Taktik-Analyse

Zu zehnt leidenschaftlich verteidigt: Werder-Niederlage gegen Hoffenheim in der Taktik-Analyse

Werder Bremen verliert mit 0:1 bei der TSG Hoffenheim. Bereits nach fünf Minuten machte ein Platzverweis Daniel Thiounes taktischen Plan zunichte. Warum Werder in Unterzahl stark verteidigte und wieso am Ende ein altbekanntes Problem den Punktgewinn verhinderte, analysiert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Fußball ist ein Sport, bei dem zwei Mannschaften mit je elf Spielern gegeneinander antreten – außer Werder Bremen trifft auf die TSG Hoffenheim. Vier der vergangenen fünf Duelle endeten nicht mit 22 Spielern auf dem Feld. Zuletzt sahen stets Hoffenheimer Akteure die Rote Karte.

Am Samstagnachmittag traf der Fluch hingegen Werder Bremen. Nach dem frühen Aus für Yukinari Sugawara (5.) war der taktische Plan von Trainer Daniel Thioune hinfällig. Werder musste sich in den folgenden 85 Minuten einem Gegner in Überzahl erwehren. Das gelang den Bremern überraschend gut. Nur eine altbekannte Schwäche sorgte dafür, dass die Grün-Weißen ohne Punkt nach Hause reisen mussten.

Daniel Thiounes ursprünglicher Plan war schon früh hinfällig: Die Taktik-Analyse zur Niederlage des SV Werder Bremen gegen die TSG Hoffenheim.

Die Viererkette kehrt zurück: Niederlage des SV Werder Bremen gegen TSG Hoffenheim in der Taktik-Analyse

Thioune hatte bereits vor dem Anpfiff eine wichtige Entscheidung getroffen. Werder Bremen begann das Spiel mit einer Viererkette. Offenbar wollte der Coach mit dem eigenen 4-3-3-System die Formation des Gegners spiegeln. Zugleich sollten die Flügelstürmer die Chance nutzen, nach Ballgewinnen die hochstehenden Hoffenheimer auszukontern.

Die Rote Karte gegen Sugawara zwang Thioune dazu, früh umzustellen. Zunächst zog sich Jens Stage auf die Rechtsverteidiger-Position zurück. Fortan verteidigten die Bremer in einer 4-4-1-Formation.

Kurz darauf endete das Startelf-Debüt von Mittelstürmer Salim Musah frühzeitig. Thioune opferte ihn, um Isaac Schmidt als neuen Rechtsverteidiger einzuwechseln (12.). Rechtsaußen Justin Njinmah übernahm den vakanten Posten im Sturmzentrum, Stage wechselte nach Rechtsaußen. Die Marschrichtung war klar: Werder Bremen wollte in Unterzahl am eigenen Strafraum zwei Viererketten aufbauen. Nach Ballgewinnen sollte Njinmahs Tempo im Umschaltmoment genutzt werden.

Die Grafik zeigt Werder Bremens tiefes 4-4-1 nach der Roten Karte gegen Yukinari Sugawara. Werder zog sich weit zurück, während Hoffenheim vor allem das Zentrum überlud. Justin Njinmah lauerte vorne auf Konter und lief den Raum hinter den äußeren Verteidigern an.

Taktik-Analyse: TSG Hoffenheim tut sich gegen Werder Bremen schwer

So war die Rollenverteilung früh geklärt: Hoffenheim sammelte 72% Ballbesitz, während Werder Bremen tief verteidigte. Die Hoffenheimer taten sich bereits gegen St. Pauli (0:1), Köln (2:2) und Wolfsburg (1:2) schwer damit, einen defensiv auftretenden Gegner zu knacken. Dass ihnen diese Aufgabe nicht unbedingt behagt, zeigte sich auch gegen Werder.

Die TSG Hoffenheim versuchte zunächst, durch das Zentrum in den Strafraum zu gelangen. Nominell agierten die Hoffenheimer aus einer 4-2-3-1-Formation. Im Spielaufbau rückte Rechtsverteidiger Vladimír Coufal weit nach vorne, es verblieb eine Dreierkette in der Abwehr. Auch Sechser Wouter Burger bewegte sich häufig an die letzte Linie. So entstand eine Art 3-1-3-3-Formation.

Werder Bremen stand gegen diese Angriffsformation gut gestaffelt. Die Hoffenheimer versuchten zwar immer wieder, im Zentrum Überzahlen herzustellen. Doch Werders Mittelfeld zog sich eng zusammen, sodass die Bremer die Spielfeldmitte kontrollierten. Hoffenheim sah sich gezwungen, das Spiel in die Breite zu ziehen. Hier mangelte es ihnen an Kreativität. Coufal konnte sich zwar manches Mal gegen Olivier Deman durchsetzen. Seine Hereingaben fanden aber keinen Abnehmer.

Taktik-Analyse: Werder Bremen pennt gegen die TSG Hoffenheim nur einmal – jedoch einmal zu viel

Tatsächlich gelangen Werder Bremen trotz Unterzahl die gefährlicheren Angriffe. Njinmah überzeugte durch seine Positionierung: Immer wieder bewegte er sich leicht auf die Seite. So konnte er direkt hinter die weit aufgerückte Dreierkette des Gegners starten. Vor allem auf Hoffenheims linker Seite fand Njinmah Raum hinter Bernardo. Jedoch fehlte dem Bremer Angreifer – wie so häufig – die Durchschlagskraft. So kam er zwar mehrmals in eine gute Abschlussposition, traf aber das Tor nicht. Immerhin sorgten seine Vorstöße für Entlastung.

An und für sich fühlte sich Werder Bremen mit dieser Ausgangslage wohl. Der Bremer Elf unterlief jedoch in der 26. Minute ein kollektiver Aussetzer: Erst schenkten Stage und Amos Pieper eine Ecke her. Daraufhin schaltete die Bremer Elf nicht schnell genug um. Die TSG Hoffenheim ging nach der schnell ausgeführten Standardsituation in Führung.

Lange Zeit veränderte das Tor wenig an der Dynamik des Spiels. Hoffenheim tat sich immer noch schwer damit, den Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte in nennenswerte Toraktionen umzuwandeln. Werder Bremen musste in Unterzahl weiterhin tief verteidigen, fand jedoch einige Male Stage auf der halbrechten Seite. Der wiederum spielte den Ball sofort weiter zu Njinmah. Gerade in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit zeigte Werder einige gute Angriffe.

Taktikumstellungen in der Schlussphase: Werder Bremen verliert knapp bei der TSG Hoffenheim

TSG-Coach Christian Ilzer versuchte, von der Außenlinie einzugreifen. Nach der Einwechslung von Alexander Prass (57.) agierte Hoffenheim mit einer Fünferkette. Mit der Einwechslung von Cole Campbell (71.) stellte Ilzer auf eine 5-2-3-Formation um. Diese Variante war vor allem auf der rechten Seite äußerst breit angelegt: Campbell und Coufal besetzten beide den Flügel. Hoffenheim versuchte, stärker über die Seiten nach vorne zu gelangen.

In den ersten Minuten nach dem Wechsel spielte sich die TSG Hoffenheim tatsächlich auf der rechten Seite in der Bremer Hälfte fest. Thioune reagierte: Er stellte mit der Einwechslung von Maximilian Wöber (80.) auf ein breiteres 5-3-1-System um. Die Außenverteidiger des SV Werder Bremen sollten in der Schlussphase offensiver agieren und somit die TSG weiter nach hinten drängen.

Das gelang allerdings kaum. Hoffenheim fehlte zwar weiterhin die Idee, wie sie das kompakte Zentrum des SV Werder Bremen knacken sollten. Sie verfügten aber über genug Ballsicherheit, um ihren Gegner nicht mehr ins Spiel finden zu lassen. Das ist eben der Segen, wenn man gegen zehn und nicht gegen elf Feldspieler antreten muss. Zumindest mangelnden Einsatz müssen sich die Bremer nicht vorwerfen lassen. Ob Thiounes taktischer Plan im Elf-gegen-Elf funktioniert hätte, werden wir jedoch nie erfahren.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Oliver Zimmermann

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