Hintergründe der Krise

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald erklärt Bremer Fehler und stemmt sich gegen Kritik an Sportchef Clemens Fritz

SVW-Präsident Hubertus Hess-Grunewald gibt Einblicke in die Probleme des SV Werder Bremen und erklärt, wieso er Sportchef Clemens Fritz in der Krise stärkt.

Es brodelt rund um den SV Werder Bremen. Elf sieglose Spiele, ein Trainerwechsel und wiederkehrende spielerische Probleme drücken mächtig auf die Stimmung. Das war auch Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald am Sonntagabend anzumerken, als er sich in der TV-Sendung „buten un binnen“ kritischen Fragen zur Bremer Lage stellte – und abermals den Zusammenhalt beschwörte sowie dem in der Kritik stehenden Sportchef Clemens Fritz den Rücken stärkte. „Wir sind mit Clemens Fritz zufrieden, weil wir sein Engagement und seine Arbeit sehen“, erneuerte Hess-Grunewald den Rückhalt trotz zahlreicher Reibungspunkte wie ausgebliebenen Transfers, der große Flaute im Sturm und allen voran der Leih-Posse. „Man kann über jeden einzelnen Vorgang sprechen und es ist nicht wegzudiskutieren, dass ein paar Dinge nicht optimal gelaufen sind“, gab zwar auch der Werder-Präsident zu, betonte jedoch zugleich: „Aber man kann sie auch erklären.“

Präsident Hubertus Hess-Grunewald (li.) verteidigt Clemens Fritz (re.), den zunehmend in der Kritik stehenden Sportchef des SV Werder Bremen.

Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald verteidigt Sportchef Clemens Fritz und erklärt gemachte Fehler

Angefangen mit der Bremer Transfer-Politik erinnerte der Aufsichtsrats-Vorsitzende zumindest indirekt an die begrenzten finanziellen Mittel beim SV Werder Bremen und betonte: „Wir als Aufsichtsrat sehen, dass Clemens im Rahmen seiner Möglichkeiten mit seiner Arbeit alles tut und Tag und Nacht für Werder arbeitet.“ Hinzu komme zudem, dass zahlreiche und langwierige Verletzungen vor allem in der Abwehr auch die Kaderzusammenstellung beeinflusst hätten: „Dass man dann im Rahmen der Transferpolitik umdenken muss, ist doch völlig klar. Wir mussten sehen, dass wir die Schlüsselpositionen besetzt bekommen.“ Womit wir bei der andauernden Harmlosigkeit im Bremer Angriff angelangt wären. „Im Sturm ist das nicht gelungen“, gab Hess-Grunewald unumwunden zu, störte sich aber auch daran, dass der im Sommer abgegebene Marvin Ducksch nun teils „als Heilsbringer“ angesehen werde, der den Bremern aktuell fehlt. „An Marvin Ducksch wurde sich über Jahre abgearbeitet“, verwies der 65-Jährige auf die zahlreichen kritischen Stimmen aus dem Bremer Umfeld an der Spielweise des ehemaligen Werder-Stürmers.

Lob für Clemens Fritz und Reaktion auf Sturm-Flaute: Präsident Hubertus Hess-Grunewald über Krise des SV Werder Bremen

Und dennoch: Dass der Abgang von Marvin Ducksch, der in seinen drei Bundesliga-Jahren beim SV Werder Bremen 59 Scorer-Punkte (32 Tore, 27 Vorlagen) beigesteuert hatte, weder im vergangenen Sommer noch zuletzt im Winter kompensiert wurde, liegt auf der Hand – wenngleich es anders geplant gewesen sei: „Die Idee war, dass man mit Keke Topp und Victor Boniface zwei Spieler hat, die sich die Spielzeiten teilen sollen, weil wir auch wussten, dass Victor nicht ganz fit sein wird, er mit seiner Klasse aber bestimmte Spielzeiten kriegen kann.“ Aufgegangen ist der Plan mit dem verletzungsanfälligen Boniface und dem noch Bundesliga-unerfahrenen Topp bekanntlich nicht, weshalb im Winter als letzte Sturm-Hoffnung Jovan Milosevic auf Leihbasis vom VfB Stuttgart verpflichtet wurde. Ein Transfer, der ohne den Hinweis von „transfermarkt.de“, dass mehr als nur sechs Ausleihen getätigt werden können, möglicherweise gar nicht zustande gekommen wäre – was die Kritik an Clemens Fritz weiter befeuerte. „Es wäre für ihn ein Leichtes gewesen, die Schuld auf andere zu schieben“, merkte Hess-Grunewald an und lobte: „Genau das hat er nicht getan. Das spricht gerade für Clemens und seinen Charakter. Er stellt sich vor seine Mitarbeiter und übernimmt Verantwortung als zuständiger Geschäftsführer. Das ist, was Führung und Schutz der Mitarbeiter angeht, vorbildhaft und großartig.“ (tos)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Sven Simon

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