Werder-Profi äußert Kritik
Romano Schmid zählt Werder-Defensive nach Heidenheim-Remis an – und kassiert dafür prompt einen Rüffel
Romano Schmid äußert harte Kritik an der Defensive des SV Werder Bremen nach dem Remis gegen den 1. FC Heidenheim - und kassiert dafür einen Rüffel von Sportchef Clemens Fritz.
Heidenheim – Die Unzufriedenheit war groß – nicht nur bei Romano Schmid. Doch wie bei keinem anderen Akteur des SV Werder Bremen platzte sie aus dem Österreicher hinaus. Der 25-Jährige grantelte gehörig nach dem 2:2 (0:0) beim 1. FC Heidenheim, zählte die eigene Defensive an und nahm die gesamte Mannschaft in die Pflicht. Nicht zum ersten Mal übrigens. Bei Werders Fußball-Chef kam die öffentliche Schelte des Offensivspielers überhaupt nicht gut an, der Rüffel für Schmid ließ nicht lange auf sich warten.
Werder Bremens Romano Schmid nach dem Remis gegen den 1. FC Heidenheim: „Ich kann mir nicht erklären, wie wir teilweise verteidigen“
„Ich kann mir nicht erklären, wie wir teilweise verteidigen“, polterte der Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen kurz nach dem Abpfiff am „Sky“-Mikrofon. „Nach dem 1:1 kommen wir gut zurück, und dann muss man es halt auch verteidigen. Da muss man mehr sprechen in der letzten Kette. Da kann es nicht sein, dass einer auf dem langen Pfosten durchläuft und ,Danke‘ sagt.“ Romano Schmids verbaler Rundumschlag war damit noch nicht beendet, er legte direkt nach. „Man will Kontrolle ins Spiel kriegen – aber was machen wir?“, fragte der Nationalspieler nach dem Remis gegen den 1. FC Heidenheim frustriert. „Wir schießen den Ball ohne Druck ins Aus. Wenn wir 2:1 führen und Heidenheim uns nicht attackiert, lassen wir halt mal den Ball laufen – und das haben wir nicht geschafft. Die sehen, wir schießen ohne Druck den Ball ins Aus, und das pusht den Gegner natürlich. Das darf uns nicht passieren. Wir sind Bundesliga-Spieler, da müssen wir den Ball laufen lassen.“
Werder Bremen mangelte es auf der Ostalb am Samstagnachmittag generell an Souveränität, eigene Ballbesitzphasen endeten viel zu abrupt, die Leidenschaft im Spiel gegen den Ball fehlte über weite Strecken der Partie gegen den 1. FC Heidenheim. Ein Kopfproblem wollte Romano Schmid als Begründung nicht gelten lassen, er monierte einen anderen Aspekt: „Es ist dann schon ein Kommunikations-Ding. Es muss jeder sprechen, egal ob man Deutsch spricht oder Englisch, ob man jung ist oder alt. Man muss sprechen – in der Bundesliga gewinnt man keine Spiele, wenn man solche Tore kriegt.“
Werder Bremens Clemens Fritz: „Wir sollten überhaupt nicht damit anfangen, von hinten nach vorne und von vorne nach hinten zu zeigen“
So berechtigt die Kritik inhaltlich mitunter sein mag, so unschön fand es Clemens Fritz, dass die Defizite nicht in der Kabine angeprangert wurden. „Also erstmal sollte sich jeder selbst hinterfragen“, betonte der Ex-Profi, als er auf Romano Schmids Wutrede angesprochen wurde. „Wir sollten überhaupt nicht damit anfangen, von hinten nach vorne und von vorne nach hinten zu zeigen. Das will ich nicht.“ Und mehr noch: „Das Entscheidende ist, dass jeder sein Bestes einbringt, um die Mannschaft zu unterstützen und zu helfen. Wir haben teilweise in der vordersten Reihe die Bälle zu schnell verloren, was wir dann hinten klären und löschen mussten. Von daher ist es immer ganz gut, wenn jeder bei sich bleibt und nicht mit dem Finger woanders hinzeigt.“ Trainer Horst Steffen, der seit seiner Amtsübernahme beim SV Werder Bremen intensiv den Fokus auf ein gutes Miteinander in der Mannschaft richtet, hatte indes noch gar nicht mitbekommen, was Schmid gesagt hatte – und erklärte deshalb: „Da muss ich mir erstmal anhören, was er gesagt hat. Wenn ich das getan habe, kann ich drauf reagieren und mit ihm sprechen. Dass Romano sicherlich seine Emotionen hat, wisst ihr besser als ich.“ Und Steffen ergänzte vielsagend: „Beziehungsweise habe es auch schon erfahren.“ Weil Schmid eben auch intern den Mund aufmacht, wenn er es für richtig hält.
Die Situation weckt Erinnerungen an den vergangenen Februar. Damals hatte Werder Bremen gerade eine heftige 0:5-Klatsche in Freiburg kassiert, bei der Romano Schmid eine gestenreiche Diskussion mit Justin Njinmah geführt hatte, weil er nicht mit der Leistung seines Kollegen einverstanden war. Hinterher hatte der damalige Coach Ole Werner zwar keine Namen genannt, aber ebenfalls kritisiert, dass mitunter die Schuld nicht bei sich, sondern woanders gesucht werde. „Das größte Problem in solchen Momenten ist, wenn man nach anderen guckt, die Dinge schlecht machen“, hatte der jetzige Leipziger gesagt. „Da wird man welche finden. Das heißt aber nicht, dass man es selbst besser gemacht hat.“ Schmid hatte gegen den 1. FC Heidenheim die beiden Werder-Treffer vorbereitet, zum ersten Mal überhaupt in der Bundesliga gelangen ihm zwei Assists in einer Partie. Freuen konnte er sich darüber offenkundig nur wenig – und dürfte mit seinen Äußerungen intern ordentlich angeeckt sein. (mbü)
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