Gegner sogar im eigenen Haus

Schlechte Politik und Lobbyismus? Wieso Wirtschaftsministerin Reiche so sehr in der Kritik steht

Die Vorwürfe gegen Ministerin Reiche häufen sich. Die Grünen sprechen ihr die Eignung als Ministerin ab. Selbst im eigenen Haus hat Reiche Gegner. Eine Analyse.

Wirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU) steht immer heftiger in der Kritik. Noch vor Kurzem versuchte sie, angesichts eines leichten Wachstumskurses Optimismus zu verbreiten. Der Iran-Krieg und die folgende Ölpreis-Krise dürften Reiches Resthoffnung auf Positivnachrichten in diesen Wochen jedoch zunichtemachen. Kritiker sprechen Reiche nicht nur die Eignung zur Ministerin ab, sondern werfen ihr auch Lobbyismus vor. Besonders die Grünen haben es auf Reiche abgesehen.

Sie steht im Zentrum der Kritik an der deutschen Wirtschafts- und Energiepolitik: Bundesministerin Katherina Reiche (CDU).

Dabei verlief Reiches Amtsantritt positiv. Sie lobte ihren Vorgänger und damaligen Vizekanzler Robert Habeck (Die Grünen) für dessen Leistungen inmitten schwieriger Zeiten rund um den Ukraine-Krieg und leere Gasspeicher. Das brachte ihr parteiübergreifend Pluspunkte ein. Doch das Polster hielt nicht lange.

Merz-Ministerin Reiche setzt auf Gas – und verärgert damit Solarbesitzer

Reiche, die vor ihrem Amt als Ministerin Chefin des Energieunternehmens Westenergie war, setzt unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) voll auf Gas. Sie will etliche neue und auf Wasserstoff umrüstbare Kraftwerke bauen lassen, Fracking ermöglichen und aus ihrer Sicht unnötige Förderungen für erneuerbare Energien – wie private Solaranlagen auf Dächern oder die Einspeisevergütung – streichen. „Zuerst treibt die Bundesregierung Mieterinnen und Mieter in die Gaskostenfalle und jetzt folgt der Solarkiller“, resümierte Grünen-Chef Felix Banaszak unlängst der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Die Zeche für Katherina Reiches Geschenke an die Großkonzerne und die fossile Lobby dürfen die vielen Häuslebauer im Land zahlen“, so der Grünen-Chef.

Gegen Reiches Linie formiert sich seit Monaten Widerstand. Kritiker werfen der CDU-Politikerin vor, die Energiewende zu torpedieren und Deutschland damit in neue Gasabhängigkeiten von anderen Staaten zu bugsieren, obwohl es eigentlich um mehr Resilienz gehen müsse. Reiche selbst argumentiert, dass Erneuerbare und Wasserstoff die Abhängigkeit auf Sicht reduzieren.

Neue Wirtschaftsministerin Katherina Reiche: Hinter den Kulissen war sie die ganze Zeit dabei

Katherina Reiche (M.) ist schon lange dabei. 1998 kam sie erstmals in den Deutschen Bundestag und wurde 2002 von Edmund Stoiber (r.) als Expertin für Familienpolitik zusammen mit Angela Merkel ins Team geholt.
Katherina Reiche (M.) ist schon lange dabei. 1998 kam sie erstmals in den Deutschen Bundestag und wurde 2002 von Edmund Stoiber (r.) als Expertin für Familienpolitik zusammen mit Angela Merkel ins Team geholt. Damals war sie als Unverheiratete mit ihrem zweiten Kind schwanger, was innerhalb der christlich-konservativeren Seite der Union für Unmut sorgte. 2003 heiratete sie ihren Lebensgefährten Sven Petke.  © Thomas Koehler
Im Wahlkampf 2005 unterstützte Reiche die Kandidatur von Angela Merkel, die daraufhin Kanzlerin wurde.
Im Wahlkampf 2005 unterstützte Reiche die Kandidatur von Angela Merkel, die daraufhin Kanzlerin wurde. Nach der Wahl wurde sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag. Sie war für die Bereiche Bildung, Forschung, Umwelt, Naturschutz und Atomsicherheit zuständig.  © IMAGO
Katherina Reiche heiratete Sven Petke, der ebenfalls CDU-Abgeordneter war und der Vater ihrer drei Kinder ist. Seit Jahren sind die beiden aber getrennt.
Katherina Reiche heiratete Sven Petke, der ebenfalls CDU-Abgeordneter war und der Vater ihrer drei Kinder ist. © IMAGO
Katherina Reiche und Sven Petke
Hier besuchte Kaherina Reiche und Sven Petke ein klassisches Konzert im Grand Hyatt Hotel am Potsdamer Platz im Jahr 2003. Im selben Jahr gaben sich die Beiden auch das Ja-Wort. Mittlerweile leben sie aber getrennt voneinander. © imago
2009 wurde Katherina Reiche als Parlamentarische Staatssekretärin ins Bundesumweltministerium berufen (hier im Bundestag, 2010).
2009 wurde Katherina Reiche als Parlamentarische Staatssekretärin ins Bundesumweltministerium berufen (hier im Bundestag, 2010). Sie war damit im zuständigen Haus, als Deutschland den Atomausstieg beschloss. Sie hat die Nutzung der Kernenergie aber immer befürwortet und stimmte noch im Herbst 2010 für die Laufzeitverlängerung.  © Thomas Trutschel
Katherina Reiche, Norbert Röttgen und Ursuka Heinen
imago53568798.jpg © imago
Reiche ist mit ihren Positionen immer wieder angeeckt. Jahrelang hat sie sich zum Beispiel gegen die Ehe für alle ausgesprochen (hier im Bild bei Maischberger 2012).
Reiche ist mit ihren Positionen immer wieder angeeckt. Jahrelang hat sie sich zum Beispiel gegen die Ehe für alle ausgesprochen (hier im Bild bei Maischberger 2012). „Unsere Zukunft liegt in der Hand der Familien, nicht in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften […] Neben der Euro-Krise ist die demografische Entwicklung die größte Bedrohung unseres Wohlstands“, sagte sie 2012 zur Bild-Zeitung. Dafür wird sie bis heute scharf kritisiert. Seit 2017 ist die Ehe für alle in Deutschland möglich.  © IMAGO
2013 wechselte Katherina Reiche ins Verkehrsministerium, wo sie unter Alexander Dobrindt (CSU) Parlamentarische Staatssekretärin wurde.
2013 wechselte Katherina Reiche ins Verkehrsministerium, wo sie unter Alexander Dobrindt (CSU) Parlamentarische Staatssekretärin wurde. Heute darf sie wieder mit Dobrindt an einem Kabinettstisch sitzen – er wird Innenminister.  © Michael Gottschalk
Katherina Reiche, Boris Pistorius, Johann Wadephul, Alexander Dobrindt
Ihrem ehemaligen Vorgesetzten Alexander Dobrindt (r.) begegnet Katherina Reiche (l.) nun im Kabinett von Friedrich Merz wieder. Dobrindt vertritt dort als Innenminister auch die bayerische Schwesterpartei CSU. Ebenfalls regelmäßig auf der Regierungsbank Platz nehmen werden SPD-Politiker Boris Pistorius (2.v.l.) in seiner Rolle als Verteidigungsminister und Johann Wadephul (CDU), den Merz zu seinem Außenminister machte.  © imago
2015 entschied Reiche, dass sie in die Wirtschaft wechseln will und legte ihr Abgeordnetenmandat nieder. Sie wurde im Februar diesen Jahres zur Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen (VkU).
2015 entschied Reiche, dass sie in die Wirtschaft wechseln will und legte ihr Abgeordnetenmandat nieder. Sie wurde im Februar 2015 zur Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen (VkU).  © Imagos
Als Chefin des VkU hat sie die kommunale Wirtschaft vertreten. Hauptaufgabe des Verbands ist es, die 1592 Mitglieder, die vor allem in der Energie-, Wasser- und Abfallversorgung tätig sind, zu unterstützen.
Als Chefin des VkU hat sie die kommunale Wirtschaft vertreten. Hauptaufgabe des Verbands ist es, die 1592 Mitglieder, die vor allem in der Energie-, Wasser- und Abfallversorgung tätig sind, zu unterstützen.  © IMAGO
2018 hat sie zum Beispiel zusammen mit dem damaligen Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) eine Absichtserklärung unterzeichnet, dass die Nachrüstung aller Lkw-Flotten mit Abbiege-Assistenten ermöglichen sollte.
2018 hat sie zum Beispiel zusammen mit dem damaligen Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) eine Absichtserklärung unterzeichnet, dass die Nachrüstung aller Lkw-Flotten mit Abbiege-Assistenten ermöglichen sollte.  © IMAGO
Katherina Reiche in ihrer Funktion als Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen
Im Jahr 2017 begutachtete Katherina Reiche in ihrer Funktion als Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) die Bauarbeiten des Kreuzbergtunnels in Berlin. Begleitet wurde die heutige Wirtschaftsministerin von Jörg Simon, damals als Vorstand der Berliner Wasserbetriebe tätig. © IMAGO
Im Herbst 2019 machte Katherina Reiche bekannt, dass sie den VkU verlassen wird und an die Spitze des Energiekonzerns Westenergie wechseln wird.
Im Herbst 2019 machte Katherina Reiche bekannt, dass sie den VkU verlassen wird und an die Spitze des Energiekonzerns Westenergie wechseln wird. Diesen Job hatte sie seit 1. Januar 2020 inne.  © IMAGO
Ebenfalls 2020 wurde Reiche die Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats, das am 10. Juni 2020 einberufen wurde.
Ebenfalls 2020 wurde Reiche die Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats, das am 10. Juni 2020 einberufen wurde. Der Wasserstoffrat berät die Bundesregierung beim Ausbau von Wasserstoff als Energieträger der Zukunft.  © IMAGO
Als Vorsitzende von Westenergie hat sie NRW die Energiewende vorangetrieben und gestaltet. Dazu musste der Kontakt in die Politik intakt bleiben: Hier ist Katherina Reiche mit Wirtschafts- und Energieministerin Mona Neubaur (Grüne) bei einem Termin.
Als Vorsitzende von Westenergie hat sie NRW die Energiewende vorangetrieben und gestaltet. Dazu musste der Kontakt in die Politik intakt bleiben: Hier ist Katherina Reiche mit Wirtschafts- und Energieministerin Mona Neubaur (Grüne) bei einem Termin.  © Imago
Dann die Überraschung: Im April 2025 wird bekannt, dass Katherina Reiche für das Amt der Wirtschaftsministerin im Kabinett Merz gehandelt wird.
Dann die Überraschung: Im April 2025 wird bekannt, dass Katherina Reiche für das Amt der Wirtschaftsministerin im Kabinett Merz gehandelt wird. Zuvor hatte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann seine Absage erteilt – damit war der absolute Favorit aus dem Rennen. Am 28. April bestätigte Merz dann Reiche als designierte Ministerin.  © Florian Gaertner/IMAGO
Karl-Theodor zu Guttenberg und Katherina Reiche
Auch überraschend kam die Information, dass Reiche mittlerweile mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zusammen ist. Das Paar ist wohl schon seit einiger Zeit liiert, hatte aber bisher Gerüchte über eine Partnerschaft nie bestätigt. © Sebastian Gollnow/Kay Nietfeld/dpa
Katherina Reiche und Karl-Theodor zu Guttenberg
Öffentlich machten Katherina Reiche und Karl-Theodor zu Guttenberg ihre Beziehung im April 2025. Guttenberg ist aber nicht nur der neue Partner Reiches, er ist auch einer ihrer Vorgänger. Im Jahr 2009 bekleidete er für rund acht Monate das Amt des Wirtschaftsministers. Noch im selben Jahr wurde Guttenberg Verteidigungsminister und besuchte gemeinsam mit Reiche das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam. © imago
Katherina Reiche als Bundesministerin für Wirtschaft und Energie
Aus den Gerüchten wurde Gewissheit. Friedrich Merz holte Katherina Reiche als Bundesministerin für Wirtschaft und Energie in sein Kabinett. Am 06.05.2025, kurz nach der Kanzlerwahl von Merz, legte Reiche in dessen Beisein ihren Amtseid vor der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner ab. © Michael Kappeler/dpa
Friedrich Merz (l.) geht mit Reiche ein gewisses Risiko ein. In der Wirtschaft wird ihre Nominierung zwar gelobt, innerhalb der Partei gibt es aber Grummeln darüber.
Friedrich Merz (l.) geht mit Reiche ein gewisses Risiko ein. In der Wirtschaft wird ihre Nominierung zwar gelobt, innerhalb der Partei gibt es aber Grummeln darüber. Mehrere starke Landesverbände sind bei der Besetzung der Posten leer ausgegangen – stattdessen kommt eine aus der letzten Reihe zum Zug. Katherina Reiche wird liefern müssen, um sowohl die Partei als auch die Wirtschaft zu beruhigen.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz
Im 19-köpfigen Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz ist Katherina Reiche (4. v. l.) eine von acht Frauen. Sie ist außerdem die erste Frau, die in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zur Wirtschaftsministerin berufen wurde. © imago
Katherina Reiche erstmals als Chefin das Minsterium für Wirtschaft und Energie
Einen Tag nach ihrer offiziellen Vereidigung im Bundestag betrat Katherina Reiche erstmals als Chefin das Ministerium für Wirtschaft und Energie. Dort übergab der bisherige Wirtschaftsminister Robert Habeck offiziell die Amtsgeschäfte an seine Nachfolgerin. © Hannes P Albert/dpa
Übergabe des Bundeswirschaftsministerium von Robert Habeck an Katharina Reiche
In ihrer Antrittsrede vor der Belegschaft des Wirtschafsministeriums bedankte sich Katherina Reiche bei Robert Habeck. Den Grünen-Politiker überschüttete Reiche dabei mit Lobeshymnen. Er habe eine „fast übermenschliche Leistung“ in seiner Amtszeit erbracht, so Reiche. © IMAGO/Matthias Gränzdörfer
Katherina Reiche, die Wirtschafstministerin im Kabinett unter Kanzler Friedrich Merz
Unter den Namen der ehemaligen Wirtschaftsminister finden sich neben Katherina Reiches Vorgänger Robert Habeck und ihrem Lebensgefährten Karl Guttenberg weitere prominente Politiker. Unter anderem zwei spätere Bundeskanzler: Sowohl der zweite Bundeskanzler Deutschlands, Ludwig Erhard (CDU), als auch der fünfte Regierungschef, Willy Brandt (SPD), waren als Wirtschaftsminister tätig, ehe sie zu Bundeskanzlern aufstiegen. Ob auch Reiche in der Zukunft derartige Karrierepläne verfolgen wird, bleibt abzuwarten. © Michael Kappeler

Noch im Februar stellte die Merz-Ministerin den Jahreswirtschaftsbericht inklusive leichter Wachstumsprognose vor. Reiche sprach von ermutigenden Nachrichten. „Die Binnenwirtschaft wacht auf.“ Das Wachstum sei kein Zufall, „das ist Ergebnis einer gezielten Wirtschafts- und Finanzpolitik“, so die Ministerin. Mit dieser positiven Lesart stand Reiche außerhalb ihrer Partei aber recht allein da. Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und Wirtschaftsinstitute halten das zarte Wachstum angesichts des jahrelangen Schrumpfens der deutschen Ökonomie für zu wenig.

Selbst der Koalitionspartner SPD gab in Person von Armand Zorn im Bundestag zu, dass die Prognose kein Grund zum Jubeln sei, private Investitionen seien zu niedrig und die Nachfrage in den Schlüsselindustrien zu schwach. Zorn forderte ein neues Wirtschaftsmodell für Deutschland. Das war noch vor Trumps Angriff auf den Iran, der die Energiepreise kräftig ansteigen ließ. Dafür kann Reiche freilich nichts – und allgemein ist das Wirtschaftsministerium selten allein für Steigen und Fallen der Konjunktur verantwortlich.

Neben ihrer Politik sind es aber auch persönliche Entscheidungen, die Reiche in den Augen ihrer politischen Gegner als Fehlbesetzung dastehen lassen. Wegen Reiches Teilnahme am „Moving MountAIns“-Gipfel im österreichischen Seefeld im Oktober musste sich die CDU-Politikerin am 14. Januar im Wirtschaftsausschuss befragen lassen. Ein Interessenkonflikt steht im Raum. Reiche sei in Tirol als Bundesministerin und sogar als „Ihre Exzellenz“ vorgestellt worden, schrieb etwa der Spiegel – obwohl sie nach eigenen Angaben privat dort war. Ihren Dienstwagen ließ sie von Berlin nach Österreich fahren. Vor Ort waren einflussreiche Personen wie der griechische Verteidigungsminister oder Albaniens Ministerpräsident. Eine derart hochkarätig besetzte Veranstaltung als privat zu deklarieren und entsprechend keine Auskunft über Gespräche zu geben, das hält die Opposition aus Linken und Grünen für falsch.

Hat Ministerin Reiche Gegner im eigenen Haus?

Eine weitere Kontroverse um die Ministerin lösten vor wenigen Tagen mehrere Leaks aus dem Wirtschaftsministerium aus. Sowohl ein Entwurf zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes als auch des neuen Netzpakets wurden aus Reiches Haus durchgestochen. Dass sensible Daten früher als geplant bekannt werden, passiert immer wieder. Neu ist: Ministerin Reiche soll daraufhin E-Mails ihrer Mitarbeiter kontrollieren lassen haben, berichtete der Spiegel. Das dürfte das Misstrauen im eigenen Haus gegen die Chefin weiter befeuern.

Passend dazu wurde am Dienstag im Wirtschaftsausschuss des Bundestags ein Schreiben des Wirtschaftsministeriums gereicht, das der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media vorliegt. Die Abgeordneten berieten über die Einschätzung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die die Abkehr von der Kernenergie als strategischen Fehler bezeichnete.

Darin lehnt das Ministerium eine Rückkehr zur Kernkraft ab. Interessant ist der Bezug auf die Zukunft von Gas in Deutschland. Reiche selbst hatte zum Amtsantritt erklärt, rund 40 neue Gaskraftwerksblöcke bauen lassen zu wollen. Im Papier steht nun, dass angesichts der erneuerbaren Energien „mit Erdgas und Wasserstoff betriebene Gaskraftwerke im Jahr 2040 nur noch etwa 5 % des gesamten jährlichen Strombedarfs in Deutschland“ ausmachen dürften.

Zwar sollen Gas- und Wasserstoffwerke besonders in den Momenten, in denen Erneuerbare wenig Energie bringen, schnell hochgefahren werden und spielen deshalb auch in einer Zukunft mit mehr Erneuerbaren eine wichtige Rolle. Angesichts der enormen Investitionen in die neuen Werke bei derart geringem prognostiziertem Bedarf dürfte neue Kritik an Reiche aber nicht lange auf sich warten lassen. Im Wirtschaftsausschuss wurde sich hinter vorgehaltener Hand schon gefragt, ob Reiche das Schreiben ihres Hauses vorab überhaupt gelesen hat. (Quellen: Eigene Recherche, BMWE, Die Grünen, Der Spiegel)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

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