Werder-Coach mit klaren Worten

„Das muss anders aussehen“: Werder-Trainer Steffen formuliert klaren Auftrag an seine Spieler

Werder Bremens Trainer Horst Steffen formuliert nach dem enttäuschenden Remis beim 1. FC Heidenheim (2:2) einen klaren Auftrag an seine Spieler!

Bremen – Frank Schmidt hatte ganz genau hingehört, als Marco Friedl seine ganze Enttäuschung zum Ausdruck brachte und probierte, die Gründe für den unzufriedenstellenden Auftritt des SV Werder Bremen zu beschreiben. Und dem Coach des 1. FC Heidenheim gefiel, was der gegnerische Kapitän da am Samstagabend von sich gab. „Er hat eben gesagt, dass es in Heidenheim immer das gleiche sei, die Mannschaft immer an den Anschlag ginge und alles gebe“, sagte Schmidt. „Da habe ich gesagt: Warum tun wir das? Weil wir es tun müssen, denn sonst sind wir chancenlos in der Bundesliga.“ Ganz ähnliche Worte hatte es in den vergangenen Jahren auch an der Weser immer wieder gegeben. Oft klappte es mit der Umsetzung, häufig aber auch nicht. Da wurde sich nicht selten geärgert, dass die Leistungsgrenze in einer Partie nicht erreicht wurde. So wie jetzt in Heidenheim. Und das stört alle Beteiligten.

Werder Bremens Trainer Horst Steffen formuliert nach dem enttäuschenden Remis beim 1. FC Heidenheim (2:2) einen klaren Auftrag an seine Spieler.

Werder Bremens Horst Steffen nach dem Remis gegen Heidenheim: „So können wir uns nicht präsentieren, das muss anders aussehen“

„Die erste Halbzeit war ohne das Tempo, ohne die Aggressivität, die wir brauchen, um dagegen zu halten“, moniert Horst Steffen und skizziert punktgenau, wo es hakte. „Wir haben Konter-Situationen, bei denen ich das Gefühl habe, dass etwas Gutes entstehen kann. Dann müssten wir ins Sprinten kommen – aber wir kommen es nicht wirklich. Wir haben die Sprints nicht genommen und waren in Zweikämpfen häufig später dran als der Gegner. Dementsprechend haben wir viele Ballverluste gehabt.“ Bei einer derartigen Mängelliste war es wahrlich keine Überraschung, dass Steffen in der Halbzeitpause die eigenen Stimmbänder strapazierte, um die Mannschaft in die Spur zu bringen. „So können wir uns nicht präsentieren, das muss anders aussehen“, fordert der Cheftrainer des SV Werder Bremen.

Es bleiben nur wenige Tage, um wieder eine andere Richtung einzuschlagen. Beim kommenden Gegner 1. FC Union Berlin (Freitag, 20.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) gibt es ähnlich wie beim FCH keine Geheimnisse. Die Hauptstädter werden, angestachelt von ihrem emotionalen Coach Steffen Baumgart, mit viel Einsatzfreude und Kampfgeist auf den Platz kommen. Wer nicht richtig dagegenhält, bekommt schnell Probleme. Doch genau das war eigentlich auch jetzt allen Bremern bewusst. Die Intensität fehlte in den ersten 45 Minuten dennoch, das erhoffte Spiel in die Tiefe funktionierte zudem gar nicht. Weil dann später noch entscheidende Fehler gemacht wurden, reichte auch eine zweimalige Führung nicht, um gegen bis dato tor- und punktearme Heidenheimer zu gewinnen. Romano Schmid hatte das derart genervt, dass er schimpfte: „Ich kann mir nicht erklären, wie wir teilweise verteidigen. Da muss man mehr sprechen in der letzten Kette und dann kann es nicht sein, dass einer am langen Pfosten durchläuft, ins leere Tor schießt und Danke sagt.“ Zudem monierte der 25-Jährige: „Man will Kontrolle ins Spiel kriegen – aber was machen wir? Wir schießen den Ball ohne Druck ins Aus. Wir sind Bundesliga-Spieler, da müssen wir den Ball laufen lassen.“ Die deutlichen Worte verfehlten ihre öffentliche Wirkung nicht - interne Konsequenzen werden sie für den Österreicher nach Informationen der DeichStube aber nicht haben. Werder Bremen verzichtet demnach auf eine Strafe, weil Schmid bei seiner Schelte auch sich selbst mit einbezogen und keineswegs nur auf Mitspieler gezeigt habe.

Werder Bremens Horst Steffen nach dem Remis beim 1. FC Heidenheim „Es war nicht alles übel“

Dieses Thema ist also abgehakt. Bleibt der Blick auf nächsten Freitag. Horst Steffen hofft auch deshalb gegen den 1. FC Union Berlin (Freitag, 20.30 Uhr, live im TV) auf mehr Energie, weil im heimischen Stadion gespielt wird. „Zuhause ist es nochmal eine andere Herangehensweise. Wir sind vor unserem eigenen Publikum und wollen von der ersten Minute an zeigen, dass wir gut sein können – und nicht nur in Momenten. Das ist der Auftrag für die nächste Woche.“ Denn die Weisheit des Frank Schmidt besitzt der Berufskollege beim 1. FC Heidenheim nicht exklusiv. Sie gilt auch für den Cheftrainer des SV Werder Bremen. „Mir war vorher klar, dass wir in der Bundesliga kein Spiel gewinnen werden mit Glück oder ein paar Prozent Intensität weniger. Das haben wir nochmal gezeigt bekommen.“ Und doch betont der 56-Jährige auch: „Es war nicht alles übel.“
 
Die weite Reise in den Süden Deutschlands verdeutlichte jedoch auch, dass die Umsetzung der Theorie in die Praxis keineswegs so einfach gelingt, wie sich das alle Beteiligten eigentlich wünschen. Deshalb klingen acht Punkte nach sieben fordernden Aufgaben nicht schlecht – aber eben auch nicht formidabel. „Es ist schwierig, jetzt ein Fazit zu ziehen“, meint auch Marco Friedl, der am grundsätzlich eingeschlagenen Weg aber nicht rütteln möchte. „Ich fühle mich extrem wohl in dem, was wir machen und ich weiß auch, was der Trainer fordert. Ich fühle mich absolut bereit“, sagt der Abwehrchef des SV Werder Bremen. „Dass wir es können, das zeigen wir auch. Ich hätte mehr Bedenken, wenn wir es nicht auf den Platz bringen würden. Aber das ist nicht der Fall. Es geht darum, dass wir besser in die Abläufe kommen und die Spieler alle fit bleiben.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Pressefoto Rudel/Robin Rudel

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