Werder-Stürmer mit Defensivproblemen
Das Problem mit der Position und dem Trainingseifer: Samuel Mbangula wartet bei Werder weiterhin auf den Durchbruch
Zehn-Millionen-Euro-Neuzugang Samuel Mbangula wartet beim SV Werder Bremen nach wie vor auf seinen Durchbruch - woran er noch arbeiten muss!
Geht es allein um die Einsatzzeit, war die Partie beim FC St. Pauli (1:2) für Samuel Mbangula ein persönlicher Erfolg. Denn: Erstmals stand der Belgier in der Bundesliga über die komplette Spielzeit für den SV Werder Bremen auf dem Platz. Angesichts der Niederlage und des damit verbundenen Abrutschens der Bremer auf einen direkten Abstiegsplatz dürfte dieser Fakt für den 22-Jährigen jedoch kaum mehr als eine Randnotiz sein. Hinzu kommt, dass Mbangula am entscheidenden Gegentreffer nicht unbeteiligt war.
Werder Bremens Daniel Thioune: „Vor dem zweiten Gegentor hätte sich Samuel Mbangula stärker auf den äußeren Kettenspieler fokussieren müssen“
„Vor dem zweiten Gegentor hätte er sich stärker auf den äußeren Kettenspieler fokussieren müssen. Das ist ihm nicht gelungen, weil er den Laufweg nicht aufgenommen hat“, erklärt Cheftrainer Daniel Thioune. Nach einem Abschlag von Torhüter Mio Backhaus ins Zentrum kam der Ball postwendend zurück. Mbangula schaltete zu langsam um, verlor den späteren Vorlagengeber Manolis Saliakas aus dem Blick und traf anschließend eine weitere „falsche Entscheidung, weil er ins Zentrum läuft“, so Thioune. Eine Szene, die offenlegt, woran es dem Linksaußen unter anderem weiterhin mangelt: an der letzten Entschlossenheit in der Rückwärtsbewegung. Zum Zeitpunkt des Gegentores agierte Samuel Mbangula nämlich nicht mehr als hängende Spitze hinter Marco Grüll, sondern als linker Schienenspieler in einer Fünferkette. Zur Verteidigung des Spielers ist dabei anzumerken, dass dies nicht seine Paradeposition ist und er sich mit einem klassischen Linksverteidiger im Rücken deutlich wohler fühlt. Eine Aktion, die zur Zwickmühle passt, in der sich der Belgier seit Wochen befindet.
Im Sommer kam Samuel Mbangula für zehn Millionen Euro – aufgeteilt auf vier Raten à 2,5 Millionen – als zweitteuerster Einkauf der Vereinsgeschichte zu Werder Bremen. Entsprechend hoch waren die Erwartungen. Im ursprünglich von Horst Steffen favorisierten 4-2-3-1-System sollte er den linken offensiven Flügel mit seinen Tempodribblings prägen. Doch seit November praktiziert Werder diese Formation nicht mehr. Stattdessen rückte Mbangula vermehrt auf die linke Schienenposition im 3-5-2-System – mit überschaubarem Erfolg, da er gegen den Ball wiederholt Probleme zeigte. Seine Einsatzzeiten nahmen ab, obwohl er nach zehn Spieltagen noch bei drei Treffern und drei Vorlagen gestanden hatte. Zudem kritisierte Steffen öffentlich gleich mehrfach die Trainingsintensität des belgischen U21-Nationalspielers. Dass auch Thioune nach wenigen Trainingseinheiten in eine ähnliche Richtung argumentierte, verweist auf ein weiteres Problemfeld. „Ich weiß, dass er uns eine Tür öffnen kann und enormes Potenzial hat. Aber in meinem Kleingedruckten steht auch, dass ich noch mit ihm arbeiten muss und wir Dinge verändern müssen“, betont der Werder-Trainer.
Werder Bremens Daniel Thioune über Samuel Mbangula: „Es geht darum, dass er defensiv verlässlicher wird“
Dass ein 22-Jähriger trotz hoher Ablösesumme Leistungsschwankungen zeigt, war intern einkalkuliert und ist nicht ungewöhnlich. Stirnrunzeln dürfte eher hervorrufen, dass bereits der zweite Trainer innerhalb einer Saison fehlenden Trainingseifer und Defizite in der Rückwärtsbewegung anspricht – Aspekte, die eng mit Einstellung und Mentalität verknüpft sind. Welches Potenzial Samuel Mbangula grundsätzlich besitzt, deutete er beim Spiel gegen St. Pauli ebenfalls an: Vor dem Treffer des SV Werder Bremen setzte er sich auf der linken Seite mit Tempo gegen Saliakas durch und flankte in die Mitte, wo der Ball über Umwege bei Torschütze Jovan Milosevic landete. „Es geht darum, dass er defensiv verlässlicher wird und offensiv trotzdem die Qualität auf den Platz bringt, die wir situativ immer wieder sehen“, beschreibt Thioune die nächsten Entwicklungsschritte.
Bislang bleibt es beim Aufblitzen des Potenzials eben noch zu häufig beim Wort „situativ“. Das liegt nicht allein an Samuel Mbangula, sondern auch an einer insgesamt zu harmlosen und unausgewogenen Offensive des SV Werder Bremen, in der zumeist auch der passende Mittelstürmer als Abnehmer für Mbangulas Hereingaben fehlt. Dennoch wird es auch am Belgier liegen, in den kommenden Wochen mehr Konstanz in seinen Leistungen im Training, sowie am Wochenende zu zeigen – um nicht nur dauerhaft die erhoffte Verstärkung zu sein, sondern um auch weitere Spiele über 90 Minuten zu absolvieren. (bvo)
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