Trainingslager im Zillertal
Kohfeldts Bilanz: „Von der Einstellung war ich begeistert“
Zell - Zehn Tage Zillertal – wie ist es gewesen, was hat es gebracht? In einem Gespräch mit Medienvertretern hat Trainer Florian Kohfeldt noch vor dem Testspiel gegen den 1. FC Köln eine Bilanz des Trainingslagers gezogen. Kohfeldt über...
...die Arbeitsmoral
Es soll schon mal vorgekommen sein, dass ein Trainer seiner Truppe nach einem Trainingslager eine schlampige Arbeitsmoral attestiert hat. Für Florian Kohfeldt gibt es dafür jedoch nicht den Ansatz eines Grundes. „Von der Einstellung der Mannschaft war ich nahezu begeistert“, schwärmt er: „Sie musste in den verschiedensten Bereichen über ihre Grenzen gehen – mental und körperlich. Ich nehme das Gefühl mit, dass ich eine Mannschaft habe, die extrem lernbereit und leistungsbereit ist, die etwas erreichen will. Deshalb bin ich sehr zufrieden.“
...über den Stand der Vorbereitung
Alles umgesetzt? Plan erfüllt? Ziele erreicht? Sollte ein Trainer diese Fragen am Ende eines Trainingslagers jeweils mit Nein beantworten, hätte er mal richtig was falsch gemacht. Hat Kohfeldt wohl nicht, denn er zieht ein „überwiegend positives Fazit“. Konditionell und taktisch „sind wir da, wo wir sein wollen“.
Die Grundlagen in den Bereichen Spieleröffnung, Verteidigen in der Ordnung und Gegenpressing seien gelegt, jetzt könne es in Bremen weitergehen mit den Themen „schnelles Umschalten“ und „Torabschluss“. Das Wichtigste sei im Zillertal aber gewesen, dass „alle Spieler, die zum engen Bundesliga-Kader gehören, alle Einheiten absolvieren konnten. Das ist sehr wichtig, denn diese Phase kannst du nicht mehr aufholen – weder konditionell noch taktisch.“ Nur die Verletzungen von Aron Johannsson und Jannes Vollert hätten den Gesamteindruck getrübt.
... den Denksport
Es war ein großes Thema der Zillertal-Tage, dass Kohfeldt mit den Live-Analysen im Zipfelzelt direkt am Platz etwas Neues eingeführt hat. Arbeit nicht nur für den Körper, sondern auch für den Kopf. „Ich habe zum ersten Mal für mich mit Live-Feedback gearbeitet. Das war spannend, und es hat gut funktioniert. Es gab Momente, wo die Spieler beißen mussten, wo es aufgrund der körperlichen Müdigkeit nicht einfach war, sich zu konzentrieren. Ich glaube aber nicht, dass hier jemand überfordert war“, sagt der Coach.
... die innere Kraft des Teams
Zwei Erlebnisse hätten ihn schwer beeindruckt im Zillertal, so Kohfeldt. Zum einen zu sehen, wie die älteren Spieler im Team vorangegangen seien. Kohfeldt: „Ich hebe ganz bewusst die Gruppe der Moisanders, Gebre Selassies, Langkamps, Kruses und Harniks heraus. Ich habe ihnen angeboten: ,Hey Jungs, kommt zu mir, wenn ihr mal einen Lauf oder eine Einheit weglassen wollt. Aber die wollten nicht. Die sind bei den Läufen sogar meistens vorne weg. Das hat natürlich einen guten Effekt auf die ganze Gruppe.“
Zum anderen habe es einen Mannschaftsabend mit dem Teampsychologen Andreas Marlovits gegeben, in dem die Spieler abgesteckt hätten, „für welche Art von Fußball sie stehen wollen“, sagt Kohfeldt, der zwar nicht dabei war, offenbar aber über gute Infos verfügt. Es ging bei dem Abend auch um die Ellenbogenmentalität des Teams, um das Ekligsein. Kohfeldt sieht in diesem Punkt „eine gute Entwicklung“ bei den Spielern: „Wir wollen guten, fairen Fußball spielen, aber wir müssen nicht immer die Lieben sein. Es gibt Phasen im Spiel, die du nicht gewinnst, indem du nur guten Kombinationsfußball spielst.“
... die jungen Spieler
Werder hatte Josh Sargent, Jean-Manuel Mbom, Luca Plogmann. Simon Straudi, Fridolin Wagner, Ilia Gruev, Felix Beijmo, Jannes Vollert und Jan-Niklas Beste dabei. Spieler ohne Bundesliga-Erfahrung, alle erst 18, 19, 20 Jahre alt. Wie sie sich geschlagen haben? „In der Gesamtheit kann ich sie nur loben“, meint Florian Kohfeldt, „ich hatte nicht den Eindruck, dass da ein Riesenabstand wäre „sowohl körperlich als auch taktisch.“ Hervorheben möchte der Coach aber keinen aus der Gruppe der jungen Wilden. Grund: „Ich habe Sorge, dass dann eine zu große Erwartungshaltung entsteht, ein Hype, den man dann nicht mehr einfangen kann. Ich habe da schon schlechte Erfahrungen gemacht.“
Zu erkennen war aber, dass Sargent und Mbom neben den ohnehin für den Profi-Kader eingeplanten Beijmo und Käuper am dichtesten herangerückt sind an die Bundesliga-Welt. Kohfeldts Aussicht: „Vielleicht wird der eine oder andere in dieser Saison schon mehr Einsatzzeiten bekommen, als man sich das jetzt denkt.“
... seine Systeme
4-3-3 oder 3-5-2? Starre Systeme wird es bei Florian Kohfeldt nicht geben, das hat die vergangene Saison schon gezeigt, das wurde im Trainingslager noch einmal verdeutlicht. „Wir werden klar zwischen Dreier- und Viererkette wechseln können, das ist das Ziel“, erklärt der 35-Jährige.
Und vorne werden es mal zwei, mal drei Angreifer sein. Im Groben ist das schon alles. Kohfeldt formuliert es so: „Defensive Grundordnungen haben eine Auswirkung auf das, wie man spielt. In der Offensive geht es immer wieder darum, die gleichen Abläufe zu spielen – auch aus unterschiedlichen Positionen heraus. Wir haben uns hier mehr Muster erarbeitet und wollen die stärker anwenden.“
