„Stehe zu meinen Aussagen“

Nach Reif-Kritik: Baumann wehrt sich

Frank Baumann
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Frank Baumann muss wegen Äußerungen zur Trainer-Entscheidung deutliche Kritik einstecken.

Bremen - Stellen wir uns mal vor, es wäre so gewesen: Frank Baumann tritt am Samstagvormittag vor die Medien und erzählt, dass er nie nach einem anderen Trainer gesucht hat, sondern von vornherein auf Florian Kohfeldt fixiert gewesen wäre.

Der Aufschrei wäre gewiss groß gewesen, und viele hätten die Frage gestellt, warum es der Manager von Werder Bremen nicht wenigstens versucht hätte, einen der renommierten Trainer für den Club zu gewinnen. Motto: Ist der irre, oder was?

Baumann holt sich blutige Nase

Ist er nicht. Frank Baumann hat gesucht, und er berichtete in einer Medienrunde davon, dass ihn diese Suche weiter fort geführt hat als nur vor die eigene Haustür. Er habe „eine sehr lange Liste“ mit Kandidaten erst zusammengestrichen, dann die verbliebenen Namen sondiert und schließlich eine elitäre Gruppe herausgefiltert. „Top-Lösungen“ seien dabei gewesen, sagte er. Große Namen, bei denen er sich aber nur eine blutige Nase, sprich: Absagen, eingehandelt hat.

Gründe: Einer sei zufrieden, dort wo er derzeit arbeite (Lucien Favre bei OGC Nizza?). Ein anderer (Thomas Tuchel?) habe für den Sommer schon andere Pläne. Und dann gab es die zweite Kategorie. Die, mit denen der Bremer Manager Gespräche geführt hat. Adi Hütter von den Young Boys Bern hat dazu gehört. Und natürlich Florian Kohfeldt. Der Kreis sei aber auch überschaubar geblieben. „Zwei, drei Kandidaten“ nur, sagte Baumann. An dieser Stelle bediente er sich dann einer Formulierung, die ihn und vor allem Kohfeldt nicht so gut dastehen lässt. Er sei dabei auf „bessere Trainer, die auch für unsere Situation interessant gewesen“ wären, gestoßen, erklärte Baumann, die ehrliche Haut. Verfügbar war jedoch auch von denen keiner.

Aber Junge, Junge, da hatte er 'was gesagt. Alle, die mögen, können dem Ex-Nationalspieler den Satz mit den „besseren Trainern“ nämlich als Abwertung Kohfeldts und als unprofessionell auslegen. Marcel Reif, gleichermaßen prominenter wie meinungsfreudiger Fußball-Kommentator, wollte und lederte im Sport1-Doppelpass gegen den Werder-Manager: „Die Pressekonferenz von Frank Baumann war Realsatire. Er hat den Trainer degradiert, weil er eigentlich einen anderen Trainer haben wollte. So kannst du dich nicht verkaufen. Das ist ja Irrsinn! Die Mannschaft, die das nicht als Alibi nimmt, die müssen Sie mir zeigen.“

Baumann äußerte sich am späten Nachmittag zu der um sein Statement entstandenen Aufregung. „Ich stehe zu meinen Aussagen“, erklärte er gegenüber der DeichStube, „leider muss man damit leben, dass einzelne Äußerungen aus dem Zusammenhang gerissen und bewusst oder unbewusst falsch eingeordnet werden. Keiner braucht sich Sorgen um unsere Professionalität zu machen. Für uns bedeutet Professionalität, dass wir alle Optionen prüfen, auch in der Kategorie Thomas Tuchel. Dass wir dies tun, ist weder verwerflich noch bedeutet dies eine Schwächung von Florian Kohfeldt.“ Marcel Reif sieht das anders. „Wenn ich Kohfeldt wäre, würde ich spätestens nach dieser Pressekonferenz sagen: ‚Ich danke für das ausgesprochene Vertrauen, nehme es aber hiermit nicht an‘“, sagte er.

Kohfeldt nicht beleidigt, sondern froh

Was Kohfeldt – nach Baumanns Äußerungen in diversen Medien als 1b-Lösung oder Lückenfüller – bezeichnet, aber ganz sicher sein lassen wird. Er war über jedes Gespräch, das Baumann mit wem auch immer geführt hat, informiert. Pikiert oder gar beleidigt ist er deshalb nicht. Für ihn gilt, was er gegenüber „werder.de“ äußerte: „Ich bin froh, dass ich von Frank im Sinne des Vereins das Vertrauen bekommen habe.“

Dass dieses Vertrauen zeitlich begrenzt ist und erstmal nur bis zur Winterpause ausgesprochen wurde, ist ein anderer Punkt, der an der Bremer Überzeugung in der Trainer-Entscheidung zweifeln lässt. Aber Kohfeldt macht das für ihn einzig Richtige und schiebt das Thema einfach beiseite: Für ihn spiele es „überhaupt keine Rolle, ob ich einen Sechswochenzeitraum habe oder einen Zehnjahresvertrag“. Wenn er keine Spiele gewinnen sollte, wäre das eine schließlich so wenig wert wie das andere, sagt er.

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