Knapper Bremer Erfolg

Wie kompakte Darmstäder Werder lange matt setzten - die Taktik-Analyse zum DFB-Pokal-Achtelfinale

Der SV Werder Bremen von Trainer Ole Werner brauchte lange, um den SV Darmstadt 98 zu knacken. Warum das so war, erklärt die Taktik-Analyse zum DFB-Pokal-Achtelfinale.
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Der SV Werder Bremen von Trainer Ole Werner brauchte lange, um den SV Darmstadt 98 zu knacken. Warum das so war, erklärt die Taktik-Analyse zum DFB-Pokal-Achtelfinale.

Es dauerte lange, ehe Werder Bremen im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Zweitligist SV Darmstadt 98 den Siegtreffer erzielte. Florian Kohfeldts Darmstädter präsentierten sich als defensiv starkes Bollwerk. Warum Werder die Bewegung fehlte und wieso die Bremer erst in der Schlussphase zu Chancen kamen, analysiert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Schon vor der DFB-Pokalpaarung zwischen Werder Bremen und dem SV Darmstadt 98 war klar: Dies wird kein normales Spiel. Florian Kohfeldts Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte war das beherrschende Thema im Weserstadion. Der frühere Werder-Chefcoach war indes nicht nach Bremen gereist, um Geschenke an alte Weggefährten zu verteilen. Er hatte seine Darmstädter Mannschaft bestens eingestellt auf das Bremer Spiel. Werder benötigte bis in die Nachspielzeit, um das Darmstädter Bollwerk zu knacken.

Werder Bremen gegen SV Darmstadt 98 in der Taktik-Analyse: Florian Kohfeldt macht’s wie Ole Werner

Trainer Ole Werner stellte seine Elf nach dem 2:2 gegen den VfB Stuttgart auf zwei Positionen um. Jens Stage und Marco Grüll kehrten zurück in die Startformation. Damit einher ging auch ein Wechsel der Formation: Werder Bremen begann nicht wie am Wochenende mit einer Viererkette. Stattdessen verteidigten die Bremer in ihrem klassischen 5-2-3. Florian Kohfeldt hatte sich bereits in Bremen den Ruf eines Trainers erworben, der seine Mannschaft stets an den Gegner anpasst. Daran hat sich auch in beim SV Darmstadt 98 nichts geändert. Nachdem die Hessen unter ihm bislang stets mit einer Viererkette aufliefen, stellte er gegen Werder auf ein 5-2-3 um. Damit spiegelten die Darmstädter das Bremer System.

Der Zweitligist fokussierte sich mit dieser Umstellung auf die eigene Defensive. Die Gäste zogen sich zumeist an die Mittellinie zurück. Die Stürmer agierten nicht mannorientiert, sondern bewachten den Raum im Zentrum. Darmstadts Marschroute war eindeutig: Sie wollten defensiv das Zentrum kontrollieren. Nach Ballgewinnen sollte das Mittelfeld schnell überbrückt werden. Ein raumorientiertes, das Zentrum schließende 5-2-3 dürfte Werder-Fans bekannt vorkommen: Genau mit dieser Formation hat Werder Bremen im Januar die großen Bayern besiegt.

Taktik-Analyse zum DFB-Pokal-Achtelfinale: Warum Werder Bremen gegen Darmstadt 98 keine Räume findet

So ergab sich bereits nach wenigen Minuten jene Spieldynamik, die sich über die vollen 90 Minuten bewähren sollte: Werder Bremen sammelte Ballbesitz, spielte Pass um Pass – nur hinter die gegnerische Formation gelangten sie selten bis nie. Dabei hatte sich Ole Werner durchaus Ideen zurechtgelegt, um die kompakte Darmstädter Defensive zu knacken. Romano Schmid agierte im Ballbesitz etwas tiefer als gewohnt. Werder versuchte, über Schmid oder den vorrückenden Jens Stage in die Räume zwischen den gegnerischen Linien zu gelangen. Darmstadts Stürmer verschoben jedoch fehlerfrei im Raum. Selten bis nie öffnete sich der Passweg ins Zentrum.

Für Werders Spiel in den ersten 75 Minuten lässt sich eine Fußballphrase bemühen: Es fehlte die Bewegung. Was bedeutete dies konkret? Werders Spieler verharrten lange in ihren Positionen. Werder Bremen stellte sich in einem 3-1-4-2 auf, wobei die Außenverteidiger weit vorrückten. Die Spieler hielten zwar ihre Positionen. Sie zwangen aber Darmstadts Verteidiger selten, auf ihre Bewegungen reagieren zu müssen. Kohfeldts Team fühlte sich wohl in der Rolle des Außenseiters, der im Raum verteidigte und keine Lücken öffnete.

Die Grafik zeigt Werder Bremens Bemühungen, das 5-2-3 des SV Darmstadt 98 zu knacken. Schmid postierte sich etwas tiefer als zuletzt. Zusammen mit Stage wollte er zwischen den Linien anspielbereit sein. Das allerdings verhinderte Darmstadt mit einer Formation, die das Zentrum kompakt hielt. Werder konnte häufig um die gegnerische Formation herum spielen, aber selten hinein.

Werder Bremen-Taktik-Analyse: Konterabsicherung im DFB-Pokal gegen SV Darmstadt 98 stimmt fast immer

Werders positionstreue Spielweise hatte indes einen Vorteil: Die Bremer waren stets gut gestaffelt, um gegnerische Konter zu unterbrechen. Nach Ballverlusten gelangte Werder Bremen sofort ins Gegenpressing. Selbst wenn Darmstadt sich aus dem Pressing befreien konnte, fing Werders Dreierkette gegnerische Angriffe ab. Ihre eher defensive Rolle zahlte sich aus. Alternativ könnte man auch sagen: Beide Teams riskierten nicht mehr als nötig. Der SV Darmstadt 98 versuchte zwar immer mal wieder, mit flachen Pässen am eigenen Strafraum Werder zu locken. Bremens Abwehr schob allerdings kaum nach. Sie erwarteten den langen Ball des Gegners – und fingen ihn fast immer ab.

Die defensiven Strategien beider Teams gingen weitestgehend auf. Chancen gab kaum. Nur einmal hatte Werder Bremen Glück: Nach einer guten Spieleröffnung der Darmstädter eilte Michael Zetterer aus seinem Kasten. Sein hartes Einsteigen gegen Isac Lidberg wurde nur mit Gelb geahndet. In dieser Szene ging Darmstadts Matchplan vollends auf.

Taktik-Analyse: Werder Bremen hat kaum Chancen gegen Darmstadt 98, aber die Zeit spielt für den SVW

Und Werder? Werners Elf erspielte sich aus dem Spiel heraus kaum Chancen. Möglichkeiten gab es entweder nach Standardsituationen oder nach einer der wenigen Balleroberungen im Pressing. Ansonsten bot das Spiel auch nach der Pause das gewohnte Bild: Werder Bremen passte sich in der Dreier-Abwehrkette den Ball zu, ohne wirklichen Raumgewinn zu erzielen. Am Ende lag ihr Ballbesitzwert bei nahezu 70 Prozent.

Im Verlauf der Partie hatte Werder jedoch einen Vorteil auf der eigenen Seite: die Kondition. Darmstadt 98 hatte sich aufopfern müssen, um durchgehend die hohe Kompaktheit zu wahren. In der zweiten Halbzeit stellte Florian Kohfeldt auf ein 5-3-2-System um. Zwar verteidigte Darmstadt das Zentrum fortan noch dichter. An Konter war angesichts eines Stürmers weniger kaum mehr zu denken.

Aufopferungsvolle Leistung gegen Werder Bremen: Trainer Florian Kohfeldt stellt SV Darmstadt 98 gut ein

Mit jeder Minute zog sich die Darmstädter Elf einige Zentimeter weiter in Richtung eigenem Strafraum zurück. Für Werder Bremen wurde es nach und nach leichter, Lücken in der Darmstädter Formation zu finden. Auch nach den Einwechslungen blieb Werder dem eigenen 3-1-4-2 treu. Sie besetzten nun aber die Mittelfeldräume besser. Auch die Innenverteidiger wagten sich in der Schlussviertelstunde nach vorne. Werder wollte die Partie vor der Verlängerung entscheiden – und tat dies auch. Nach einem Freistoß erzielte der eingewechselte Anthony Jung in der Nachspielzeit die Führung.

Der Sieg war der verdiente Lohn für eine Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit. Dennoch: Selten hat ein Gegner im Weserstadion derart aufopferungsvoll verteidigt wie die Darmstädter Elf. Kohfeldt gebührt ein Lob, dass er seine Mannschaft derart gut auf den Gegner eingestellt hat.

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