Der Werder-Matchplan

Sieg ohne Glanz: Wie der SC Paderborn den SV Werder auf das eigene Niveau herunterzog – die Taktik-Analyse

Trainer Ole Werner beim Coaching: Der Pokal-Sieg des SV Werder Bremen gegen Paderborn in der Taktik-Analyse.
+
Trainer Ole Werner beim Coaching: Der Pokal-Sieg des SV Werder Bremen gegen Paderborn in der Taktik-Analyse.

Beeindruckend war Werder Bremens 1:0-Sieg gegen den SC Paderborn keineswegs. Der Zweitligist hatte sich eine passende Taktik zurechtgelegt, um Bremens Stärken zu negieren. Doch am Ende konnte Werder das Ticket dank einer disziplinierten Defensivleistung buchen, meint unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Paderborn - „Im Stile einer Spitzenmannschaft“ lautet häufig das Fazit, wenn Bayern München ein Spiel trotz magerer Leistung gewinnt. Ganz so weit wie der Rekordmeister ist Werder Bremen noch nicht. Doch zumindest das Pokalspiel gegen den SC Paderborn gewannen die Bremer auf klassische Bayern-Art. Werder tat sich schwer, konnte die Partie nie so richtig dominieren – und erreichte dennoch nicht unverdient die nächste Pokal-Runde.

Werder Bremen gegen Paderborn in der Taktik-Analyse: Marcel Hoffmeier bewacht Mitchell Weiser

Für Trainer Ole Werner gab es nach dem 2:2 gegen Bayer Leverkusen wenig Anlass, seine Formation zu verändern. Werder Bremen begann im gewohnten 5-2-3-System. Auch personell blieb vieles beim Alten. Einzig Anthony Jung und Derrick Köhn rückten neu in die Startelf, sie ersetzten Amos Pieper (gesperrt) und Felix Agu. Paderborns Trainer Lukas Kwasniok veränderte seine Elf im Vergleich zum vergangenen Ligaspiel auf fünf Positionen. Auch taktisch stellte er um – und passte sein System an den Gegner an. Paderborn spielte nominell in einer 5-2-3-Formation. Diese ähnelte dem Spielsystem der Bremer. So entstanden überall auf dem Feld klare Zuteilungen.

Die Grafik zeigt, wie sich Paderborn gegen Werder Bremen aufgestellt hat. Linksverteidiger Hoffmeier agierte sehr tief, er verfolgte Weiser gewissenhaft und nahm Grüll auf, sobald dieser herausrückte. Die rechte Seite genoss offensiv etwas mehr Freiheiten, sodass zeitweise ein 4-4-2 entstand.

Interessant waren die unterschiedlichen Rollen der Paderborner Außenverteidiger. Marcel Hoffmeier, sonst meist als Innenverteidiger tätig, kam als linker Verteidiger der Fünferkette zum Einsatz. Er konzentrierte sich vollends auf die Defensive. Seine Aufgabe lautete, den nach vorne stürmenden Mitchell Weiser zu bewachen. Die Akteure auf Paderborns rechter Seite hingegen durften offensiver agieren. So rückte Rechtsverteidiger Raphael Obermaier im Pressing immer wieder heraus, um den Druck auf Bremen zu erhöhen. Das 5-2-3 wurde in diesen Momenten zu einem 4-4-2.

Zu viel Entgegenkommen, zu wenig Tiefe: Werder Bremens Pokal-Sieg in Paderborn in der Taktik-Analyse

Werder Bremen hatte in der ersten halben Stunde Mühe, gegen die kompakt verteidigenden Paderborner Raumgewinn zu erzielen. In der Anfangsphase wagten die Paderborner zunächst ein hohes Pressing. Werder umspielte dies über den mitspielenden Torhüter Michael Zetterer. Als sich die Paderborner jedoch nach und nach zurückzogen, fehlte Werder die zündende Idee, um das Abwehrkonstrukt der Gastgeber zu knacken. In dieser Partie zeigten sich erstmals die systematischen Probleme, die durch den Ausfall von Jens Stage entstehen. Der Däne rückt als zweiter Sechser häufig vor. Das sorgt für Tiefe und entlastet zugleich die Angreifer. Marvin Ducksch und Romano Schmid können sich häufiger fallen lassen. Das entspricht ihrem Naturell als mitspielende Stürmer.

Diese wichtige Dynamik fehlt dem Werder-Spiel aktuell. Ersatzmann Leonardo Bittencourt ist ein gänzlich anderer Spielertyp als Stage. Er gestaltet die Partie aus der Tiefe. Dazu lässt er sich häufig in die Dreierkette fallen. Werder Bremen hat aktuell viele Akteure auf dem Platz, die sich fallenlassen, aber nur wenige, die Tiefe suchen. Selbst der eingewechselte Justin Njinmah ließ sich eher fallen anstatt das Tempo zu suchen. Werder versuchte zwar, das Spiel ruhig nach vorne zu tragen. Immer wieder versuchten sie, über den herauskippenden Bittencourt Überzahlsituationen auf den Flügeln herzustellen. Paderborn schob kompakt nach. Gerade Werders rechte Seite, sonst ihre Schokoladenseite, fand nicht ins Spiel. Hoffmeier leistete hier ganze Arbeit gegen Weiser.

So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach aussehen!

Werder Bremens Arbeitssieg im DFB-Pokal in der Taktik-Analyse: Paderborn hilft nach

Hoffmeier mag defensiv gute Arbeit geleistet haben. Im Spielaufbau leistete er sich einen großen Patzer. In der 30. Minute legte er einem bislang unsichtbaren Marvin Ducksch das 1:0 für Werder Bremen auf. Mit der Führung im Rücken agierte Werder wesentlich abgeklärter. Sie konnten sich nun selbst häufiger zurückziehen und Paderborn das Spiel überlassen. Die Paderborner versuchten, immer wieder mit gezielten Pässen durch das Zentrum in die Bremer Hälfte zu gelangen. Das gewünschte Steil-Klatsch-Spiel scheiterte an der aufmerksamen Bremer Abwehr. Die erfolgversprechendsten Angriffe fuhr Paderborn über die rechte Seite. Hier hatte sich Kwasniok einen besonderen Schachzug einfallen lassen: Rechtsverteidiger Raphael Obermaier und der rechte Innenverteidiger Laurin Curda rückten abwechselnd nach vorne. Vor allem die Läufe von Curda überraschten die Bremer Abwehr einige Male.

Verfolgt das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen bei Borussia Mönchengladbach live im Liveticker der DeichStube!

Wilder Pokal-Fight? Nur in den letzten Minuten - Werder Bremen in der Taktikanalyse

Bis zur 68. Minute ging der SC Paderborn bei diesen Angriffen nicht das letzte Risiko. Paderborn fehlte die Wucht im letzten Drittel. So sicherte David Kinsombi die Vorstöße auf der rechten Seite ab anstatt aufzurücken. Erst nach dessen Auswechslung stellte Paderborn offensiv um. Sie griffen fortan in einer enorm offensiven 3-4-3-Formation an. Die Hausherren wollten den Ausgleich erzwingen. Für Werders Abwehr bedeutete dies erhöhter Stress. Zugleich eröffneten sich für die Angreifer neue Räume zum Kontern: Hinten verteidigte Paderborn im Eins-gegen-Eins. Eine gelungene Aktion von Ducksch oder Schmid und Werder Bremen stand praktisch vor dem Tor. Entsprechend gab es in den Schlussminuten Chancen auf beiden Seiten. Ein Tor fiel nicht mehr.

Werder lieferte in Paderborn nicht seinen besten Abend. Nur selten fanden sie Antworten auf das Paderborner Spielsystem. Der Zweitligist schaffte es, den SV Werder Bremen auf das eigene Niveau herunterzuziehen. Das Schussverhältnis von 18:11 pro Paderborn spricht eine deutliche Sprache. Werder kann diese Kritik letztlich egal sein: Dank eines gegnerischen Fehlers und einer konzentrierten Defensivleistung erreichten die Bremer die nächste Pokalrunde. Ein gutes Pferd springt eben nur so hoch, wie es muss.

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Kommentare