Nach klarer Niederlage

Gaspedal gesucht: Werder enttäuscht gegen Freiburg vor allem offensiv – und zeigt, dass das Team noch mit Schwankungen kämpft

Offensiv zu harmlos und mit zu vielen Schwankungen: Der SV Werder Bremen zeigt beim 0:3 gegen den SC Freiburg deutliche Schwächen und nimmt sich in die Pflicht.

Bremen – Ehe er sich im Medienraum des Weserstadions auf seinen Platz setzte, nahm sich Horst Steffen am späten Samstagnachmittag noch einen kurzen Moment. Vor einem der großen Flachbildschirme, die links und rechts vom Podium an die Wand montiert sind, blieb der Cheftrainer des SV Werder Bremen stehen, um sich die bisherigen Ergebnisse des vierten Spieltags anzusehen. Augsburg – Mainz 1:4 stand da etwa geschrieben oder HSV – Heidenheim 2:1. Und natürlich, weit oben vermerkt: Werder – SC Freiburg 0:3. Der Verlauf eines äußerst unerfreulichen Bremer Nachmittages, ausgedrückt in zwei Ziffern.

Beim SV Werder Bremen herrschte nach der klaren Heimpleite gegen den SC Freiburg großer Frust.

Schwaches Werder Bremen enttäuscht gegen SC Freiburg vor allem offensiv

Als Steffen sich dann pünktlich zu Beginn der Pressekonferenz hinters Mikrofon gesetzt hatte, war es an ihm, den überraschend schwachen Auftritt seiner Mannschaft zu erklären. Schwach, weil Werder Bremen vor allem offensiv vieles hatte vermissen lassen. Und überraschend, weil das Team nach dem begeisternden 4:0 in Mönchengladbach ein komplett anderes Gesicht gezeigt hatte. Wo also, Herr Steffen, steht Ihre Mannschaft?

„Von der Stimmung her hatte ich während der Woche das Gefühl, dass wir selbstbewusst und gut drauf sind und dass wir so richtig in die Saison gekommen sind“, sagte der 56-Jährige, der in seine Analyse des Freiburg-Spiels auch die Tage vor dem Anstoß mit einbezog. „Das war ein schönes Mitbringsel aus Mönchengladbach.“ Nur geholfen hat es dem SV Werder Bremen am Samstag nicht. Von Beginn an war zu erkennen, dass sich die Hausherren im ausverkauften Weserstadion in Ballbesitz enorm schwertaten und ihren gut sortierten Gegner dementsprechend kaum einmal in Gefahr bringen konnten.

„Wir haben alles vermissen lassen“: Werder Bremens Kapitän Marco Friedl über Niederlage gegen SC Freiburg

Wir haben alles vermissen lassen und kein gutes Spiel gemacht“, monierte Kapitän Marco Friedl. Und weiter: „Wir waren viel zu unsauber, hatten zu viele Kontakte und Fehlpässe – so kannst du keine Mannschaft schlagen und schon gar nicht Freiburg, die eine Einheit auf dem Platz sind.“ Ein Statement, das dem von Horst Steffen glich, auch wenn der Coach des SV Werder Bremen seines in andere Worte verpackte. „Wir hätten einige Angriffe besser ausspielen können, hatten aber zu wenig Tempo, um mehr Lücken zu reißen. Da fehlten mir die Geschwindigkeit und die Läufe in die Tiefe“, sagte er – und fasste zusammen: „Wir hätten mehr Energie aufbringen müssen, um Freiburg vor Probleme zu stellen.“

Dass die Breisgauer ihrerseits auch kein Offensiv-Feuerwerk abfackelten, sondern vielmehr von einem umstrittenen Strafstoß profitierten und ihr Spiel darauf clever aufbauten, machte die Sache für Werder Bremen noch ärgerlicher. Am Ende standen Gegentore von Vincenzo Grifo (32./Handelfmeter), Junior Adamu (54.) und Karim Coulibaly (75./Eigentor) zu Buche, dazu ein verschossener Handelfmeter von Romano Schmid (59.). Und eben die Frage nach der wahren Leistungsfähigkeit einer Bremer Mannschaft, deren starker Auftritt in der Vorwoche die Fantasie einer erfolgreichen Saison angeregt hatte.

Werder Bremens Peter Niemeyer fordert nach Niederlage gegen SC Freiburg: „Müssen immer auf dem Gaspedal stehen“

„Wir haben bei den Neuzugängen gesehen, dass es noch die eine oder andere Leistungsschwankung gibt“, sagte Steffen, „auch dass Jens Stage keine vernünftige Vorbereitung spielen konnte, spüren wir noch.“ All das seien Themen, „von denen ich sage, dass es durchaus passieren, dass ein Spiel mal in die Richtung geht wie gegen den SC Freiburg“. Natürliche Schwankungen also? Einerseits ja. Andererseits zeigte sich Steffen mit deren negativer Ausprägung am Samstag aber nicht einverstanden: „In dieser Art und Weise darf es nicht passieren. Das darf ich den Jungs nicht zugestehen.“

Peter Niemeyer als Werder Bremens Leiter Profifußball richtete derweil eine klare Forderung ans Team: „Für mich ist heute die Quintessenz, dass wir es uns nicht erlauben können, auch nur einen Schritt weniger zu machen. Wir müssen immer auf dem Gaspedal stehen.“ Nur wenn das gegeben sei, könne Werder erfolgreich sein. Damit Horst Steffen der Blick auf die Ergebnisse des Spieltags möglichst bald wieder mehr Freude bereitet als am Samstagnachmittag im Medienraum des Weserstadions. Die kommende Herausforderung für die Bremer ist allerdings maximal groß: Am Freitagabend (20.30 Uhr, DeichStube-Liveticker) gastiert die Mannschaft beim Spitzenreiter FC Bayern München, der am Wochenende einen neuen Bundesliga-Startrekord aufgestellt hat. (dco)

Rubriklistenbild: © IMAGO / DeFodi

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