkt hinbekommen, uns zu stabilisieren. Jeder kann sehen, dass seit dem Saisonbeginn eine Entwicklung bei uns stattgefunden hat.“
In Zahlen liest sie sich aktuell so: Sieben Punkte aus den ersten drei Ligaspielen des Jahres hat Werder Bremen verbucht, zuletzt gar zwei Siege am Stück, denn nach dem furiosen 1:0-Erfolg in München legte die Mannschaft am Samstag einen überzeugenden 3:1-Heimsieg gegen den SC Freiburg nach. Der brachte nicht nur den Sprung in die obere Tabellenhälfte, sondern auch ein sattes Polster auf die Abstiegszone. Ach ja, und zwischenzeitlich hatte der Verein unter der Woche noch den Einstieg einer regionalen Investorengruppe und damit Einnahmen in Höhe von 38 Millionen Euro bekannt gegeben. Bedeutet: Schneller als die allgemeine Stimmungslage rund um den SV Werder hat sich in den vergangenen Tagen nicht mal der Wind am Osterdeich gedreht. Der Blick auf Werders Zukunft, er hat binnen kürzester Zeit ein neues Farbspektrum verpasst bekommen, in dem Grau nicht mehr die dominante Farbe ist. Der plötzliche Geldregen trägt zwar seinen Teil dazu bei, ist aber eher als langfristige Hilfe zu betrachten. Vielmehr sind es die jüngsten sportlichen Auftritte des Teams, die begeistern – und die Frage aufwerfen: Was ist da seit dem Tiefpunkt von Braunschweig eigentlich in Bremen passiert?
Trotz wenig personeller Änderungen: Werder Bremen zeigt zum Jahresbeginn eine starke Entwicklung
„Es ist einfach Zeit und konstante Arbeit. Dabei darf man sich von den Dingen drumherum nicht aus der Ruhe bringen lassen“, sagte Werner im Nachgang des Freiburg-Spiels – und führte aus: „Qualität haben wir ja im Kader, doch es geht eben auch darum, dass es auch als Mannschaft passt, was wiederum Zeit braucht.“ Denkbar, dass die Mannschaft tatsächlich an einem Punkt der Saison angekommen ist, an dem sich gewisse Dinge fügen und Rädchen plötzlich ineinandergreifen, kurz: eine Entwicklung Früchte trägt. Begonnen hatte sie, fragil, bereits mit drei Spielen ohne Niederlage kurz vor dem Jahreswechsel, ehe nach Braunschweig bei Werder Bremen wieder alles infrage gestellt wurde.
Spannend: Personell hat sich bei Werder Bremen seit dem Testspiel nicht allzu viel verändert, breiter geworden ist der Kader jedenfalls nicht, im Gegenteil. In Julian Malatini, der mit seinem Tor beim Debüt gegen Freiburg zum späten Helden wurde kam zwar der angekündigte Ersatz für den langzeitverletzten Innenverteidiger Amos Pieper. Dafür ist in Nicolai Rapp aber ein anderer Spieler gegangen (zum Karlsruher SC), sodass Werner de facto bis auf Weiteres ein Spieler weniger zur Verfügung steht. Gegen Freiburg haben es die Bremer nicht einmal geschafft, die erlaubte Kadergröße voll zu bekommen: Zwei Plätze auf der Ersatzbank blieben leer. „Das zeigt, wie eng es gestrickt ist, wie wenig passieren darf und wie sehr einzelne Ausfälle bei uns ins Gewicht fallen“, sagte Werner, der innerhalb seines vergleichsweise kleinen Aufgebots aber eine positive Veränderung ausgemacht hat.
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Alle Beteiligten sind sich einig: Bei Werder Bremen wächst gerade etwas zusammen
„Wir holen aktuell aus dieser kleinen Gruppe alle gemeinsam relativ viel raus. Jeder kennt seine Aufgaben, auch die Rollen, die von Spieltag zu Spieltag mal unterschiedlich sind, werden angenommen, was nicht selbstverständlich ist“, lobte der 35-Jährige, ehe er festhielt: „Jedem ist klar, dass es in einer kleinen Gruppe jeden braucht. Das machen wir aktuell gut und entwickeln uns deshalb auch gut.“
Vielleicht werden das Braunschweig-Spiel sowie der ebenfalls nicht gerade überragende und letztlich glückliche Punktgewinn beim 1:1 in Bochum rückblickend mal als Wachmacher gewertet, als Erlebnisse, die im Team etwas ausgelöst haben. Vor den beiden Spielen hätte Ole Werner jedenfalls kaum die folgende Feststellung getroffen, die er am Samstagabend nach dem 3:1 gegen Freiburg traf: „Es ist bei uns etwas gewachsen, auf dem Platz und neben dem Platz.“ Nach viel Unruhe zu Beginn der Saison habe die Gruppe Zeit gebraucht, um sich zu finden. Inzwischen wisse jeder, „dass er wichtig ist für das Team und dass wir trotz aller Widrigkeiten Ergebnisse erzielen können“. Trainer-Aussagen, die von verschiedenen Spielern nach der Freiburg-Partie bestätigt wurden. Werder Bremens Kapitän Marco Friedl hielt fest: „Ich denke, es gibt wenig auszusetzen an der vergangenen Woche. Es lief gut für uns.“ Während Justin Njinmah, der Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:1, betonte: „Man merkt, dass jeder alles für den anderen gibt. Da wächst gerade ein richtig geiles Team zusammen, und das macht einfach Spaß.“
Werder Bremen hat jetzt die Chance, sich frühzeitig der allergrößten Abstiegssorgen zu entledigen
Dieses Team hatte gegen den SC Freiburg nach einer frühen Führung, für die Marvin Ducksch per Foulelfmeter sorgte (9.), etwas den Faden verloren, den Ausgleich kassiert – durch Vincenzo Grifo, ebenfalls per Foulelfmeter (28.) –, nach der Pause aber wieder die passenden Antworten gefunden. Belohnt wurde das durch die Tore von Njinmah (53.) und Debütant Malatini (90.+3). Werder Bremens Ausgangslage vor der nun anstehenden Phase mit vier Duellen gegen die direkten Konkurrenten aus Mainz, Heidenheim, Köln und Darmstadt könnte also besser kaum sein. Die Chance, sich durch weitere gute Ergebnisse in den kommenden Wochen schon früh der allergrößten Sorgen im Abstiegskampf zu entledigen – sie ist jedenfalls gegeben.
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„Für mich zählt jetzt erstmal nur Mainz, für alles andere ist es zu früh“, wiegelte Ole Werner bei diesem Thema schnell ab und sprach lieber noch einmal die Entwicklung seiner Mannschaft an, die ihm (und den Fans) gerade so viel Freude macht: „Insgesamt sind bei uns viele Sachen klarer geworden, in der Hierarchie, in der Kommunikation und in der Spielweise. Und trotzdem ist es immer eng. Auch gegen Freiburg hat nicht viel gefehlt, dass so ein Spiel in die andere Richtung kippt.“ Werners Fazit: „Entwicklung hört nie auf.“ Und braucht – Stichwort Braunschweig – zwischendurch vielleicht auch mal einen empfindlichen Rückschlag. (dco)