DeichStube-Interview

„Mein oberstes Ziel ist, bei Werder zu bleiben“: Isaac Schmidt über Zukunftspläne, Freundschaft zu Puertas und WM-Träume

Im DeichStube-Interview spricht Isaac Schmidt über die Lage beim SV Werder Bremen, seine persönliche Zukunft, große Träume und besondere Geschichten.

Nach langer Wartezeit ist Isaac Schmidt mittlerweile in der Startelf des SV Werder Bremen angekommen. Der Linksverteidiger aus der Schweiz, der von Leeds United ausgeliehen ist, spricht im Interview mit der DeichStube über seine Hoffnung, dass Werder ihn fest verpflichtet, Kindheitsträume in Lausanne und die Chancen auf eine WM-Teilnahme im Sommer.

Isaac Schmidt (re.) spricht im DeichStube-Interview über einen möglichen Verbleib beim SV Werder Bremen, besondere Kindheits-Erinnerungen und seinen WM-Traum.

Isaac Schmidt im DeichStube-Interview über sein langes Warten auf die Startelf bei Werder Bremen

Am Samstag geht es gegen Bayer 04 Leverkusen – und somit gegen jenen Gegner, gegen den Sie nach Ihrem Wechsel zu Werder direkt getroffen haben. Wie präsent ist dieser Moment noch heute?

Es ist noch immer in meinem Kopf und erinnert mich daran, dass ich dem Team helfen kann. Ich hoffe, dass ich das auch dieses Mal so gut es geht, tun kann.

Danach wurde es etwas ruhiger. Sie mussten lange auf Ihre Startelf-Premiere warten – gegen Augsburg war es dann im Dezember erstmals soweit. Beschreiben Sie den Moment, als Horst Steffen Ihnen sagte: „Du spielst von Beginn an.“

Er ist nicht wirklich zu mir gekommen, aber ich wusste es bei der Mannschaftsaufteilung im Abschlusstraining. Ich habe diesen Moment herbeigesehnt und hart dafür gearbeitet, niemals aufgegeben.

Wie störend fanden Sie es, dass über Wochen Marco Friedl als linker Verteidiger gespielt hat, sich damit nicht wirklich angefreundet hat und sie zeitgleich Zuschauer blieben, obwohl es doch Ihre Position ist?

Es ist immer schwer zu akzeptieren, wenn man nicht spielt. Aber es war nicht das erste Mal in meiner Karriere so, auch in Leeds ist es mir so gegangen. Da war es noch viel frustrierender. Da musst du dann geduldig sein und hart weiterarbeiten. Wenn du nämlich zu negativ wirst, dann wird sich deine Situation niemals verbessern.

Wie ist generell Ihr Verhältnis zum Trainer?

Wir haben ein gutes Verhältnis. Wenn man nicht spielt, ist es natürlich eine schwierige Situation, aber man darf das nie persönlich nehmen. Es gibt immer sportliche Gründe, die er mir auch erklärt hat, wenn ich nachgefragt habe. Und wenn du die Gründe kennst, dann liegt es an dir, daran zu arbeiten.

Sie haben kürzlich nach dem Dortmund-Spiel gesagt: „Ich bin ein Typ Spieler, der etwas mehr Zeit benötigt.“ Passen Sie da überhaupt in dieses Geschäft der schnellen Urteile?

Es ist nicht einfach, weil jeder natürlich unbedingt gute Ergebnisse sehen will. Ich verstehe auch, dass viele die neuen Spieler unbedingt direkt auf dem Feld sehen wollen, aber man hat meistens so noch nie zusammengespielt. Deshalb braucht es manchmal Zeit, bis körperlich alles passt, die Abläufe stimmen und insgesamt alles besser funktioniert. Ich bin am Ende der Transferphase gekommen, musste erst alles verinnerlichen. Zwar habe ich dann gleich getroffen, aber das bedeutet nicht wirklich etwas.

Die Lage bei Werder Bremen, bitteres Remis gegen Eintracht Frankfurt und Konkurrenzkampf: Isaac Schmidt im Interview

Gilt diese längere Zeit auch für Werder generell? Sehen wir in der Rückrunde jetzt erst das wahre Gesicht der Mannschaft?

Ja, es fühlt sich für mich so an, als wenn es so sein wird. Wir kennen uns jetzt besser, kennen die Taktik und fühlen uns bei den Abläufen selbstbewusster. Nun geht es darum, dass wir auf dem Platz zeigen, dass es wirklich so ist.

Zuletzt gab das Remis gegen Eintracht Frankfurt. Wie lange hat es gedauert, bis Sie den späten Gegentreffer verarbeitet hatten?

Es war enttäuschend, aber das Spiel ist gespielt. Wir können daran nichts mehr ändern. Deshalb lohnt es nicht, sich zu lange zu ärgern. Wir müssen jetzt einfach die Energie dieses Frustrationserlebnisses nehmen und im nächsten Spiel in positive Energie umwandeln. Das späte Gegentor sollte uns dafür sensibilisieren, dass es hoffentlich nie wieder vorkommt und wir noch mehr in den letzten Minuten tun müssen. Wir machen das bereits gut, aber es kann niemals gut genug sein.

Sie waren da bereits ausgewechselt worden, das Tor fiel aber über Ihre Seite. Denkt man da automatisch: Mit mir wäre das nicht passiert?

Das weiß man nie. Als ich runterging, haben wir danach mit zwei Stürmern ja auch zwei Tore geschossen. Es war also keine schlechte Entscheidung.

Was war eigentlich vor dem 0:1 gegen Frankfurt los? Haben Sie sich einfach brutal verschätzt, oder ist es schlichtweg immer ihr Ansatz, nach vorne zu verteidigen?

Es war ein Fehler in der Kommunikation. Ich habe auch schon mit Karim Coulibaly darüber gesprochen. Wenn er in solchen Situationen keinen Gegenspieler hat, dann kann ich ein wenig aufrücken und er übernimmt dann meinen Spieler. Leider hat er in diesen ein, zwei Sekunden mein Kommando nicht gehört, weshalb es dann die Lücke gab, als ich aufgerückt bin. Solche Sachen passieren öfter im Spiel, aber nicht immer resultiert daraus auch ein Tor.

Felix Agu kehrt bald zurück, der vor Ihnen auf der linken Seite gesetzt war. Wie groß ist die Sorge, dass Sie wieder auf die Bank müssen?

Nein, da gibt es keine Angst. Ich kenne meine Qualitäten und weiß, was ich dem Team geben kann. Am Ende entscheidet der Trainer – und wenn wir mit mir oder auch ohne mich gewinnen, dann war es die richtige Entscheidung. Wenn wir verlieren, dann muss vielleicht etwas angepasst werden. So sehe ich das.

Jugend-Erinnerungen und fester Transfer zu Werder Bremen? Isaac Schmidt verrät im Interview Ziele und Träume

Werder hat in dieser Saison viele Leihspieler im Kader – und wenn es dann nicht optimal läuft, heißt es schnell: „Die identifizieren sich nicht genug mit dem Verein, weil sie bald wieder weg sind.“ Was halten Sie von dem Vorwurf?

Ich verstehe ihn, so etwas kann sein. Aber ich bin kein solcher Spieler. Mein oberstes Ziel ist es, bei Werder zu bleiben. Und wenn ich unbedingt hierbleiben will, dann muss ich jetzt alles für den Verein tun. Ich will doch auch nicht, dass es für den Club bergab geht. Mir gefällt es hier, ich mag die Fans und die Stadt. Aber: Ich habe es selbst in der Hand – und gleichzeitig nicht. (lacht) Ich entscheide das schließlich nicht allein.

Wie realistisch ist ein Verbleib denn?

Es ist realistisch. Wenn du zur Leihe hier bist, dann ist es wie ein Test, bei dem du zeigen sollst, ob du ein wichtiger Spieler für den Verein sein kannst. Wir werden es in ein paar Monaten sehen.

Ihre Geburtsstadt ist Lausanne - wenn Sie heute durch die Straßen Ihrer Kindheit laufen: Welcher Ort bringt Sie sofort zurück zu dem kleinen Jungen, der vom Fußball träumte?

Es gibt da einen kleinen Rasenplatz mit zwei Toren, an dem ich als Kind immer war. Wenn ich heute daran vorbeikomme, erinnere ich mich immer daran, wie ich damals mit meinem Ronaldo-Trikot von Manchester United hier gespielt habe. Damals habe ich gedacht, dass irgendwann ganz bestimmt ein Coach oder Agent vom FC Barcelona oder so vorbeikommt und uns zu einem großen Verein holt. (lacht)

Aber das ist nie passiert...

Stimmt, das ist leider nie passiert. Aber es war eine tolle Zeit, ich hatte große Träume. Als ich zehn Jahre alt war, fand gerade die WM 2010 statt. Wir haben wegen der Ferien erst auf dem Platz gespielt und sind dann schnell nach Hause gerannt, um die Spiele im Fernsehen zu sehen. Meine Cousins, die damals auch dabei waren, haben da immer gesagt, dass die Schweiz unbedingt mich holen muss, weil sie so schwach spielt und ich auf jeden Fall treffen würde. Sie haben schon damals unfassbar an mich geglaubt – und dass ich jetzt kurz davor bin, wirklich zur WM zu fahren, ist verrückt und bedeutet mir sehr viel.

WM-Traum und gemeinsame Erinnerungen mit Cameron Puertas: Werder Bremens Isaac Schmidt im Interview

Sie haben im März 2025 für Ihr Land debütiert, in fünf Monaten steht das große Turnier an: Was meinen Sie, wie stehen Ihre Chancen, tatsächlich bei der WM im Sommer dabei zu sein?

Ich bin ganz optimistisch. Ich weiß, dass ich dem Team helfen kann. Es hängt aber von vielen Dingen ab, von meiner Leistung und davon, dass ich mich nicht verletze. Ich muss also hier in Bremen weiter mein Bestes geben. 

Erlauben Sie sich selbst, schon jetzt an das Turnier zu denken?

Ja, ich denke daran – aber mein Fokus liegt nicht darauf. Das Turnier hat schließlich noch nicht begonnen. Ich konzentriere mich eher auf das, was jetzt passiert und was ich beeinflussen kann. Aber der Gedanke an die Weltmeisterschaft gibt mir zusätzliche Energie und spornt mich an.

Und vielleicht läuft dann irgendwo ein Kind in der Schweiz mit Ihrem Trikot während der WM über den Bolzplatz…
Das wäre wirklich verrückt. An sowas denke ich gar nicht, aber wenn es passiert, wäre es natürlich unheimlich schön.

Sie sind mit Ihrem Teamkollegen Cameron Puertas aufgewachsen, zusammen zur Schule gegangen. Was zeichnet Ihre Beziehung aus?

Wir wollten schon als Kinder beide immer unbedingt gewinnen. Ich habe damals vor Wut geweint, wenn ich nicht gewonnen habe. Wenn es nicht so lief wie ich wollte, dann war ich richtig wütend. Cameron war da ganz ähnlich, dabei war er noch Torwart, als ich ihn als Kind kennengelernt habe. Aber wann immer wir auf den Straßen unterwegs waren, Vier gegen Vier gespielt haben, wollten wir auf keinen Fall verlieren. Die Intensität war schon damals richtig hoch. Es gab auch mal einen Schullauf über vier Kilometer, es waren 800 Kinder dabei. Wir sind Dritter und Vierter geworden, weil wir unbedingt vorne sein wollten. Wie lieben es einfach zu gewinnen.

Jetzt können Sie es ja verraten: Welche Streiche haben Sie früher ausgeheckt?

Ich? Nein, das habe ich nicht gemacht. Cameron hat das getan, aber darüber kann ich nicht öffentlich sprechen. (lacht)

Sie tragen die Rückennummer 23, die Puertas bei seinem Transfer eigentlich auch haben wollte. Hat es viel Ärger gegeben?

Es war wirklich lustig. Als ich hier unterschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass er vielleicht auch wechselt. Als er meinen Transfer gesehen hat, hat er mir sofort geschrieben, dass er wahrscheinlich auch zu Werder kommt. Ein paar Stunden später schrieb er dann: „Nein, du hast die 23 genommen. Die wollte ich doch.“ Ich habe eigentlich die 33, aber die 23 war halt so ähnlich. Wir konnten es aber nicht mehr ändern, denn wir hatten schon die ganzen Fotos mit dem neuen Trikot gemacht. (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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