Nach Wechsel zu RB Leipzig

„Ich bin komplett mit mir im Reinen“: Was Werder Bremen und Ole Werner über ihr besonderes Wiedersehen denken

Wunden schon verheilt? So blicken Werder Bremen und Ex-Trainer Ole Werner vor dem speziellen Wiedersehen zurück auf die gemeinsame Zeit und die plötzliche Trennung im Frühjahr.

Bremen/Leipzig – Das Telefon klingelte zügig. Der 27. Mai dieses Jahres steckte noch in seinen Morgenstunden, als der SV Werder Bremen offiziell die Trennung von seinem bisherigen Cheftrainer verkündete. Der gemeinsame Weg mit Ole Werner, er hatte nach dreieinhalb erfolgreichen Jahren ein Ende. Doch ehe sich beim 37-Jährigen überhaupt so etwas wie eine berufliche Leere breitmachen konnte, meldete sich ein prominenter Berufskollege bei ihm: Jürgen Klopp. Der Erfolgscoach, der inzwischen als Global Head of Soccer bei Red Bull tätig ist, wollte direkt mal nachhorchen, ob die Möglichkeit einer Zusammenarbeit bestünde. Und das tat sie. Viele weitere Gespräche und eine Kreuzfahrt nach Norwegen mit seiner Mutter später sagte Werner bei RB Leipzig zu. Anfangs galt er für viele als Notlösung bei den Sachsen, inzwischen wird er als regelrechter Glücksfall betrachtet. Ole Werner hat geschafft, aus kriselnden Leipziger Profis eine echte Mannschaft zu formen. Mit sechs Punkten Rückstand ist man aktuell Bayern-Verfolger Nummer eins. Werners nächster Karriereschritt scheint ein guter gewesen zu sein.

Nach seinem Abgang bei Werder Bremen ist Trainer Ole Werner mit RB Leipzig aktuell Bayern-Verfolger Nummer eins.

RB Leipzig-Trainer Ole Werner blickt auf Zeit bei Werder Bremen und gescheiterte Vertragsverlängerung zurück

„Ole ist ein sehr guter Trainer, genau das haben wir an ihm so geschätzt. Ich war überzeugt davon, dass er auch an dieser neuen Station gute Arbeit leisten würde und seine Überzeugungen in die Mannschaft bringt“, sagt Peter Niemeyer als Leiter Profifußball des SV Werder Bremen im Gespräch mit der DeichStube. Der 41-Jährige ist nur einen kleinen Teil des Werner-Weges am Osterdeich mitgegangen, weil er selbst erst weit nach dem Wiederaufstieg nach Bremen zurückkehrte. Doch die Zeit genügte, um ein hohes Ansehen vom Übungsleiter zu haben. „Ich freue mich, dass es für ihn in Leipzig so gut läuft“, sagt Niemeyer deshalb, „trotzdem wollen wir natürlich am Sonntag etwas mitnehmen.“

Gern hätte die DeichStube auch mit Werders Ex-Trainer gesprochen, doch eine entsprechende Anfrage bei den Sachsen wurde abgelehnt – verbunden mit der Aussage, dass der gebürtige Preetzer lediglich während der Pressekonferenz vor dem Wiedersehen mit Werder Bremen (Sonntag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) Fragen beantworten und „vorab keine Einzelinterviews geben“ werde. Dass Ole Werner dann doch an anderer Stelle spricht, gehört zu den normalen Mechanismen des Geschäfts. Im „Phrasenmäher“-Podcast blickt er zum Beispiel noch einmal ausführlich auf seine Zeit bei den Hanseaten zurück und schildert, wie in ihm der Entschluss reifte, sein ursprünglich bis 2026 laufendes Arbeitsverhältnis nicht auszudehnen. „Wir haben im Winter darüber gesprochen, den Vertrag zu verlängern – in einem sehr offenen und transparenten Austausch, so wie wir das die ganze Zeit gepflegt haben“, erklärt Werner. „Ich bin niemand, der Politik macht oder sich groß überlegt, was seine Worte vielleicht negativ anrichten. Ich habe auch von Beginn an offen gesagt, welche Punkte für mich dafür sprechen würden, das Engagement noch einmal zu verlängern. Aber auch, wo man vielleicht an Grenzen kommt.“

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Ole Werner: „Für mich ist Werder Bremen ein tolles Kapitel und vielleicht mit die schönste Zeit, die ich bisher im Fußball hatte“

Denn er wollte den SV Werder Bremen unbedingt weiterwachsen sehen – und selbst nicht zum Hemmnis dieser Vision werden. Deshalb skizziert er jetzt noch einmal, was er in ähnlichen Worten unmittelbar nach dem Saisonende schon in einem viel beachteten DeichStube-Interview öffentlich erklärt hatte. „Entweder du hast eine gewisse Fluktuation in der Mannschaft – oder du hast irgendwann eine Veränderung beim Trainer. Wenn du diese Veränderung beim Trainer vornimmst, können alle anderen bleiben. Kein guter Spieler muss gehen, niemand muss weg. Mit einem neuen Trainer können sie etwas Neues entwickeln und vielleicht sogar noch besser werden“, sagt Ole Werner. „Umgekehrt gilt: Wenn ich bleibe, dann müssten ein paar Spieler gehen. Aber die sind eigentlich gut, fühlen sich im Verein wohl und tun der Mannschaft gut. Das ist der Punkt – und das ist der einzige Grund, warum ich gesagt habe: Nach viereinhalb Jahren wäre vielleicht der Moment für eine Veränderung gekommen. Die sind es am Ende nicht geworden. Das ist schade, aber nicht unbedingt falsch.“

Ein wenig unvorbereitet traf ihn die Freistellung nämlich anfangs schon, wie er jetzt zugibt: „Es hat mich nicht gewundert, aber ich habe trotzdem nicht damit gerechnet, dass es zwangsläufig passiert. Wenn ich die Perspektive von Clemens (Fritz, Anm. d. Red.) einnehme, verstehe ich aber total, warum er das so entschieden hat. Ich bin ja nicht doof.“ Ironie der Geschichte ist, dass es bei Werder Bremen im Prinzip beide Veränderungen im vergangenen Sommer gab. Nicht nur einen neuen Trainer in Horst Steffen, sondern auch allerlei neue Spieler. Wie er heute auf die personelle Rochade an der Weser blickt? „Da habe ich nicht viel drüber nachgedacht“, sagt Ole Werner. „Für mich ist das Thema Werder ein tolles Kapitel und vielleicht mit die schönste Zeit, die ich bisher im Fußball hatte. Aber das ist abgeschlossen und ich bin da komplett mit mir und uns im Reinen.“

Warum Ole Werner beim Werder Bremen-Abgang auf viele Worte verzichtete: „Bin leise gekommen und leise gegangen“

Auf Bremer Seite ist das nicht anders. Ohne Groll wird auf die Ereignisse im Frühjahr geblickt. Auch weil der Übergang zu Horst Steffen trotz schwieriger Umstände gelang, das Team aktuell in der Tabelle gut dasteht. Etwas, das damals zwar erhofft wurde, aber keineswegs garantiert werden konnte. „Es ist schön zu sehen, dass die Ideen, die wir damals mit der Einstellung von Horst hatten, jetzt Früchte tragen“, sagt Peter Niemeyer. „Wir beschäftigen uns permanent damit, wie wir uns kontinuierlich weiterentwickeln können – und dafür haben wir mit Horst Steffen einen sehr guten Trainer.“

Einer, der ähnlich ruhig wie Ole Werner in der Öffentlichkeit daherkommt, nicht den großen Auftritt braucht. Oder – wie im Falle des Ex-Bremers – den großen Abgang. Kein Video, kein Abschiedsbrief wurde an die Fans gerichtet, als Werner damals bei Werder Bremen ging. „Ich hatte weder das Gefühl, dass es der Wunsch des Vereins ist, noch ist es für mich wichtig gewesen. Das, was es noch zu sagen gab, stand in der Pressemitteilung“, meint Werner gelassen. „Das gehört aber auch zu den Dingen, die ich nicht brauche. Es geht mir nicht darum, irgendwelche rührseligen Worte zu finden und die Leute können dann darunterschreiben: ,Ole, mach’s gut!‘ Ich bin leise gekommen und relativ leise gegangen – und dazwischen ist viel Gutes passiert.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Gabor Krieg/Picture Point LE

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