Mit Rückenwind in den Jahresendspurt
Wie Werder Bremen seine gute Ausgangslage bis Weihnachten veredeln will
Aktuell steht der SV Werder Bremen in der Bundesliga mehr als ordentlich da. Wie die Grün-Weißen den Jahresendspurt angehen.
Bremen – Wenn draußen die Temperaturen in den Keller gehen, dann ist Justin Njinmah stets einer der Ersten, der die wärmende Mütze ganz tief ins Gesicht zieht und den Loop-Schal bis über die Nase streift. Mindestens. Als der schon damals dick vermummte Offensivakteur des SV Werder Bremen vor einigen Wochen, als es noch nicht ansatzweise so frostig war wie jetzt, auf dem Weg zum Trainingsplatz gefragt wurde, was er eigentlich machen würde, wenn es erst so richtig kalt sei, gab der 25-Jährige die einzig passende Antwort: „Das weiß ich auch nicht.“ Folglich war Njinmah auch am Donnerstag – wie im Übrigen viele seiner Werder-Kollegen samt Coach Horst Steffen – richtig gut eingepackt auf dem Rasen erschienen. Ihren kurzen Kälteschock liefen die Bremer anschließend recht schnell aus den Gliedern. Müssen sie auch. Denn am Sonntag beginnt er so richtig, der Jahresendspurt. Fünf Partien hat der SVW bis zum Weihnachtsfest noch zu absolvieren, die Ausgangslage als Tabellenachter ist angenehm – weil zuletzt fünf Mal in Folge nicht verloren wurde. Das zeigt, was in den kommenden Wochen möglich ist, wenn Werder die eigene Serie ausbauen kann. Und das klingt dann ganz unabhängig vom Thermometer doch eher nach einer heißen Angelegenheit.
Vor Jahresendspurt: Werder Bremen richtet Fokus auf eigene Spielweise – und blendet die Tabelle ein Stück weit aus
Peter Niemeyer weiß natürlich auch ganz genau, wie es im Klassement um die Mannschaft bestellt ist. Ein gutes Gefühl verleiht die Momentaufnahme, doch blenden lassen will sich der Leiter Profifußball des SV Werder Bremen davon keineswegs. „Ich denke wie Horst nicht in Punkten oder Tabellenständen. Es geht darum, wie wir miteinander arbeiten und wie wir unsere Ziele erreichen wollen“, betont der Ex-Profi, der am Samstag seinen 42. Geburtstag feiert, im Gespräch mit der DeichStube. „Daraus entsteht ganz unabhängig von Punkten der Wille, unbedingt erfolgreich zu sein. Und das hat man bislang gesehen. Wir haben in den letzten Wochen gute Ergebnisse erzielt, nun gilt es, daran anzuknüpfen und in den Leistungen stabiler zu werden.“
Denn genau dabei waren zuletzt doch einige Schwankungen erkennbar. Spielerisch überzeugten die Hanseaten keineswegs in jeder Partie, in der sie punkteten. Die Einsatzbereitschaft war ihnen stets anzusehen, doch die fußballerischen Mittel begeisterten selten. Auch zuletzt, als Werder Bremen spät die umjubelte Wende gegen Wolfsburg schaffte und viele Spieler hinterher überraschend häufig von einer „guten Leistung“ sprachen, resultierte das augenscheinliche Übergewicht auf dem Platz eher daraus, dass der Gegner erschreckend wenig anbot. Andererseits spricht es für die Steffen-Elf, dass sie nun schon wiederholt in der Lage war, trotz der eigenen noch immer vorhandenen Schwierigkeiten am Ende nicht mit leeren Händen dazustehen. Eine Kombination, die zumindest kurzfristig dazu taugt, das Selbstbewusstsein zu erhöhen.
So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen RB Leipzig aussehen!
Nationalspieler mit Rückenwind zurück beim SV Werder Bremen – jetzt sollen sich „Automatismen herausbilden“
Zusätzlichen Rückenwind dürfte die jüngste Länderspielphase entfacht haben. Romano Schmid, Marco Friedl, Marco Grüll sowie Isaac Schmidt haben mit Österreich beziehungsweise der Schweiz ersehnte WM-Tickets gelöst, auch Yukinari Sugawara oder Mio Backhaus sollten nach Erfolgserlebnissen beschwingt zum SV Werder Bremen zurückgekehrt sein. So richtig gemocht hat Horst Steffen diese Unterbrechungen des Ligabetriebs nie, viel lieber hätte er mit seinem Kader an den fußballerischen Feinheiten gewerkelt – immerhin: nach der dritten Unterbrechung allein in der Hinrunde kehrt in dieser Hinsicht nun Ruhe ein. Der volle Fokus liegt jetzt endgültig auf dem Verein, nun kann final zusammenwachsen, was zusammenwachsen muss. Wobei Peter Niemeyer bekräftigt: „Eingespielt sollten wir inzwischen sein. Aber natürlich befinden wir uns noch in dem Prozess, dass sich die Automatismen in unserem Spiel herausbilden.“
Spannender Jahresendspurt: Werder Bremen will bis Weihnachten noch ordentlich Punkte sammeln
Auch er hat nichts dagegen, dass die Reisen zum Nationalteam erst einmal ein Ende haben. „Sie sind manchmal Fluch und Segen zugleich“, sagt Werder Bremens Peter Niemeyer. „Es ist meistens die Frage, wie man in solch eine Pause geht und dann wieder herauskommt. Grundsätzlich sind es gute Gelegenheiten, um auch mal durchzuschnaufen, aber ich bin froh, dass es jetzt weitergeht – und viele unserer Spieler mit echten Erfolgserlebnissen zurückkommen.“
15 Punkte sind in diesem Kalenderjahr noch zu holen, die ersten davon beim Auswärtsspiel gegen RB Leipzig (Sonntag, 15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker). Danach folgen interessante Duelle mit dem 1. FC Köln (29. November, 15.30 Uhr), Hamburger SV (7. Dezember, 15.30 Uhr), VfB Stuttgart (14. Dezember, 19.30 Uhr) und FC Augsburg (20. Dezember, 15.30 Uhr). Gegen die Sachsen hat Werder Bremen noch reichlich Luft nach oben, letztmals wurde am 18. Mai 2019 gegen sie gewonnen. Einem gewissen Claudio Pizarro gelang damals der Siegtreffer. Dass auch der Peruaner früher im Bremer Winter stets ganz besonders fror, dürfte jetzt nur wenig hilfreich sein. (mbü)
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