Sieg gegen Union Berlin
Raus mit viel Applaus: Werder-Stürmer Boniface überzeugt bei Startelf-Debüt und überrascht alte Kollegen
Victor Boniface überrascht beim Startelf-Debüt für den SV Werder Bremen positiv, Kollegen sehen „clevere oder verrückte Dinge“ und erwarten mit ihm „noch viel Spaß“.
Bremen – Erst war es nur ein ganz kleines Raunen, wenig später war die Geräuschkulisse im Weserstadion schon etwas lauter. Wie so häufig in all den Jahrzehnten, wenn sich auf der Tribüne das Gefühl breit macht, dass etwas Besonderes passieren könnte. Viele Profis haben solche Momente kreiert, am Freitagabend war es Victor Boniface. Der Stürmer hatte erstmals in der Startelf des SV Werder Bremen gestanden und zur Freude des Publikums gleich mehrmals gezeigt, dass er bei allen Diskussionen um seinen körperlichen Zustand ein richtig guter Fußballer ist. Einer, der Werder weiterhelfen kann. Und als der Nigerianer dann nach 84 Minuten ausgewechselt wurde, waren etliche Fans derart einverstanden mit der Leistung des Angreifers, dass sie ihm stehend applaudierten.
Werder Bremens Victor Boniface war „jetzt so weit“ für die Startelf - und versucht, beim Freistoß „wie Grimaldo zu sein“
„Es ist lange her, dass ich in der Startelf stand. Ich freue mich, wieder Fußball zu spielen“, sagte Victor Boniface wenig später. „Ich habe mich sehr gut gefühlt.“ Ein Tor wollte der Leihgabe von Bayer 04 Leverkusen zwar nicht gelingen, aber das Bemühen, wichtige Akzente zu setzen, war unverkennbar. Sogar einen Freistoß schnappte sich Boniface in der zweiten Halbzeit, was auch bei seinem eigentlichen Club im Rheinland für Verwunderung sorgte. Als Bayer-Kollege Nathan Tella kurz nach der Begegnung in den sozialen Medien nachfragte, warum der Stürmer jetzt auch noch den Standard ausgeführt hatte, antwortete dieser mit Blick auf einen anderen Leverkusener gewohnt lässig: „Ich versuche, wie Grimaldo zu sein.“
Diese demonstrative Lockerheit, sie gehört bei Victor Boniface einfach dazu. Im Training wirkt er dadurch manchmal ziemlich unbeteiligt, mitunter schon lethargisch. Doch wenn es darauf ankommt, das hat die Partie des SV Werder Bremen gegen Union Berlin noch einmal gezeigt, weiß er, was gefordert ist. „Mir hat das Heidenheim-Spiel das Gefühl gegeben, dass er jetzt so weit ist. Dort hatte er schon gute Aktionen. Ich hatte den Eindruck, dass wir heute einen Mittelstürmer brauchen, der die Bälle besser behauptet“, begründete Trainer Horst Steffen seinen personellen Wechsel im Angriff und ließ durchblicken, dass auch innerhalb der Kabine die Sehnsucht nach einem echten Stoßstürmer groß war. „Ich habe auch mal in die Mannschaft reingehört. Ich habe den einen oder anderen Spieler mit ins Boot genommen, aber die Entscheidung war letztlich unsere im Trainerteam. Ich mache jetzt nicht jedes Mal eine Fragerunde, wer für wen ist.“
Werder Bremen-Stürmer Victor Boniface macht „clevere oder verrückte Dinge“: „Werden noch viel Spaß mit ihm haben“
Das Gezeigte gefiel dann gleich an mehreren Stellen. „Das war eine gute Leistung, auf die man total aufbauen kann“, lobte etwa Peter Niemeyer als Werder Bremens Leiter Profifußball. „Für das Team war er enorm wichtig, weil wir eine Entlastung bekommen haben, die dem Spiel gutgetan hat. Es gab nach den letzten Spielen die Überlegung, vorne einen neuen Impuls einzubringen. Da fehlte uns zuletzt ein Stückweit eine Linie – die hat uns Boni gegeben. Ich war beeindruckt, dass er so lange durchgehalten hat.“ Verteidiger Amos Pieper meinte derweil: „Gerade in der ersten Hälfte hat er viele überraschende Aktionen gehabt, bei denen er aufdreht, das Spiel verlagert, mal clevere oder verrückte Sachen macht. Das kann solch einem Spiel guttun.“ Kapitän Marco Friedl ließ sich dagegen wegen Victor Bonifaces körperlichem Zustand nicht aufs Glatteis führen. „Ich bin kein Physio, kein Athletik-Trainer. Ich finde, dass er Woche für Woche Fortschritte macht“, sagte der Österreicher stattdessen und prognostizierte: „Wir werden noch viel Spaß mit ihm haben.“ (mbü/bvo)
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