Wie sich Werders Ex-Profis schlagen
Füllkrug, Gruev, Schmidt, Buchanan und Co.: So läuft es für Werders Sommer-Abgänge bei ihren neuen Clubs
Der SV Werder Bremen hat im Sommer 2023 insgesamt zehn Spieler abgegeben. Doch wie läuft es für Niclas Füllkrug, Ilia Gruev und Co. bei ihren neuen Clubs? Die DeichStube hat bei Werders Abgängen genau hingeschaut.
Bremen – Im Sommer hat es einen großen Umbruch im Kader des SV Werder Bremen gegeben: Gleich zehn Spieler aus dem Aufgebot der Vorsaison haben die Hanseaten endgültig verlassen. Unter ihnen einige Profis, die sportlich eine gewichtige Rolle eingenommen haben – allen voran natürlich Bundesliga-Torschützenkönig Niclas Füllkrug (heute Borussia Dortmund). Doch auch Ilia Gruev (Leeds United) zählte mit 18 Startelf-Einsätzen in der Bundesliga-Vorsaison zum erweiterten Kreis der Stammspieler. Zudem wechselten Niklas Schmidt (FC Toulouse), Fabio Chiarodia (Borussia Mönchengladbach), Lee Buchanan (Birmingham City), Manuel Mbom (Viborg FF), Maximilian Philipp (VfL Wolfsburg/SC Freiburg), Yannik Engelhardt (Fortuna Düsseldorf), Oscar Schönfelder (Jahn Regensburg) und Kyu-hyun Park (Dynamo Dresden) aus unterschiedlichen Gründen den Verein. Ein halbes Jahr später hat die DeichStube genau hingeschaut, wie sich die Werder-Abgänge bislang bei ihren neuen Clubs geschlagen haben.
Niclas Füllkrug (Borussia Dortmund): Mit 16 Toren sicherte der Nationalspieler dem SV Werder Bremen in der Vorsaison nicht nur den Klassenerhalt, sondern sich selbst auch die Torjägerkanone. Sportlich umso bitterer war es, als der 30-Jährige im Sommer dann kurz vor Toreschluss noch zum BVB wechselte, wo er seitdem ebenfalls zu den Leistungsträgern zählt. Bei den seit sechs Pflichtspielen sieglosen Dortmundern stand der Ex-Bremer in 14 von 16 Liga-Partien in der Startelf, markierte fünf Treffer und legte fünf weitere Tore auf. Das sind zwar keine überragenden, aber zumindest sehr ordentliche Werte. Zudem erfüllte sich „Fülle“ seinen Traum von der Champions League, wo er in allen Gruppenspielen zum Einsatz kam und seinen ersten und bislang einzigen Treffer beim 2:0-Erfolg gegen Newcastle United erzielte. Auch deshalb überwintern Niclas Füllkrug und Co. in der Königsklasse. Nach der Auftaktniederlage gegen Paris St. Germain blieb Borussia Dortmund ungeschlagen und qualifizierte sich souverän fürs Achtelfinale. In der Bundesliga liegt der Vizemeister allerdings nur auf einem enttäuschenden fünften Platz.
Werder Bremens Sommer-Abgänge: Ilia Gruev sitzt bei Leeds United häufig auf der Bank - Bei Niklas Schmidt läuft‘s rund
Ilia Gruev (Leeds United): Das hatte sich Ilia Gruev sicherlich ganz anders vorgestellt: Nachdem der 23-Jährige bei Werder Bremen in der abgelaufenen Spielzeit noch auf dem Sprung zur Stammkraft im Mittelfeld stand, läuft es für den bulgarischen Nationalspieler bei Premier-League-Absteiger Leeds United bislang alles andere als rund. Bei den „Whites“ kam Gruev in 20 möglichen Spielen seit seinem Transfer nach England nur zehn Mal zum Zug, sechs Mal davon nicht länger als eine Minute. Nur bei der 0:1-Niederlage gegen Stoke City am 25. Oktober ließ Trainer Daniel Farke Gruev mal von Beginn an ran. Zehn Mal blieb das Bremer Eigengewächs sogar ganz ohne Einsatz. Eine ernüchternde Bilanz. Einen Vorwurf vom Trainer gibt es dennoch nicht, im Gegenteil: „Ich muss sagen, dass ich wirklich zufrieden mit Ilia bin“, sagte Daniel Farke Ende Oktober über den 6,5 Millionen Euro teuren Neuzugang von der Weser. Gruevs Problem: Die Konkurrenz auf seiner Position spielt auf konstant hohem Niveau, was wenig Anlass für Veränderungen gibt. Ohnehin läuft es sehr gut für den Club von der Elland Road, der als Tabellenvierter den Wiederaufstieg in die Premier League fest im Visier hat.
Niklas Schmidt (FC Toulouse): Im Sommer war der Fan-Liebling des SV Werder Bremen etwas überraschend für eine Ablösesumme von 2,5 Millionen Euro zum FC Toulouse nach Frankreich gewechselt. Und das hat sich für Niklas Schmidt durchaus bezahlt gemacht: Der gebürtige Kasselaner hatte zwar schon die eine oder andere Zwangspause zu verzeichnen, kam aber in immerhin zwölf Partien in der Ligue 1 zum Einsatz (neun Mal von Beginn an). Beim 3:0-Heimsieg gegen den FC Metz erzielte er seinen bislang einzigen Treffer. Zwar steckt Schmidt mit seinem neuen Club wie zuvor mit Werder mitten im Abstiegskampf - der FC Toulouse belegt nach 16 Spieltagen den Relegationsplatz - dennoch betonte der an Depressionen leidende Ex-Profi des SV Werder Bremen zuletzt, dass sich der Wechsel ins Nachbarland „positiv“ auf seine psychische Verfassung ausgewirkt habe. Durch die vielen neuen Eindrücke komme er „nicht so sehr ins Grübeln“. Die sportliche Ablenkung gelang Schmidt besonders in der Europa League, wo der FC Toulouse nicht nur sensationell den großen FC Liverpool mit 3:2 besiegte, sondern sich obendrein spektakulär fürs Achtelfinale qualifizierte. Dort erwartet Schmidt, der in Europa in fünf von sechs Partien auf dem Rasen stand, mit Benfica Lissabon bereits das nächste sportliche Highlight.
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Werder Bremens Sommer-Abgänge: Fabio Chiarodia bei Borussia Mönchengladbach noch ein gutes Stück von einem Stammplatz entfernt
Fabio Chiarodia (Borussia Mönchengladbach): Fabio Chiarodias Abschied aus Bremen im vergangenen Sommer schmeckte Werder Bremen so gar nicht. Schließlich hatte das 18-jährige Abwehr-Talent zuvor seit 2014 die Nachwuchsabteilung des Vereins durchlaufen und hatte im Werder-Trikot sowohl in der Bundesliga als auch im DFB-Pokal debütiert. Er sollte an der Weser ein Mann für die Zukunft werden, doch Fabio Chiarodia entschied sich anders und machte von einer Ausstiegsklausel Gebrauch, die es ihm erlaubte, die Grün-Weißen für eine festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von zwei Millionen Euro in Richtung Borussia Mönchengladbach zu verlassen. Für die „Fohlen“ bringt es der italienische U19-Nationalspieler seither auf acht Pflichteinsätze, fünf davon in der Liga und drei im DFB-Pokal, wo er im Achtelfinale gegen den VfL Wolfsburg kürzlich erstmals über die volle Distanz (inklusive Verlängerung) auf dem Platz stehen durfte. Von einem Stammplatz ist er aber noch ein gutes Stück entfernt, weshalb es von Ex-Trainer Ole Werner zuletzt eine kleine Spitze gab: „Am Ende des Tages hätte er bei uns vielleicht schon die eine oder andere Minute mehr sammeln können als in Gladbach. Schade, aber jetzt sind die nächsten da, und um die kümmert man sich dann.“
Lee Buchanan (Birmingham City): Lee Buchanan ist nach seinem erfolglosen Intermezzo beim SV Werder Bremen wieder zurück in der englischen Heimat bei Championship-Club Birmingham City und muss gerade einen herben Rückschlag wegstecken. Nach einem Zusammenprall mit einem Teamkollegen in der Partie am 23. Dezember bei Plymouth Argyle wurde er ins Krankenhaus gebracht und fällt vorerst aus. Beim englischen Zweitligisten lief es für den Linksverteidiger bis dahin um Längen besser als zuvor an der Weser. Der 22-Jährige war einer der Schlüsselspieler bei den „Blues“, stand, wenn er denn fit war, fast immer über die volle Distanz auf dem Rasen. Allerdings setzte den Ex-Bremer Ende September schon eine schwere Muskelverletzung für acht Spiele außer Gefecht, was Birminghams damaliger Trainer John Eustace wie folgt kommentierte: „Das ist ein massiver Verlust für uns. Lee war in hervorragender Verfassung und ist einer der besten Linksverteidiger der Liga.“ Kurze Zeit später musste Eustace seinen Hut nehmen, Birmingham verpflichtete Star-Coach Wayne Rooney, unter dem es allerdings wesentlich schlechter läuft als mit seinem Vorgänger. Doch auch unter Rooney liefert Lee Buchanan stabile Auftritte ab und ist unumstrittener Stammspieler. Ganz anders als Teamkollege Oliver Burke, der vom SV Werder nach Birmingham verliehen wurde. Der schottische Stürmer kommt auch in England nicht in Tritt und war noch an keinem einzigen Treffer beteiligt.
Werder Bremens Sommer-Abgänge: Manuel Mbom pendelt bei Viborg FF zwischen Startelf und Bank
Manuel Mbom (Viborg FF): Auch Eigengewächs Manuel Mbom kehrte dem SV Werder Bremen im Sommer den Rücken. Der gebürtige Göttinger hatte sich aufgrund mangelnder Perspektiven an der Weser dem dänischen Erstligisten Viborg FF angeschlossen. Bei den Nordeuropäern kommt der 23-jährige Mittelfeldspieler seitdem zwar regelmäßig zum Zug, stand in zehn von elf möglichen Partien auf dem Platz, pendelt dabei allerdings zwischen Startelf und Ersatzbank. Mit Viborg belegt der Ex-Bremer in der Superligaen Rang acht von zwölf Teams. Mbom war im Alter von 13 Jahren zu Werder gekommen, hatte es unter anderem bis in die deutsche U21-Nationalmannschaft geschafft. Für die Bremer Profis absolvierte er insgesamt 46 Pflichtspiele und erzielte dabei ein Tor.
Maximilian Philipp (VfL Wolfsburg/SC Freiburg): Die Rückkehr in den Breisgau begann für Maximilian Philipp wie im Märchen: Ausgerechnet im ersten Ligaspiel gegen Werder Bremen traf der eingewechselte Stürmer zum umjubelten 1:0-Siegtreffer für den SC Freiburg. Und auch in der Europa League netzte „Milli“ im ersten Einsatz. Doch auf den Traumstart folgte die totale Ernüchterung: Im Europa-League-Spiel gegen den FK TSC Backa Topola zog sich der 29-Jährige Ende Oktober eine Schultereckgelenksprengung zu und fällt seitdem verletzt aus. Rückkehr ungewiss. Während seiner halbjährigen Leihstation beim SV Werder Bremen hatte Maximilian Philipp in der vergangenen Saison sportlich nicht wirklich überzeugen können. Nach 15 Einsätzen (davon nur drei von Beginn an) und einem Tor hatten sich die Wege im Sommer wieder getrennt. Philipp ist noch bis 2024 vom VfL Wolfsburg an den SC Freiburg ausgeliehen.
Werder Bremens Sommer-Abgänge: Yannik Engelhardt mit Fortuna Düsseldorf auf Bundesliga-Kurs
Yannik Engelhardt (Fortuna Düsseldorf): Dieser Schritt hat sich gelohnt! Nach zwei starken Jahren mit dem SC Freiburg II in der 3. Liga schloss sich Yannik Engelhardt, der bis zum Sommer noch offiziell dem SV Werder Bremen gehörte, im Sommer Zweitligist Fortuna Düsseldorf an. Und das nur einen Tag, nachdem Werder ihn an den SC Freiburg verkauft hatte. Für den defensiven Mittelfeldspieler entpuppte sich der Wechsel in die 2. Bundesliga als voller Erfolg. Bei den Rheinländern zählt der 22-Jährige längst zum Stammpersonal, verpasste nur drei Spiele und erzielte bereits zwei Treffer. Und auch sportlich läuft es für Düsseldorf wie am Schnürchen: Mit der Fortuna steckt Engelhardt, für den Werder eine kolportierte Ablöse von 900.000 Euro vom SC Freiburg kassierte, als Tabellenvierter mittendrin im Aufstiegsrennen und hat zudem das DFB-Pokal-Viertelfinale erreicht. Dort treffen Engelhardt und Co. am 30. Januar auf den FC St. Pauli. Engelhardts Vertrag bei der Fortuna läuft bis Juni 2026, der SC Freiburg besitzt eine Rückkaufoption in Höhe von 2,2 Millionen Euro.
Oscar Schönfelder (Jahn Regensburg): In der vorigen Saison gehörte Oscar Schönfelder als Leihspieler des SV Werder Bremen bereits dem Regensburger Kader an, wegen eines Kreuzbandrisses fiel er aber an 33 von 34 Spieltagen verletzt aus und absolvierte kein einziges Pflichtspiel. Der Zweitliga-Absteiger glaubte dennoch an den 22-Jährigen und verpflichtete ihn für rund 250.000 Euro fest. Und Schönfelder hat diesen Entschluss des Vereins mit Leistung zurückgezahlt: Der Flügelspieler stand in 18 von 20 möglichen Spielen für den Drittliga-Tabellenführer auf dem Feld, 14 Mal in der Startelf. Dabei gelangen dem gebürtigen Berliner, der für Werder zehn Zweitliga-Spiele absolvierte, ein Tor und zwei Assists. Im letzten Spiel vor der Winterpause fehlte Schönfelder gegen die SpVgg Unterhaching allerdings „aus disziplinarischen Gründen“ (Zitat Trainer Joe Enochs) im Kader. Nach der Winterpause will Schönfelder, dessen Arbeitspapier beim SSV Jahn Regensburg bis Sommer 2025 datiert ist, dann wieder auf dem Rasen für Wirbel sorgen.
Werder Bremens Sommer-Abgänge: Kyu-hyun Park kommt bei Dynamo Dresden nicht so oft zum Zug
Kyu-hyun Park (Dynamo Dresden): Von der U23 des SV Werder Bremen in die südkoreanische Nationalmannschaft! Linksverteidiger Kyu-hyun Park hat zweifellos einen besonderen Aufstieg hingelegt. Im Juni dieses Jahres debütierte der 22-jährige Ex-Bremer für das Team von Nationalcoach Jürgen Klinsmann und kam im Freundschaftsspiel gegen El Salvador (1:1) unter anderem Seite an Seite mit Weltstar Heung-min Son (Tottenham Hotspur) für sein Heimatland zum Einsatz. Bei seinem Stammclub Dynamo Dresden, der ihn nach einjähriger Ausleihe vom SV Werder im vergangenen Sommer fest verpflichtet hatte, lief es zuletzt allerdings deutlich weniger glamourös. In der laufenden Drittliga-Spielzeit kam Park nur auf sieben Liga-Einsätze für die SGD, die auch in dieser Spielzeit zu den Aufstiegskandidaten zählt. Parks geringe Einsatzzeiten unter Ex-Werder-Trainer Markus Anfang lagen einerseits an Länderspielabstellungen und einer Zehenverletzung, andererseits zeigte der Südkoreaner aber auch schwankende Leistungen. Für Werder Bremens Profis gehörte Kyu-hyun Park einst zwölf Mal zum Spieltagskader, wurde aber nie eingesetzt. Stattdessen lief er in 24 Partien für die Bremer U23 in der Regionalliga Nord auf. (mwi)