Werder-Nachbericht
„Wir haben schon richtig Druck auf dem Kessel“: Frust nach Werders Pokal-Pleite – Friedl schimpft und sehnt Transfers herbei
Großer Frust beim SV Werder Bremen nach dem DFB-Pokal-Aus bei Arminia Bielefeld: Auch Kapitän Marco Friedl schimpft - und wünscht sich endlich Transfers!
Bielefeld – Marco Friedl rang nach Worten. Natürlich wegen der erneuten Pokal-Niederlage in Bielefeld (0:1), die ihn mächtig frustrierte. Aber vor allem deshalb, weil der Kapitän des SV Werder Bremen nichts Falsches sagen wollte. Etwas, das ihn womöglich in die Bredouille bringen könnte. Doch es musste nicht einmal besonders intensiv zwischen den Zeilen gelesen werden, um zu erkennen, dass der Österreicher mit der aktuellen Kadersituation und den ausbleibenden Transfers alles andere als glücklich ist. „In den letzten Wochen sind einige Spieler gegangen, die Stammspieler waren. Wir haben im Vergleich zum letzten Jahr einige verloren – und wenig gemacht“, erklärte Friedl. „Deshalb hoffe ich natürlich, dass noch etwas passiert. Wenn wir abgeben und abgeben, dann müssen wir auch was holen. Das wäre bitter nötig.“
Nach krachendem DFB-Pokal-Aus in Bielefeld: Clemens Fritz erklärt Transfer-Stau beim SV Werder Bremen
Worte, die ganz automatisch an die Adresse von Clemens Fritz gerichtet sind. Der Fußball-Chef des SV Werder Bremen ist gemeinsam mit Kaderplaner Johannes Jahns und Peter Niemeyer als Leiter Profifußball für die Zusammenstellung des Personals verantwortlich. Und natürlich wurde der 44-Jährige nach der Partie auf den Bremer Transferstau angesprochen. „Ich will keinen Druck von mir schieben. Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst“, betonte Fritz. „Ich hätte auch gern bis zu diesem Zeitpunkt den Kader zusammengehabt, aber das war nicht möglich.“ Die Gründe dafür seien vielschichtig gewesen, wie er schilderte. „Es muss die Überzeugung auch da sein. Natürlich haben wir viele Gespräche geführt, aber es sind eben auch wirtschaftliche Themen und sportliche Themen, die man berücksichtigen muss“, sagte Fritz. „Manchmal muss man da eben ein bisschen geduldig sein.“
Marco Friedl schlägt nach DFB-Pokal-Aus Alarm und hofft auf Transfers bei Werder Bremen
Der Bremer Gesamtsituation war es trotzdem nicht zuträglich. „Jetzt steckst du noch mehr in der Scheiße, als du es vielleicht nach der Vorbereitung schon warst“, zürnte Kapitän Marco Friedl und schlug mit Blick auf den Bundesliga-Auftakt des SV Werder Bremen in der kommenden Woche bei Eintracht Frankfurt (Samstag, 15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) endgültig Alarm. „Wir haben schon richtig Druck auf dem Kessel, bevor die Liga überhaupt losgeht. Wir müssen uns jetzt alle selbst an die Nase packen und zügig Gas geben, denn sonst wird es ein ganz schwieriges Jahr für uns.“
In Bielefeld hatte Werder Bremen lange Zeit den schwierigen Umständen getrotzt. Nach anfänglichen Problemen übernahm der Bundesligist mehr und mehr die Kontrolle, hätte insbesondere durch eine Chance von Marco Grüll (14.) in Führung gehen können. Nachdem Senne Lynen kurz vor der Pause noch Glück hatte, nicht per Ampelkarte vom Feld zu müssen, handelte sich Leonardo Bittencourt genau diese direkt nach dem Seitenwechsel mit zwei überstürzten Fouls ein. Das Spiel kippte, Werder bekam Probleme, hatte überschaubare Alternativen auf der Bank und kassierte zur Krönung in der dritten Minute der Nachspielzeit durch den Ex-Bremer Isaiah Young das entscheidende Tor des Tages.
Fehlstart für Werder Bremen im DFB-Pokal – und noch reichlich Kader-Baustellen für Clemens Fritz und Co.
Den Faktor „mangelnde Qualität“ wollte Clemens Fritz hinterher allerdings nicht gelten lassen. „Ich glaube, dass jeder, der hier heute auf dem Platz stand, den Anspruch hat, Bundesliga zu spielen. Und ich lasse nicht zu, dass wir hier jetzt alles auf den Kader schieben“, sagte der Ex-Profi. „Sicherlich haben wir ein paar Ausfälle und werden auch noch etwas tun. Aber in ein paar Wochen reden wir hier vielleicht auch wieder darüber, dass jemand sich aufregt, weil er auf der Bank sitzt.“ Soll heißen: Der eine oder andere Akteur des SV Werder Bremen hatte da wohl eine sich bietende Gelegenheit vertan, um sich nachhaltig zu empfehlen – ohne dass Fritz explizit Namen nannte.
Nicht nur für Werder Bremen allgemein, sondern für Trainer Horst Steffen im Speziellen symbolisierte das Pokal-Aus einen klassischen Fehlstart. Auch dem 56-Jährigen fiel es alles andere als leicht, das Lächeln wiederzufinden. Er probierte es trotzdem mit einem halbwegs optimistischen Blick in die Zukunft: „Ich orientiere mich an der ersten Halbzeit, in der ich gute Ansätze gesehen habe“, sagte er und wollte das große Ganze nicht verdammen. Auch deshalb sagte er mit Blick auf die Worte seines Kapitäns: „Für mich ist kein erhöhter Druck auf dem Kessel, aber ich bin natürlich nicht zufrieden mit dem Ausscheiden. Wir werden jetzt sicherlich ein, zwei Tage brauchen, um das zu verdauen.“ Marco Friedl klang so, als könnte es vielleicht auch etwas länger dauern. (mbü)
Rubriklistenbild: © gumzmedia
