Werder-Verteidiger stark
Zukunft weiterhin offen: Amos Pieper meldet sich eindrucksvoll zurück – und sorgt bei Werder für ein Luxusproblem
Amos Pieper hat sich eindrucksvoll bei Werder Bremen zurückgemeldet. Seine Zukunft am Osterdeich ist aber weiter offen. Nach dem 1:0-Sieg gegen Union Berlin hat der Innenverteidiger verraten, dass es erste Gespräche gegeben hat.
Bremen – Das Spiel war erst kurz zuvor abgepfiffen, Cheftrainer Horst Steffen hatte das Team bereits zum obligatorischen Kreis zusammengerufen, da wollten sich die Profis auf den Weg zur Ehrenrunde machen – doch Amos Pieper nahm sich einen kurzen Moment und blickte fast andächtig ins weite Rund des Weserstadions. Es war dem Innenverteidiger deutlich anzumerken, wie sehr er sich auf sein erstes Heimspiel der Saison nach seiner Hüftoperation am Ende der Vorbereitung gefreut hatte. „Es ist einfach immer wieder wunderschön, für den SV Werder Bremen zu spielen. Heimspiele sind besonders, Flutlichtspiele noch etwas mehr“, sagte Pieper mit einem breiten Grinsen nach dem 1:0-Heimsieg gegen Union Berlin, bei dem er einer der Hauptgaranten für den Erfolg war.
Amos Pieper meldet sich eindrucksvoll zurück: „Es ist einfach wunderschön, für Werder Bremen zu spielen“
Der gebürtige Lüdinghausener zeigte – wie schon bei seinem ersten Saisoneinsatz in der Vorwoche in Heidenheim – erneut einen sehr starken und souveränen Auftritt. In der ersten Hälfte gewann Amos Pieper jeden Zweikampf, am Ende stand eine herausragende Quote von 92,3 Prozent gewonnenen direkten Duellen. Zudem lief der Abwehrmann des SV Werder Bremen für seine Position fast schon ungewöhnlich viele 11,27 Kilometer – ein deutliches Zeichen dafür, wie fit Pieper aus seiner knapp anderthalbmonatigen Verletzungspause zurückgekehrt ist. „Ich bin gesund und habe, glaube ich, noch nie so sehr danach gelebt und dem Fußball alles untergeordnet“, machte Pieper deutlich.
Nun gehört Amos Pieper nicht zu der Sorte Mensch, die sich gerne selbst lobt. Ganz im Gegenteil: Zumeist reagiert der ehemalige U21-Europameister auf Fragen nach seiner Form mit derselben Antwort in Richtung der Journalisten: „Bewerten könnt ihr das.“ Dafür übernahm diesmal sein Trainer das Lob: „Ich habe Amos in der Vorbereitung gesehen und kenne seine Spiele aus der vergangenen Saison. Er hat immer seinen Mann gestanden. Deshalb war seine Leistung für mich nicht überraschend – trotzdem erfreulich, da es nicht selbstverständlich ist“, betonte Horst Steffen und ergänzte: „Ich hatte schon die Erwartung, dass er eine verlässliche Größe darstellen kann. Darin hat er mich heute bestätigt.“
Diese verlässliche Größe, die Pieper bereits in der vergangenen Rückrunde unter Ole Werner in der Dreierkette war, als er die letzten zwölf Saisonspiele in Folge in der Startelf stand, hätte der Innenverteidiger am liebsten auch zu Saisonbeginn unter Steffen verkörpert. Wäre da nicht diese lästige Hüft-OP gewesen. „Ich war maximal genervt“, sagte Pieper über seinen ersten Gedanken nach der Diagnose im August. „Ich habe unheimlich viel dafür getan, um in meiner besten Verfassung zu sein. Und dann ist es natürlich besonders bitter, wenn gar nichts passiert ist, sondern einfach ein Stückchen Knochen raus muss. Im Nachhinein ist es ärgerlich, aber auch nicht zu schlimm.“ Schließlich kennt sich Amos Pieper bereits damit aus, nach teilweise langwierigen Verletzungen ein Comeback zu schaffen – und zumeist sogar stärker zurückzukommen. In den bislang dreieinhalb Jahren im Trikot des SV Werder Bremen absolvierte der großgewachsene Innenverteidiger auch aufgrund mehrerer Ausfallzeiten erst 65 Pflichtspiele für die Grün-Weißen.
Bleibt Amos Pieper nach starkem Comeback über den Sommer hinaus bei Werder Bremen?
Weshalb er lieber den Blick nach vorn richtet, anstatt sich lange mit den vergangenen Wochen zu beschäftigen. „Lasst uns mehr darüber reden, dass ich jetzt wieder auf dem Platz stehe“, sagte Pieper und schob hinterher: „Für diese Mannschaft zu spielen, macht einfach unheimlich viel Spaß – und da weiß man, wofür man das alles macht.“ Nun ist allerdings die spannende Frage, wie lange Amos Pieper überhaupt noch mit seinen aktuellen Kollegen für Werder Bremen auf dem Platz stehen wird. Schließlich läuft sein Vertrag im kommenden Sommer aus. Bereits vor der Saison hatte er in einem DeichStube-Interview betont, dass er sich eine Zukunft an der Weser gut vorstellen könne – gleichzeitig aber auch eingeräumt, dass der Verein zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit ihm über die Zukunft gesprochen habe. Das hat sich mittlerweile geändert, wie Pieper bestätigte, ohne jedoch Details nennen zu wollen: „Es ist einfach schön, hier zu spielen. Den Rest werden wir sehen und besprechen“, betonte der 27-Jährige.
Mit einer Leistung wie am Freitagabend gegen Union hat Amos Pieper jedenfalls ein starkes Bewerbungsschreiben für einen neuen Vertrag abgegeben. Eine Garantie, dass er in den kommenden Wochen weiter Eigenwerbung betreiben darf, ist das jedoch nicht – schließlich ist der Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung derzeit so hart wie schon lange nicht mehr. Neben Pieper hat sich in den vergangenen Wochen besonders Youngster Karim Coulibaly mit starken Auftritten empfohlen, zudem ist mit Niklas Stark ein Routinier zurückgekehrt, der in den vergangenen Jahren – wenn fit – stets gesetzt war. Und dann ist da ja auch noch Kapitän Marco Friedl, der aktuell wegen der großen Verletzungssorgen auf den Außenverteidigerpositionen hinten links aushelfen muss. „Wir sind sehr gut besetzt auf dieser Position“, fasst Pieper zusammen – wohlwissend, dass der Konkurrenzkampf bei Werder Bremen jetzt erst so richtig losgeht. Dass er dafür bereit ist, hat Amos Pieper am Freitag eindrucksvoll unter Beweis gestellt. (bvo)
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