DeichStube-Nachbericht

Thioune verschärft den Ton: Werder-Trainer nimmt Spieler nach der Pleite gegen Mainz 05 klar in die Pflicht

Der Auftritt gegen Mainz 05 war für den SV Werder Bremen ein echter Rückschritt im Abstiegskampf. Jetzt verschärft Trainer Daniel Thioune den Ton!

Die Wortwahl variierte leicht. Inhaltlich lagen Urs Fischer und Daniel Thioune am späten Sonntagnachmittag jedoch voll auf einer Wellenlänge. Ein und dieselbe Tatsache, ausgedrückt aus verschiedenen Perspektiven, in unterschiedlichen Stimmungslagen. Während also Fischer in seiner Rolle als Cheftrainer des 1. FSV Mainz 05 nach dem 2:0-Erfolg in Bremen zufrieden festhielt: „Werder hat uns hinten reingedrückt, aber ohne dabei gefährlich zu werden“, war es Werder-Coach Thioune, der mit zerknirschter Miene konstatierte: „Wir haben den Gegner dominiert, haben ihm aber nicht wehgetan.“ Konnte man beides so stehen lassen. Der Hauptgrund der Niederlage des SV Werder Bremen war damit umrissen: Offensiv ging bei den Hausherren wenig bis gar nichts. Was wiederum den Traum vom dritten Sieg in Serie platzen ließ und das Abrutschen auf Tabellenplatz 15 bedeutete. „Wenn man ein Tor erzielen will, muss man das Tor auch mal treffen. Aber weder der letzte Pass noch der Abschluss waren bei uns gut genug“, sagte ein angesäuerter Thioune, der den Ton gegenüber seinen Spielern nach der Mainz-Pleite merklich verschärfte. 

Großer Frust bei Werder Bremen: Die Niederlage gegen den 1. FSV Mainz 05 war ein echter Rückschritt im Abstiegskampf.

Werder Bremen gegen Mainz 05 statistisch gesehen überlegen und doch völlig harmlos vor dem Tor

Aus den Worten des 51-Jährigen sprach eine Mischung aus Enttäuschung und Verwunderung, sowohl am Sonntag kurz nach dem Abpfiff als auch am Montagvormittag noch, nach einer vermutlich wenig geruhsamen Nacht. Kurz bevor das Training für die Ersatzspieler am Osterdeich begann, gab Daniel Thioune zu Protokoll: „Gegen Mainz hat es wohl alle Beteiligten überrascht, dass wir das, was wir uns in den Wochen zuvor aufgebaut haben, wieder umgeschmissen haben.“ Kurze Kunstpause, dann der Zusatz: „Selbstverschuldet.“ Tatsächlich hatte Werder Bremen im Vergleich zum überzeugenden 4:1-Erfolg bei Union Berlin vieles vermissen lassen, was es braucht, um einen Gegner ernsthaft vor Probleme zu stellen: Genauigkeit im letzten Drittel, Tempo, Entschlossenheit, Ideenreichtum. „Wir haben vorne keine Lösungsansätze gefunden, unser Spiel lief sehr schleppend“, monierte Sportchef Clemens Fritz. Auch die Spieler machten daraus nach der neunten Saisonniederlage keinen Hehl. „In den Szenen, die zu Chancen hätten führen können, waren wir viel zu unsauber“, sagte etwa Leonardo Bittencourt.

Statistisch gesehen gab Werder Bremen zwar mehr Torschüsse ab als Gegner Mainz 05 (16:11), spielte mehr Pässe (604:304) inklusive der besseren Quote (85:69 Prozent) und hatte darüber hinaus auch deutlich mehr Ballbesitz (66:34 Prozent) – wirklich schmerzhaft wurde es für die Rheinhessen aber nie. Vor allem in zwei Momenten – bei den vergebenen Chancen von Marco Grüll (48.) und Justin Njinmah (64.) – hätte das in den Augen von Daniel Thioune anders sein müssen: „Die Abschlüsse von Marco und Justin, das waren Positionen, wo man verlangen kann, dass ein Spieler das Tor trifft.“

Werder Bremen im Abstiegskampf: „Werden erst am 34. Spieltag sehen, wie viel Bundesliga-Tauglichkeit wir haben“

Jubeln durfte am Sonntag jedoch nur der Gegner, in Person von Paul Nebel (6.) und Jae-Sung Lee (52.), weil Werder Bremen zu allem Überfluss auch defensiv zweimal nicht auf der Höhe war. Als „viel zu einfach“ stufte Linksverteidiger Olivier Deman die beiden Gegentreffer hinterher ein. Sein Resümee: „Die Mainzer waren in beiden Boxen einfach schärfer als wir.“ Ein Zustand, den sich eine Mannschaft im Abstiegskampf schlicht nicht erlauben kann, vollkommen gegner- und spielstandunabhängig. Wahrscheinlich auch deshalb Thiounes verschärfter Ton gegenüber seiner Mannschaft, als Wachrüttler, als Alarmsignal. Angesprochen auf mögliche personelle Änderungen vor dem Werder-Auswärtsspiel in Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker), sagte der Cheftrainer am Montag: „So viele Spieler sich letzte Woche in Berlin für einen Einsatz gegen Mainz qualifiziert haben, so viele haben sich jetzt vielleicht ein Stück weit disqualifiziert.“

Vier Trainingstage bleiben den Profis des SV Werder Bremen Zeit, um diesen Eindruck wieder zu korrigieren. Insgesamt sind es dann noch acht Spieltage, nach denen sich für Daniel Thioune auch endgültig eine entscheidende Frage klärt. Nicht vorher. „Diese Mannschaft hat schon in vielen Momenten gezeigt, dass sie bundesligatauglich ist. Aber wir können es bisher nicht konstant halten. Deshalb werden wir erst am 34. Spieltag sehen, wie viel Bundesligatauglichkeit wir besessen haben.“ (dco)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Malte Ossowski/Sven Simon

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