Nordderby gegen HSV
„Am Wochenende sind wir keine Freunde“: Lehrmeister und Werder-Trainer Thioune trifft auf seinen Zögling Polzin
Wenn der SV Werder Bremen im Nordderby auf den HSV trifft, muss eine enge Freundschaft ruhen: die der Trainer Daniel Thioune und Merlin Polzin.
Es ist jetzt etwas mehr als 13 Jahre her, dass sich Daniel Thioune und Merlin Polzin erstmals begegnet sind. In Osnabrück war das, wo Ersterer gerade Coach im Juniorenbereich des dortigen VfL war, während Zweiterer als 22-Jähriger in der Universität der niedersächsischen Stadt auf Lehramt studierte. Und nicht nur das: Polzin hatte zuvor bereits beim Hamburger SV im Nachwuchsleistungszentrum gearbeitet und wollte jetzt auch mal schauen, wie an der Bremer Brücke mit den Talenten gearbeitet wird. Dabei lief sich das Duo nicht nur über den Weg und tauschte sich aus, die beiden Fußballbegeisterten verstanden sich auch so gut, dass daraus mehr entstand: erst ein Arbeitsverhältnis, dann eine Freundschaft. Seither ist viel passiert, beide trainieren inzwischen einen Bundesligisten – und treffen am Samstag während des Nordderbys zwischen dem SV Werder Bremen und HSV im Weserstadion (15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) erstmals in Liga eins aufeinander.
Werder Bremens Daniel Thioune und HSV-Trainer Merlin Polzin gut befreundet - doch die Freundschaft ruht zum Nordderby
„Wir hatten eine wunderbare Zeit zusammen“, erinnert sich Daniel Thioune an die Anfänge der gemeinsamen Geschichte und schiebt lächelnd hinterher: „Wenn nicht mal irgendwann etwas dazwischenkommt und er mir ins Auto fährt, dann würde ich behaupten, dass wir Freunde sind. Es muss schon eine Menge passieren, dass unser Verhältnis unter irgendetwas leidet – aber am Wochenende sind wir keine Freunde.“ Dafür steht einfach zu viel auf dem Spiel. Für beide Seiten. Nach der jüngsten Niederlage in Köln will Werder Bremen unbedingt Wiedergutmachung betreiben und drei eminent wichtige Zähler im Abstiegskampf einfahren. Und die Konkurrenz von der Elbe möchte nach einem enttäuschenden 0:4 beim VfB Stuttgart nicht wieder richtig tief in den Keller hineinrutschen. Deswegen haben Thioune und Polzin die regelmäßigen Telefonate nun auch deutlich zurückgeschraubt, wie der 51-Jährige verrät. Im Vorfeld des Nordderbys herrscht erst einmal Funkstille. „Es ist ein Fußballspiel, wir spielen beide um den Klassenerhalt. Da sind wir vielleicht als Freunde vereint, aber in den Farben getrennt – und das soll auch so bleiben“, meint Thioune.
So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen den Hamburger SV aussehen!
Merlin Polzin vom Hamburger SV erklärt Freundschaft zu Werder Bremen-Coach Daniel Thioune: „Bedeutet mir sehr viel“
Wie groß die Bedeutung von Lehrmeister Thioune für den heute 35-jährigen Zögling Polzin ist, hat dieser vor gar nicht allzu langer Zeit ausführlich erläutert. Nämlich vor fast genau einem Jahr, als sich die guten Kumpel eine Etage tiefer duellierten. Merlin Polzin war damals wie heute beim HSV angestellt, Daniel Thioune coachte Fortuna Düsseldorf, am Ende gewann Werder Bremens Nordrivale deutlich mit 4:1. „Ich habe Daniel als sehr junger Mensch und sehr junger Trainer kennengelernt. Ich war 22 Jahre alt und habe dann sehr lange intensiv und vertrauensvoll mit ihm zusammengearbeitet. Im Laufe dieser Jahre ist deutlich mehr daraus entstanden als das reine Arbeitsverhältnis. Deswegen habe ich ihm natürlich extrem viel zu verdanken, zum anderen konnte ich extrem viel von ihm lernen“, schilderte der gebürtige Hamburger und schwärmte: „Ich kann mich immer darauf verlassen, dass er mich unterstützt, dass er mir hilft, dass er immer ein offenes Ohr für mich hat. Das Freundschaftsverhältnis ist mir sehr wichtig und bedeutet mir auch sehr viel.“ (mbü)
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