Worum es am letzten Spieltag geht
Keine Lust auf Kaffeefahrt: Warum Werder die Saison in Heidenheim nicht locker austrudeln lassen will
Der SV Werder Bremen will die Saison am letzten Spieltag gegen den 1. FC Heidenheim nicht einfach so austrudeln lassen. Das Spiel ist noch aus mehreren Gründen wichtig.
Bremen – Der Europa-Zug ist für den SV Werder Bremen abgefahren, nach 33 ereignisreichen Spieltagen bietet ausgerechnet das Saisonfinale für die Grün-Weißen nicht mehr allzu viel Aufregung. Folglich wäre es ein Stück weit verständlich, wenn die ganze Anspannung der vergangenen Monate nun von den Profis abfiele und noch eben schnell die letzte Pflichtaufgabe beim 1. FC Heidenheim (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) hinter sich gebracht werde. Von einem gemütlichen Sommertrip kurz vor dem ersehnten Urlaub hält Peter Niemeyer allerdings nicht viel, Werders Leiter Profifußball will die Tour an die Brenz partout nicht zur Kaffeefahrt verkommen lassen.
Werder Bremen will Saison mit Sieg gegen 1. FC Heidenheim beenden: Platzierung wichtig fürs TV-Geld
„Die Reise nach Heidenheim wird keinesfalls nur ein Ausflug sein“, betont der 41-Jährige im Gespräch mit der DeichStube. „Das Spiel ist aus mehreren Gründen wichtig für uns. Es geht um drei Punkte in der Bundesliga, die wir unbedingt holen wollen. Zudem geht es noch um die Platzierung in der Tabelle und damit ums TV-Geld.“ Werder Bremen kann jeden Cent gut gebrauchen, nach dem Verpassen des internationalen Geschäfts gilt das umso mehr. Der Tabellenachte könnte bei einer eigenen Niederlage noch im Klassement vom VfB Stuttgart oder von Borussia Mönchengladbach überholt werden. Ein Szenario, auf das die Bremer wenig Lust haben. „Jetzt geht es um einen vernünftigen Saisonabschluss“, sagt deshalb Innenverteidiger Amos Pieper. Abwehrkollege Niklas Stark betont ebenfalls: „Wir sind froh, dass wir miteinander Fußball spielen. Das werden wir versuchen, auch jetzt am Wochenende darzustellen.“ Einfach nur ein bisschen kicken, das ist nämlich so gar nicht nach dem Geschmack des 30-Jährigen.
Und käme womöglich auch bei der Konkurrenz nicht so gut an. Zumindest teilweise. Denn Werder Bremen (die mögliche Startelf-Aufstellung der Grün-Weißen) könnte eventuell noch eine ganz wichtige Rolle im Abstiegskampf spielen. Gegner 1. FC Heidenheim liegt aktuell mit 29 Zählern auf dem Relegationsrang und hat mit einem eigenen Sieg tatsächlich noch die Chance, sich direkt die weitere Ligazugehörigkeit zu sichern. Dafür müsste allerdings gleichzeitig auch im knapp 180 Autokilometer entfernten Sinsheim mitgespielt werden. Dort trifft der FC Bayern München nämlich auf die gastgebende TSG Hoffenheim – und sollte der neue Deutsche Meister am Ende gewinnen, könnten die auf Rang 15 liegenden Kraichgauer ihren schmalen Vorsprung auf die Gefahrenzone von drei Punkten und sechs Toren tatsächlich noch einbüßen. Da steckt also durchaus Brisanz in der Angelegenheit, manch Bremer Fan erlebt sogar gerade einen Interessenkonflikt: Entweder selbst die Heidenheimer, gegen die sich Werder in der Vergangenheit immer wieder schwergetan hat, in die Extraschicht gegen den Drittplatzierten aus dem deutschen Fußball-Unterhaus befördern, oder mit einer eigenen Niederlage vielleicht besser die vielerorts ungeliebte TSG der Zweitklassigkeit ein Stück näherbringen?
Werder Bremen kann noch wichtige Rolle im Abstiegskampf spielen: 1. FC Heidenheim oder TSG Hoffenheim in der Relegation?
Themen, mit denen sich bei Werder Bremen selbst jedoch nicht beschäftigt wird. „Wir wollen mit einem guten Gefühl in die Sommerpause gehen“, hebt Peter Niemeyer hervor. „Unserer guten Saison wollen wir mit einem entsprechenden Abschluss gerecht werden und das Maximale herausholen.“ Das wären am Ende 51 Punkte. Sphären, in denen sich die Norddeutschen letztmals in der Spielzeit 2018/2019 bewegten, als unter dem damaligen Trainer Florian Kohfeldt sogar 53 Zähler heraussprangen. Doch damals wie heute reichte das nicht für Europa. Das war bekanntlich letztmals 2009/2010 der Fall, als Werder sogar die bis heute unerreichte 60-Punkte-Marke knackte (61), Platz drei belegte und noch einmal in der Champions League ran durfte. Lang, lang ist es her. Soll heißen: Werder hat auch jetzt nichts zu verschenken.
Beim 1. FC Heidenheim dürften sie das Thema Ernsthaftigkeit mit großem Interesse verfolgen. Dort hatte schon der kurze Ibiza-Trip der Münchener nach dem Titelgewinn zu einem deutlichen Appell von FCH-Boss Holger Sanwald geführt. „Ich gehe davon aus, dass der FC Bayern – wie sicherlich in jedem Bundesligaspiel – unbedingt gewinnen will und deshalb nichts abschenken wird“, sagte er mit Blick auf das eigene sportliche Schicksal und eine mögliche Wettbewerbsverzerrung. Sanwald betonte aber auch: „Zunächst einmal gilt für uns am 34. Spieltag, dass wir gegen Werder Bremen gewinnen müssen, um überhaupt eine Chance auf den direkten Klassenerhalt zu haben.“ Klingt tatsächlich nicht nach einer sommerlichen Kaffeefahrt für die Grün-Weißen. (mbü)
Rubriklistenbild: © gumzmedia
