Nach 0:3 gegen FC Bayern
Trotz nächster Niederlage: Werder sieht Schritt in die richtige Richtung vor Endspiel-Wochen
Werder Bremen kassiert gegen den FC Bayern die nächste Niederlage, doch die Grün-Weißen wähnen sich nun auf dem richtigen Weg. Jetzt geht es in die Wochen der Wahrheit.
Das obligatorische Spielersatztraining fand am Sonntagvormittag nicht auf den Trainingsplätzen vor dem Weserstadion statt. Dafür war der Boden zu vereist, weshalb sich die Profis des SV Werder Bremen im Inneren des Stadions von der anstrengenden 0:3-Niederlage gegen den FC Bayern München erholten. Allzu lange soll diese Regeneration allerdings nicht andauern, wie Cheftrainer Daniel Thioune in einer kleinen Medienrunde am Sonntagvormittag erklärte. Ursprünglich wollte der 51-Jährige zwei freie Tage geben und erst am Mittwoch in die Trainingswoche vor dem so wichtigen Auswärtsspiel beim FC St. Pauli (Sonntag, 17.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) starten. Nun werden die Bremer jedoch bereits am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Denn trotz eines insgesamt couragierten Auftritts gegen die Bayern wartet weiterhin enorm viel Arbeit auf Werder.
Speziell in der Offensive wurde das einmal mehr deutlich. Die Grün-Weißen gaben am Ende mehr Torschüsse ab als der Tabellenführer (14:11), unter dem Strich stand dennoch eine verdiente Niederlage und die Erkenntnis, dass es rund um beide Strafräume weiterhin an der letzten Konsequenz mangelt. „Wir müssen in beiden Boxen noch mehr Schärfe beweisen“, betonte Thioune. „Wir haben trotz vieler Abschlüsse unsere Chancen nicht finalisiert bekommen. Daran gilt es weiterzuarbeiten.“ Dass es gegen die häufig übermächtig wirkenden Münchner überhaupt so viele Gelegenheiten für einen Bremer Treffer gab, bewerteten die Beteiligten im Anschluss aber als positiven Schritt in die richtige Richtung. „Es gibt tatsächlich erst mal ein gutes Gefühl, dass wir zu Chancen kommen“, sagte Felix Agu und erklärte mit Blick auf einen Pfostentreffer von Marco Grüll: „Irgendwann wird er wieder reinfallen, es kann nicht ewig der Ball gegen das Aluminium gehen.“ Es wäre in der stärksten Phase des SV Werder Bremen nach der Halbzeitpause der zwischenzeitliche Anschlusstreffer gewesen, nachdem im ersten Durchgang Star-Stürmer Harry Kane (22./25.) zwei Fehler von Senne Lynen zur schnellen 2:0-Führung ausgenutzt hatte.
Zwölftes Spiel sieglos, aber Werder Bremen bekommt nach 0:3 gegen FC Bayern München Fan-Applaus
Doch der Doppelschlag führte nicht dazu, dass Werder Bremen auseinanderbrach – im Gegenteil. Abgesehen vom späteren 0:3 durch Leon Goretzka (70.) hatten die Bremer im zweiten Durchgang sogar die Mehrzahl der Gelegenheiten auf ihrer Seite. „In einer normalen Welt kann man in der zweiten Halbzeit gegen die Bayern auch auseinandergeschraubt werden. Das hat die Mannschaft nicht zugelassen, sondern sie hat sich gewehrt“, lobte Daniel Thioune sein Team. Im Vorfeld hatte der Werder-Coach besonders die Haltung seiner Mannschaft in den Fokus gerückt – mit dieser war er nach der Partie gegen den FC Bayern mehr als einverstanden. „Die Daten zeigen, dass wir noch nie so viel und so intensiv gelaufen sind. Das bedeutet: Die Bereitschaft der Jungs ist da“, machte Thioune deutlich. Diese Bereitschaft ist allerdings auch die Grundlage, die es im Abstiegskampf braucht, um überhaupt Punkte einzufahren.
Zwölf Spiele ist Werder Bremen mittlerweile sieglos, erzielte dabei nur einen Treffer in den vergangenen fünf Partien. Zwar waren die Erwartungen auf Punkte vor dem Bayern-Spiel gering, dennoch gehört zur Wahrheit, dass Mannschaften wie der FC Augsburg oder der Hamburger SV in den vergangenen Wochen gegen den Rekordmeister gepunktet haben. Auch im Weserstadion bot das Team von Trainer Vincent Kompany Räume – doch erneut gelang es Werder nicht, diese in etwas Zählbares umzumünzen. Das Auftreten der Bremer wurde im Anschluss dennoch mit lautem Applaus aus der Ostkurve honoriert. Anders als noch vor einer Woche in Freiburg, als sich die Spieler deutliche Kritik anhören mussten. „Es hat uns heute unheimlich gutgetan, nach dem Spiel in die Kurve gehen zu dürfen. Es ist aber dann auch der Auftrag, wenn wir wie heute so freundlich empfangen werden, dass wir zusehen müssen zu punkten“, sagte Daniel Thioune.
Noch keine Rede von Endspielen: Werder Bremen erwartet in Abstiegskampf-Duellen Arbeitsbereitschaft wie gegen FC Bayern
Das soll nun mit aller Macht in den kommenden Wochen gegen unmittelbare Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt gelingen. „Ich will nicht sagen, dass es jetzt die Wochen der Wahrheit sind, aber es sind die Spiele, in denen wir bestehen müssen, um am Ende drei Mannschaften hinter uns zu lassen“, gab der Übungsleiter des SV Werder Bremen die Marschroute für die Duelle mit unter anderem dem FC St. Pauli (22. Februar), 1. FC Heidenheim (28. Februar) und Mainz 05 (15. März) vor. Als Endspiele werden diese Partien an der Weser allerdings nicht tituliert. „Um alles geht es für mich noch nicht, aber es geht natürlich um sehr viel. Das ist uns bewusst“, sagte Werders Leiter Profifußball Peter Niemeyer mit Blick auf die nächste Begegnung am Millerntor. Dort trifft der 17. auf den 16. der Tabelle – mehr Abstiegskampf geht kaum.
„Es wird nicht das schönste Spiel sein, aber das ist egal. Wir müssen einfach den Sieg holen“, unterstrich Mittelfeldspieler Senne Lynen. Damit das gelingt, braucht es laut Daniel Thioune wieder die gleiche Arbeitsbereitschaft wie gegen den FC Bayern München. „Mit der Energie von Samstag können wir in einigen Bereichen mindestens auf Augenhöhe agieren, vielleicht sogar etwas stärker sein als der Gegner. Dazu kommen noch ein paar Ideen, die dazu führen können, dass wir gegen die Konkurrenten auch endlich mal wieder als Sieger vom Platz gehen.“ (bvo)
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