Aus für Kaderplaner Jahns
Nach Panne und Liga-Krise: Werder-Verantwortlicher muss im Sommer Posten räumen
Knall hinter den Kulissen beim SV Werder Bremen und Konsequenz einer schlechten Saison: Johannes Jahns muss seinen Posten als Kaderplaner in Kürze räumen.
Abstiegskampf statt Weiterentwicklung, Rück- statt Fortschritt: Für den SV Werder Bremen läuft die aktuelle Bundesligasaison gänzlich anders als im vergangenen Sommer geplant. Anstatt wie angestrebt ums internationale Geschäft, spielt die Mannschaft schon lange nur noch ums nackte Überleben in Liga eins – Ausgang äußerst ungewiss. Nach dem 0:2 gegen Mainz 05 ist das Szenario des dritten Abstiegs der Clubgeschichte wieder etwas wahrscheinlicher geworden. Das hat nun weitere Konsequenzen. Nachdem in Cheftrainer Horst Steffen zu Beginn des Jahres bereits der erste Verantwortliche gehen musste (und durch Daniel Thioune ersetzt wurde), trifft es im Sommer einen weiteren: Kaderplaner Johannes Jahns muss seinen Posten räumen. Einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung von Dienstagmorgen kann die DeichStube bestätigen. Geschäftsführer Fußball Clemens Fritz hat die Entscheidung getroffen, der Aufsichtsrat ist informiert.
Johannes Jahns ab Sommer nicht mehr Kaderplaner bei Werder Bremen: Kompletter Abgang oder neue Rolle im Club?
Wie zu erfahren ist, hatte es bereits nach der ersten Halbserie intern eine großangelegte Analyse der bis dato von etlichen Fehleinschätzungen und Pannen geprägten Saison gegeben. Johannes Jahns war bei den Bossen bereits da kritisch in den Fokus gerückt, weil sie in ihm den Hauptverantwortlichen für die peinliche Leihspieler-Panne sehen. Zur Erinnerung: Erst durch einen Hinweis des Portals „transfermarkt.de“ war Werder Bremen aufgegangen, dass der Club – anders als zunächst vermutet – während der Wintertransferphase doch weitere Spieler ausliehen kann. Als die Sache rauskam, sorgte sie umgehend bundesweit für Schlagzeilen – und machte die Bremer zur Lachnummer. Als Jahns‘ Vorgesetzter nahm Fritz den Fauxpas öffentlich auf seine Kappe. Zum Gedanken beigetragen, die Kaderplanung ab der neuen Saison in andere Hände zu legen, hat der Fall trotzdem. Eine sofortige Trennung von Jahns soll im Winter nach DeichStube-Informationen aber kein Thema gewesen sein. Wie (und ob überhaupt) es mit dem gebürtigen Bremer künftig bei Werder weitergeht – offen. Die Gespräche zwischen Fritz und Jahns werden in dieser Sache zeitnah aufgenommen. Denkbar sind sowohl ein kompletter Abgang als auch eine veränderte Rolle im Club.
Etwas mehr als drei Jahre ist es jetzt her, dass der SV Werder Bremen Johannes Jahns als neuen Kaderplaner an Land gezogen hat – mit großen Vorschusslorbeeren nahm er seine Arbeit am Osterdeich auf. Schließlich war Jahns beim FC Red Bull Salzburg in die Transfers späterer großer Namen involviert gewesen. Erling Haaland oder Dayot Upamecano sind hier in erster Linie zu nennen. Unter anderem dadurch hat er sich in der Branche den Ruf als wahrer Perlentaucher erarbeitet. Daran hat sich, wie zu hören ist, übrigens bis heute nichts verändert: Unter Fachleuten ist Jahns nach wie vor hoch angesehen. Seine Bremer Zeit begann ebenfalls äußerst prominent – mit dem Transfer von Naby Keita, der sich jedoch zu einem der größten Missverständnisse der Clubgeschichte entwickelte. Kein guter Start für den Chef der Bereiche Scouting, Kaderplanung und Recruiting. Auch in den Folgejahren las sich die Bremer Transferbilanz nicht viel besser, die großen Volltreffer blieben aus, die Fehlgriffe häuften sich. Victor Boniface ist hier der jüngste Fall.
Aus von Johannes Jahns: Werder Bremen braucht neuen Kaderplaner - Suche dürfte zeitnah Fahrt aufnehmen
Ob es in Werders sportlicher Führung im Sommer weitere Veränderungen geben wird, steht indes noch nicht fest. Nach Informationen der DeichStube genießt Clemens Fritz als Sportchef zwar nach wie vor die volle Rückendeckung des Aufsichtsrats, eine Jobgarantie für den Ehrenspielführer soll es jedoch ausdrücklich nicht geben – schon gar nicht im Falle des drohenden Abstiegs. Nach der Saison will das Kontrollgremium zur großen Analyse zusammenkommen, ohne Denkverbote, heißt es. Was für einen Fritz-Verbleib spricht: Gespräche mit möglichen Alternativkandidaten für den Sportchef-Posten hat der Aufsichtsrat bisher weder geführt noch anberaumt. Als es 2024 um die Nachbesetzung von Frank Baumann ging, war unter anderem der Name Tim Steidten ein Thema, Werder Bremens ehemaliger Kaderplaner erfüllte aber das gewünschte Profil der Club-Wächter nicht. Inzwischen ist der in Bremen lebende Steidten ohnehin vom Markt: Vor wenigen Tagen wurde er als neuer Direktor Recruiting und Kaderplanung beim 1. FC Köln vorgestellt. Auch ein möglicher Nachfolger für Johannes Jahns ist er dementsprechend nicht.
Klar ist: Neu besetzt werden soll die Rolle, die Suche dürfte zeitnah Fahrt aufnehmen – und entscheidend sein für die Frage, wie gut es Clemens Fritz gelingt, sein Team der sportlichen Führung neu aufzustellen. Peter Niemeyer als Leiter Profifußball soll in seiner Rolle übrigens nicht zur Debatte stehen. Zwar fremdelt der Ex-Profi nach wie vor mit seinen Auftritten in der Öffentlichkeit, genießt intern aber das Vertrauen, weil seine zuverlässige Arbeitsweise geschätzt wird. (dco)
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