Werder enttäuscht in Heidenheim
Bedenkliche Schwankungen: Erst nach einer Kabinen-Predigt wacht Werder in Heidenheim auf – und offenbart doch ein großes Konstanz-Problem
Der SV Werder Bremen zeigte gegen den 1. FC Heidenheim eine ganz schwache Leistung - Trainer Horst Steffen wurde in seiner Halbzeitansprache sogar richtig laut!
Heidenheim – Marco Friedl hatte die knackige Ansage gar nicht richtig mitbekommen. Der Kapitän des SV Werder Bremen plagt sich aktuell mit einem dicken Zeh herum, bekam in der Pause des Auswärtsspiels gegen den 1. FC Heidenheim erst einmal eine Spritze verpasst. Doch auch wenn ihn in diesem Moment dicke Mauern von der Mannschaft trennten, so habe er – verriet er später – unüberhörbar registriert: In der Kabine wurde es richtig laut. Horst Steffen und sein Trainerstab waren so gar nicht angetan von dem, was ihr Team in der ersten Halbzeit gezeigt hatte. Nach einem weitgehend blutleeren Auftritt gab es einen gehörigen Anpfiff. Und anschließend immerhin eine erkennbare Steigerung. „Es war aber nicht so, dass ich sage, dass die zweite Halbzeit deutlich besser war, sondern es war das, was ich erwarten kann“, erklärte der 56-Jährige nach dem 2:2 (0:0) auf dem Heidenheimer Schlossberg. Werders Leistungen in der Liga schwanken bedenklich, wofür es durchaus Gründe gibt – die erschreckende Leidenschaftslosigkeit des vergangenen Samstags rechtfertigt das jedoch keineswegs.
Werder Bremens Horst Steffen: „Wir haben jetzt wirklich alles an Ausfällen schon durch, glaube ich. Jetzt reicht es auch“
Da ist die personelle Komponente. Die Verletzungssorgen des SV Werder Bremen auf den Flügeln zwangen Horst Steffen nun zum Umbau der Abwehrkette. Marco Friedl rückte auf die linke Seite, in der Mitte verteidigten Karim Coulibaly und Amos Pieper Seite an Seite. Über die Geburt von Senne Lynens zweites Kind freuten sich zwar auch die Kollegen, sein Fehlen auf der Ostalb wog im defensiven Mittelfeld aber schwer. „Dass Senne sich verabschiedet hat, war korrekt und gehört sich so. Der Grund ist ja auch schön. Aber es passt zu unseren kuriosen Ausfällen, die wir haben, seitdem ich hier bin“, sagte Horst Steffen lachend und seufzte. Es wirkte, als hadere er allmählich mit dem Schicksal: „Wir haben jetzt wirklich alles an Ausfällen schon durch, glaube ich. Jetzt reicht es auch.“ Die erneuten Umstellungen gegen den 1. FC Heidenheim waren jedenfalls wenig hilfreich dabei, einer ohnehin nach verlässlichen Abläufen gierenden Werder-Elf Sicherheit zu geben.
Ob alle Entscheidungen bei der Aufstellung richtig gewesen seien, wurde der Coach des SV Werder Bremen noch gefragt – und entgegnete: „Ich werde es mir anschauen, vielleicht gibt es im Nachgang noch eine Idee. Die Vorbereitung auf das Spiel war vernünftig, wie wir es umgesetzt haben, war nicht vernünftig.“ Dass es trotz der dürftigen ersten Hälfte keine personellen Veränderungen nach 45 Minuten gab, überraschte – doch dahinter steckte auch ein pädagogischer Kniff. „Möglicherweise gibt es nächstes Mal auch einen Wechsel in der Halbzeit, weil es sich einige verdient haben“, sagte Horst Steffen zwar, erklärte aber auch: „Ich habe den Jungs nochmal die Chance gegeben und ihnen gesagt: ,Kommt nochmal in die zweite Halbzeit rein, ich vertraue euch, gebt Vollgas.‘ Und dann war es ein anderes Bild, das sie abgegeben haben.“ Kein besonders glanzvolles zwar, aber die Führung durch Marco Grüll sprang eben doch heraus (50.). Selbst als die Gäste den Ausgleich kassierten (67.), schlugen sie durch einen Treffer von Jens Stage (69.) postwendend zurück. Doch es passte zu diesem Tag, dass Werder trotzdem nicht als Sieger den Platz verließ, am Ende sogar fast noch gegen den 1. FC Heidenheim verloren hätte, wenn Mio Backhaus nicht zweimal stark pariert hätte.
Werder Bremens Clemens Fritz nach Remis gegen den 1. FC Heidenheim: „Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen“
Und so hingen die Köpfe dann eben mehr, als dass sie aufrecht getragen wurden. „Vom gesamten Spiel her war die Leistung nicht mehr als einen Punkt wert“, räumte Jens Stage ein. „Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen“, meinte Clemens Fritz - und der Fußball-Chef des SV Werder Bremen fügte an: „Gerade im Spiel mit dem Ball können wir besser werden, da haben wir einfach viel mehr Qualität. Und da merkt man halt, dass die Abläufe noch nicht zu 100 Prozent sitzen. Trotzdem bin ich optimistisch, denn wir arbeiten intensiv daran und ich glaube, wir werden in den nächsten Wochen bessere Leistungen zeigen.“ Auf dieses Prinzip Hoffnung setzt auch Horst Steffen. „Ich breche da keinen Stab über die Jungs. Sie haben die Chance, das wieder besser zu machen“, sagte der Rheinländer. „Sie haben eine Entwicklung genommen, von der ich sage: Da sind wir in die richtige Richtung unterwegs.“ Kapitän Marco Friedl sehnt vor allem die Konstanz herbei. „Wir müssen drei, vier Wochen mit derselben Aufstellung spielen. Das würde uns guttun“, betonte Werders Abwehrchef. „Aber da sind wir noch nicht. Deswegen ist es auch nicht so einfach für das ganze Trainerteam, das richtige Mittel zu finden. Aber wenn man es insgesamt mit letztem Jahr vergleicht, ist es okay. Wir haben gegen die Mannschaften gepunktet, gegen die wir letztes Jahr auch gepunktet haben. Von daher ist das noch alles im Soll.“ (mbü)
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